(„Control“ directed by Anton Corbijn, 2007)

Anton Corbijn, der bereits diverse Videoclips von berühmten Bands (Metallica, U2, Depeche Mode) gedreht hat, beweist mit diesem eindrucksvollen Streifen, dass er nicht nur Clips sondern auch Filme drehen kann.
Es handelt sich um eine 120 minütige Biographie von Ian Curtis (Sam Riley), dem verstorbenen Sänger der englischen Band Joy Division. Der Film streift kurz Curtis‘ frühe Jugend, wechselt aber bald zu den Zeitpunkt, wo er Frontman der Band Warsaw wird, die sich später in Joy Division umbenennt. Der Name war laut Curtis ein Bordell im 2. Weltkrieg, das von den Nazis frequentiert wurde.
Die junge Band wird durch kleinere Gigs in Manchester bald in ganz England bekannt und nachdem sie einen Plattenvertrag unterschreiben, stehen ihnen diverse Konzerte in Europa und schließlich eine US-Tour bevor. Der Film konzentriert sich aber auch auf das Privatleben des Ian Curtis. Sehr jung mit seiner Jugendliebe Debbie (Samantha Morton) verheiratet, werden die beiden auch bald Eltern eines Mädchens. Mit zunehmender Popularität der Post-Punk-Band, scheint es aber so als ob sich Ian mehr und mehr von seiner Frau entfernt. Er lernt Annik (Alexandra Maria Lara), eine hübsche Belgierin, kennen und verliebt sich in sie. Seine Beziehung zu Debbie scheint langsam aber sicher vollkommen zu erstarren. Sein Gesundheitszustand macht es dem jungen Mann dabei nicht unbedingt leichter. Aufgrund epileptischer Anfälle, ist er gezwungen diverse Pillen einzunehmen, dessen Nebenwirkungen er erst noch entdecken muss, so jedenfalls sein Arzt (Herbert Grönemeyer). In seinen düsteren Texten verarbeitet er sein Leben und seine Erfahrungen, doch es sollte nicht ausreichend sein: Mit 23 Jahren, nach zwei veröffentlichten LPs und kurz vor der geplanten US-Tournee, erhängt sich Ian Curtis.
Dieser Schwarz-Weiß Film ist ein Must-See auch für Nicht-Fans. Ich selbst kannte bisher auch nicht viel von Joy Division, der Streifen hat es aber geschafft mich sehr neugierig zu machen. Sam Riley spielt extrem authentisch und konnte mich ab der ersten Minute überzeugen. Mich würde es nicht wundern wenn dieser Film seinen Durchbruch markieren sollte. Auch die beiden weiblichen Hauptdarsteller überzeugen, vor allem aber Samantha Morton spielt einen überragenden Part. Die musikalische Untermalung – wie sollte es anders sein – bilden diverse Songs der Band selbst.
Die Serie der „guten Filme 2008“ scheint also tatsächlich anzuhalten.

Control
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3 Responses

  1. parker

    Yeah! Hätte mir mehr Details über Joy Divsion und Musikeinlagen gewünscht aber Corbijn hat sich ja ausdrücklich auf die Psyche von Curtis konzentriert.

    Fand es sehr gut das Curtis nicht heroisiert wurde sondern schonungslos auch seine Schwächen und Launen gezeigt wurden. Seine „Dark-Wave“ Attitüde war ja nicht gestellt so wie bei vielen heutigen „Emo“- Bands sondern einfach sein Charrakter.

    Interessant zu erwähnen, dass die Frau von Curtis viel Einfluß auf den Plot zu hatte, deshalb ist sie meiner Meinung nach auch ein bisschen überzeichnet dargestellt.

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  2. Candide

    Hab ihn jetzt nochmals auf BD gesehen, ein würdiges Format für so einen genialen Film. Riley gefällt immer noch ausgesprochen gut, der Grundtenor des Werkes ist spitze und die Songs fügen sich nahtlos ins Geschehen ein.

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