(„Reservoir Dogs“ directed by Quentin Tarantino, 1992)

Reservoir DogsIch weiß schon gar nicht mehr wie oft ich das Erstlingswerk von Quentin Tarantino gesehen habe, aber es ist klar, dass der Film immer noch verdammt gut ist und er trotz seines Alters, modern und frisch wirkt. Immer noch fasziniert mich die Tatsache, dass das „Wunderkind“ mit einem so minimalen Set und Budget einen so genialen Film hinbekommen hat. Die Story ist eigentlich sehr schlicht und dreht sich um einen Diamantendiebstahl der fehlgeschlagen ist.

Mr.Blonde (Michael Madsen) beginnt, nachdem der Alarm ausgelöst wurde, wie wild um sich zu schießen und richtet ein Blutbad an. Mr. Blue (Eddie Bunker) und Mr. Brown (Quentin Tarantino) sterben auf der Flucht, während Mr. Orange (Tim Roth) durch einen Bauchschuss am verbluten ist. Mr. White (Harvey Keitel) bringt schlussendlich den Verletzten zum vereinbarten Treffpunkt. Der Zuschauer erfährt dies jedoch erst nach und nach, denn der Film beginnt mit einem blutenden Mr.Orange und einem hysterischen Mr.White, der ihn zu dem mit Joe Cabot (Lawrence Tierney) vereinbarten Checkpoint fährt.

Der Rest des Streifens spielt – mit kleinen Ausnahmen – ausschließlich in einer Lagerhalle, den famosen Treffpunkt, ab. Nach Ankunft von Mr.White und Mr.Orange treffen zuerst Mr.Pink (Steve Buscemi) und dann der Psychopat Mr.Blonde im Versteck ein. Der Zuschauer erlebt geniale Dialoge zwischen den Charakteren, hervorragende Schauspielleistungen und eine unvergessliche Folterszene, bis endlich Joe und sein Sohn Nice Guy Eddie (Chris Penn) im Versteck ankommen. In der Zwischenzeit sind die Gangster zum Schluss gekommen, dass es unter ihnen einen Verräter geben muss, denn die Cops waren viel zu schnell am Tatort. In diversen Flashbacks erfährt man nun wer die einzelnen Charaktere sind, wie der Überfall geplant wurde und wer nun eigentlich der Verräter ist. Der Überfall selbst fehlt jedoch komplett. Genau das macht auch den Reiz am Film aus, da sich zwar alles um den Raub dreht, das Delikt aber nie gezeigt wird.

Die musikalische Untermalung ist, wie bei Quentin Tarantino üblich, selbst von ihm gewählt und besteht aus diversen Pop-Songs die sehr passend sind und nicht als Score sondern als „reale“ Musik im Film vorkommen. Wenn etwa Mr.White das Autoradio einschaltet hört dies auch der Kinobesucher, schaltet er es ab gibt es auch keine Musik mehr.

Reservoir Dogs
3.78 (75.56%) 9 Artikel bewerten

Reservoir Dogs
Für mich eindeutig ein "must see" und bei meinem Favoriten und Juwelen immer ganz oben zu finden
9von 10

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11 Responses

  1. Parker

    Naja, Pulp Fiction war schon noch um Klassen besser. Mir persönlich sagt „Death Proof“ mehr zu als R.D. Tarantino ist zwar gut, ist und bleibt aber Trash (bis auf Kill Bill).

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  2. Candide

    Mal abgesehen davon dass seine Filme nicht unbedingt vergleichbar sind halte ich persönlich DP bisher für seinen schwächsten Streifen.
    RD war eben sein Debüt und er hat mit einen minimalen Budget (und wir sprechen hier von wirklich wenig Kohle) einen Wahnsinns-Film gemacht. Leute die ein vielfaches an Geld zur Verfügung hatten ist es nicht gelungen so etwas zeitloses wie RD zu erschaffen.

    Die Meinungen nach der Vorführung von „Inglorious Basterds“ in Cannes sind zwar sehr unterschiedlicher Natur, ich kann es aber dennoch kaum erwarten bis er in die Kinos kommt.

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  3. Inspector Santini

    Tarantino als Trash zu bezeichnen geht mir persönlich viel zu weit. Trash-Filme sind schlechte Filme (manchmal so schlecht das sie wieder geil sind) also das genaue Gegenteil von einem QT-Film. Jeder der ernshaft behauptet Tarantinio-Filme seien Trash soll sich mal die Streifen der Troma-Filmschmiede oder Werke von Claudio Fragasso und Bruno Mattei reinziehen. Tarantino ist zwar ein Trash-Connaisseur aber kein Stümper.

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  4. Candide

    Stimmt auch wieder. Liegt vielleicht daran dass Q.T. sich solchen Elemente gerne bedient. Trash ist in der Tat eine zu harte Bezeichnung da in seinen Filmen doch mehr geboten wird eben sein eigener Stil/Mix. Am ehesten fand ich da noch das Projekt Grindhouse Trash wobei dies ja bestimmt so von seinen Erschaffern erwünscht ist.

