(„300“ directed by Zack Snyder, 2007)

Der Film von Zack Snyder basiert auf dem gleichnamigen Comic, oder besser gesagt Graphic-Novel, von Frank Miller. Ich kannte die Vorlage bereits und war sehr gespannt wie der Streifen die äußerst interessante und brutale Thematik darstellen würde. Um es vorweg zu nehmen: ich wurde nicht enttäuscht.
Der Film baut die Story aus und fügt neue, in der Vorlage nicht vorkommenden Szenen, hinzu ohne das Fundament zu zerstören. Lediglich der Schluss gefiel mir nicht, da wurde im Vergleich zu Millers Arbeit komplett daneben gegriffen.

Die Story an und für sich ist recht simpel und schnell erzählt: es geht um die historische Schlacht bei den Thermopylen um ca. 450 v. Christus. Das persische Großreich unter dem Gott-König Xerxes (Rodrigo Santoro) will sich auch noch Griechenland unter den Nagel reißen. Eine handvoll Spartiaten stellt sich da allerdings quer. Es sind die berühmten 300, die unter König Leonidas (Gerard Butler) bereit sind für ihr Land zu sterben. Die Spartaner sind ein kleiner, aber gefürchtetes Kriegsvolk die Xerxes Kopfschmerzen verursachen werden.

Erst durch den Verrat des missgebildeten und deshalb verstoßenen Ephialtes (Andrew Tiernan), gelingt es den Persern die Phalanx der Spartaner zu umgehen und ihnen in den Rücken zu fallen. Der spartanische Grundsatz verbietet es allerdings die somit verlorene Schlacht aufzugeben, weshalb sie bis zum letzten Mann weiter kämpfen. Lediglich Dilios (David Wenham) wird zurück nach Hause geschickt um von den Taten Leonidas zu berichten und somit Geschichte zu schreiben.

Der Film begeistert vor allem durch die gewaltige Bilderflut und die wunderbaren Kostüme. Die Musik von Tyler Bates ist dabei meistens sehr passend und unterstreicht das Leinwandepos. Laut einigen Kritikern verpackt der Film faschistoide Inhalte und richtet sich als politische Propaganda gegen Persien, dem heutigen Iran, Afghanistan, Pakistan. Für mich persönlich basiert der Film einfach nur auf historische Gegebenheiten denen Frank Miller einen „coolen“ und natürlich auch überzeichneten Touch verpasst hat, ohne dabei allzu viel Wert auf historische Korrektheit zu legen. Gewisse Zuschauer mögen darin wohl Nationalismus oder ähnliches erkennen, ein anderer könnte vielleicht aber auch Auflehnung gegen herrschende Systeme sehen.

300
3.55 (70.91%) 11 Artikel bewerten

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15 Responses

  1. Dominik

    Mich hat der Film auch sehr an SinCity erinnert. Nicht nur weil es auch eine Comicverfilmung ist, sondern stiltechnisch sehr ähnlich gemacht ist.

    Coole Sache 🙂

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  2. Der kleine Candide

    Mhhh…vermutlich weil der Comicautor in beiden Fällen Frank Miller heißt? Achja bei Sin City hat er auch maßgebend teilgenommen an der Verfilmung und sieh da bei „300“ hat er selbst gemacht 😉

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  3. Anonymous

    Genau wie befürchtet hat er mir nicht so gut gefallen. Klar, klasse Bilder und toll gemacht und so, aber dieses Ehre und Stärke Gerede geht einem ja sowas von auf den Sack. Mit dieser Story kann ich wirklich gar nichts anfangen. Man kann da bestimmt tolle Sachen hinein interpretieren, aber ich finds ziemlich dumm.

    felix

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  4. Der kleine Candide

    Über das Thema hatten wir schon mal das Vergnügen 😉

    Ich respektiere deine Meinung. Ich mag übrigens auch nicht die ganzen Kiddies die den Film nur aufgrund der Action geil finden. Mein Lieblingsbild aus dem Comic fehlt übrigens im Film. Es handelt sich dabei um die Prespektive aus der Sicht von Leonidas: Man sieht im Comic auf einer Doublepage wie er die Lage aus durch den Spartanerhelm sieht.

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  5. Ijon Tichy

    Ordentliche Comic-Verfilmung.
    Die wenigen Änderungen im Vergleich zur Vorlage gehen im Großen und Ganzen in Ordnung.
    Die Ästhetik ist herausragend und auf der Höhe der Zeit.
    Inhaltlich war mir schon der Comic zu militaristisch und faschistisch veranlagt.
    Was ist denn (aus ethischer Sicht) dass für ein toller Staat, der Werte wie Freiheit auf dem Schlachtfeld verteidigt, aber gleich bei der Geburt eine rassistische Selektion durchzieht.
    Miller wird meines Erachtens als Comickünstler und Filmemacher überschätzt.

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  6. Candide

    Hab mir jetzt die Ultimate Experience auf BD gekauft. Die Extras fallen dabei etwas enttäuschend aus und entlarven Zack Snyder als recht beschränkten Fanboy der nicht unbedingt intelligente Kommentare von sich gibt außer Sätze wie „Ich wollte einen coolen Fillm machen„.

    Nichts desto trotz finde ich die Adaption recht gelungen. Ich kann wie gesagt Kritiken wie die von Ijon nachvollziehen und kann dagegen auch keine Argumente finden. Die Graphic Novel ist inhaltlich nicht unbedingt ein Juwel, vielmehr zählt hier die visuelle Kraft von Miller. Ihm jedoch schleichenden Faschismus vorzuwerfen geht meiner Meinung nach zu weit denn dann könnte man genauso sagen sein „Sin City“ sei sexistisch, was ich aufgrund seiner starken Frauenbilder bspw. nie unterschreiben würde.

    Nochmals war ich von den tollen Kostümen, wenn auch nicht faktisch korrekt, begeistert, Miller versteht kurz gesagt einfach was ein cooler Look ist und haben sollte.

    Miller wird meines Erachtens als Comickünstler und Filmemacher überschätzt.

    Stimmt, aber das gilt für jede Menge Künstler, siehe dazu z.B. auch Alan Moore. Alles was der Engländern anfasst verwandelt sich bei gewissen Leuten zu Gold, Bullshit!
    Bei Frank schätze ich wie gesagt die Grafik mit der er eine wahnsinnige Atmosphäre schafft und die schrägen Figuren mit ihrem coolen Look, that’s it.

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  7. Parker

    Hab den Film jetzt auch endlich mal gesehn. An die Comicvorlage kann ich mich leider nur mehr schlecht erinnern, deshalb kann ich dazu auch nix sagen. Hab aber gelesen, dass Leonidas bei Millar noch brutaler und auch wortkarger dargestellt wird.

    Zur Historizität (muss jetzt sein candide :-0): Im Film kommen zwar die Hilfstruppen vor, aber es wird verschwiegen, dass die Griechen insgesammt über 6000 Mann gestellt haben von denen um die 1000 gefallen sind.
    Die bei den Athenern angesprochene „Knabenliebe“ kam ausserdem auch in Sparta vor. Natürlich stört das im Konzept und wurde deshalb weggelassen. Naja, darum gehts ja auch nicht im Film, trotzdem konnte ich es mir nicht verkneifen 😉

    Zum storytelling muss ich sagen: Großes Kino, die Spannung wurde immer auf hohem Level gehalten und der Film lebte nicht nur (wie ich schon befürchtete) von den Kampfszenen. Der Plot ist, obwohl im vergleich zum Comic aufpoliert, trotzdem dünn und vorhersehbar. Sound und Bilderwelten ziehen den Zuseher aber dennoch in ihren Bann.

    Meiner Meinung nach ist 300 ein gewaltiger Tritt in die Eier von Feministen (ja die männlichen) und Typen die sich vom androgynen Männerbild der Werbung haben brainwashen lassen. Die Medien gaukeln uns ja schon seit Jahren eine „Krise der Männlichkeit“ vor und Kampfemanzen proklamieren lautstark, dass alles Böse vom Mann ausgehe, da die meisten Gewalttäter Männern sind (was auch angezweifelt wird).
    Millar geht mit 300, wie auch schon bei Sin City und Dark Knight aus der Defensive und sagt: SO WHAT? Das spaltet das Puplikum. Die einen jubeln, die anderen sind angepisst.

    Meiner Meinung nach ist die Schlacht bei den Thermophylen nur eine Kulisse die auch ganz anders hätte aussehn können (z.B. fiktiv wie bei Sin City). Das Thema ist nämlich nicht Geschichte sondern Agressionsverhalten. Aggression ist ein Teil des Mannes und kann zum Guten wie auch zum Schlechten eingetzt werden. Millar und Snyder machen kein Statement ob sie die Spartaner bewundernswert finden (die „Faschismuskeule“ ist der Beißreflex derjenigen denen in die Eier getreten wurde), ihnen geht es nur um eins: Diese Seite des männlichen Egos ästhetisch darzustellen. Der angekündigte „Ruhm“ besteht darin, dass diese Aggression gepaart mit Mut und dem unbeugsamen Willen zu Überleben von den Menschen bewundert wird. Politik, schon gar nicht moderne Politik hat damit absolut nichts zu tun und sollte meiner Meinung nach aus sämtlichen Rezensionen rausgehalten werden.