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  5. Inspector Santini

    Wie breits gesagt, Trash ist richtig schlecht . Laiendarsteller, Movie-Goofs, miese Effekte, schwachsinnige Dialoge, schwachsinniges Script,schäbige Locations, hässliche Kostüme, schlechte Kameraarbeit etc. Das ist Trash. Super Beispiele für Trash sind alle Troma-Filme , „Troll 2“ von Fragasso und ganz besonders „Plan 9 from outer space“ von Ed Wood, der Trash-Prototyp. Ich persönlich hab ein großes Herz für Trash und es gibt auch einige wirkliche Trash-Perlen aber der Mainstream-Viewer wird die Filme in der Regel zum Kotzen finden und die Stop-Taste suchen.
    Bei Tarantino hab ich eigentlich noch keine wirklichen Trash-Zitate entdeckt, auch nicht bei der Exploitation-Sause „Death Proof“. Man macht oft den Fehler und verwechselt Trash mit Explotation oder B-Movies.

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  6. Candide

    Die Verwechslung mit B-Movie trifft den Nagel wohl auf den Kopf 🙂 Vielleicht können wir uns ja darauf einigen dass man Tarantinos Filme als teilweise trashig ansehen kann. Was du mit Trash-Film meinst und was man eigentlich darunter versteht ist anhand deiner Beispiele ja sonnenklar 😉

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  7. Inspector Santini

    Ich finde es blöd hier den Rechthaber raushängen zu lassen, aber ich kann beim besten Willen nichts trashiges an Tarantinos Filmen finden. Zu Quentins Trademarks gehören Überstilisierung und Übertreibungen dazu kommt das er sich querbeet durch die ganze Pop-Kultur sampled, deshalb finde ich die Bezeichnung „Camp“ mehr als passend um seine Filme zu beschreiben…just my two cents.

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  8. Parker

    Ok, vielleicht werde ich jetzt als Nichtauskenner gebranntmarkt, aber ich beurteile einen Film zuerst aufgrund des Plots. Also welches Ziel verfolgte der Regisseur beim Dreh und hat er es geschafft Spannungsbögen aufzubauen und die Pointe überaschend in die Erzählung einzubauen. Falls man keine Aussage erkennen kann, gibt es immer noch das eher schwammige, aber beim Medium Film sehr wichtige Gefühlslevel. Hat der Regisseur es geschafft seine Zuschauer mitzureissen, zu berühren, vielleicht sogar etwas zu lehren? Wenn nein, kommt bei erst die Schauspielkunst der Akteure an sich und die Effekte, Requisiten, e.t.c.

    R.D. ist vielleicht wegen der Schauspielleistung genial und kann auch einigermaßen mit seinem Ende überraschen, aber ansonsten sieht es irgend wie lau aus. „Poppig“ reicht mir als herrausragendes Kriterium nicht aus. Das mag in der Epoche des Postmodernismus und der Retrowellen ausreichen, aber ich erwarte mir mehr von einem „Kultfilm“.

    Vielleicht ist es also kein Trash im korrekten Filmjargon, aber für mich zählt bei R.D. nicht die Tiefe sondern die Oberfläche und das reicht für mich aus um ihn nicht als großes Kunstwerk zu betrachten.

    Anyway, Kunst liegt im Auge des Betrachters … oder so.

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  9. Inspector Santini

    R.D ist auch ein Kind seiner Zeit und damals war R.D einfach etwas unfassbar Neues. Tarantinos Geschichte ist ja schon damals nicht mehr innovativ gewesen aber die Erzähltechnik war fürs Kino grundlegend neu . Er sampled alte Filmmotive, re-sampled sie und arrangiert sie neu.Tarantino macht aus den ganzen klischeehaften Gangster-Typen , wie man sie zig mal in Filmen gesehen hat, „reale“ Personen und fragt sich wie sie in der „realen“ Welt agieren würden. Der Film war `92 einfach eine Frischzellenkur fürs Kino. Ob Tarantino jetzt wirklich Kunst ist oder einfach nur trivial werden irgendwelche Krtiker entscheiden aber den Innovationspreis hat er schonmal gewonnen und manchmal macht auch elegante Technik ein Kunstwerk aus.

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  10. Candide

    @ Inspector: Niemand lässt hier den Besserwisser raushängen sondern äußert einfach nur seine Meinung 😉 Wären wir Besserwisser oder mit anderen Worten „anerkannte Kritiker des Establishments“ würde es wohl kaum möglich sein die Rezensionen direkt darunter zu kommentieren 🙂

    Zur restlichen Diskussion: Sehe es ähnlich wie der Inspector was den Kultfilm-Status angeht. R.D. war neu, innovativ und imo auch in gewisser Hinsicht Postmodern. Seine Filme würde ich persönlich allesamt als Kunst bezeichnen, schließlich geht es doch um eine Ausdrucksform. Auch wenn er lediglich sampled und re-sampled schafft er immerhin etwas Neues (wobei auch bestimmt dieser Prozess an und für sich nicht seine Erfindung sein wird).

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