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    • Ijon Tichy

      Politik, schon gar nicht moderne Politik hat damit absolut nichts zu tun und sollte meiner Meinung nach aus sämtlichen Rezensionen rausgehalten werden.

      Das ist nicht stichhaltig! Denn in Filmrezensionen kann/wird immer auch Filmanalyse betrieben.

      Im Bereich der soziologischen Filmanalyse kann deshalb ausnahmslos JEDER Film auch auf seinen sozialen und politischen Gehalt abgeklopft werden.

      Faktisch selektieren die Spartaner im Film den Nachwuchs nach phänotypischen Merkmalen. Wie man das nennt ist mir prinzipiell egal. Und über die politische Einstellung Millers lässt sich darüber auch noch nichts ableiten.

      Aber Politik – auch Parallelen zur modernen Politik – íst trotzdem prinzipiell jederzeit in Filmrezensionen zulässig. Es sei denn man betreibt eine einseitig ästhetische oder semiotische oder andere Filmanaylse und verweigert sich dem soziologischen Zugang.

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      • Parker

        Aber Politik – auch Parallelen zur modernen Politik – íst trotzdem prinzipiell jederzeit in Filmrezensionen zulässig. Es sei denn man betreibt eine einseitig ästhetische oder semiotische oder andere Filmanaylse und verweigert sich dem soziologischen Zugang.  

        Klar kann man das. Aber wenn ich 300 einer Gender- oder Macht-Frage analysiere dann bewege ich mich zwangsläufig auf das zu was Millar persiflieren will.

        Ich meinte mir Politik eher die unnötige Fascho- und Nahostkritik. Die Spartaner waren nach heutigen Maßstäben brutale Schlächter, punkt. Da könnte man jeden Samuraifilm genau den selben Vorwurf machen. Wenn ich mir so einen Film ansehe, dann weis ich aber worauf ich mich einlasse und blende gewisse Kritikpunkte aus.

        Zugespitzt formuliert: Snyder hat mit 300 ein Gender-Statement gesetzt. Ein Statement zum Nahen Osten mit 99.99 %iger Wahrscheinlichkeit aber nicht.

      • Parker

        Das ist nicht stichhaltig! Denn in Filmrezensionen kann/wird immer auch Filmanalyse betrieben.

        Ich meinte mit meinem Kommentar nicht, dass keine Filmrezension über politische Filme geschrieben werden sollte. Das soll meiner Meinung nach sogar passieren!
        Ich meinte nur, dass die angesprochenen Dinge in keiner Rezension ÜBER 300 vorkommen sollte, da man sonst das Thema verfehlt. Vielleicht hab ich mich da falsch ausgedrückt.

  8. Candide

    Historizität: deshalb hatte ich ja auch das Wörtchen „basiert“ im Review unterstrichen, aber ich fand Deinen Kommentar sehr amüsant, also mission accomplished 😉

    Wie Du richtig schreibst geht es um ganz was anderes und ich bin der Meinung viele Kritiker haben das einfach ignoriert. Millar und auch Snyder (genauso wie Mel Gibson, ja!!!) haben aber nie behauptet irgendwie historisch korrekt sein zu wollen. Nachdem die Feministen ausgeknockt wurden haben sie den Geschichtsfetischisten auch noch „in die Eier getreten“.

    Einziger Kritikpunkt der bei mir wirklich Fuß fasst, ist die Tatsache, dass dem Ganzen ein sehr dünner Handlungsstrang zu Grunde liegt und man somit diesbezüglich enttäuscht werden könnte (wenn man nicht auf optischen Schnickschnack steht kann das leicht passieren). Im Comic ist das aber nicht besser, sondern ja Parker, Leonidas wird hier viel brutaler aber vor allem gefühlloser gezeichnet. Auffalend ist aber, dass die (meisten) Fans dieses Mediums Millers Arbeit gut oder zumindest „cool“ finden.

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  9. Inspector Santini

    Öhm ja, da muss ich Parker eigentlich in allen Punkten beipflichten 🙂
    Ist ja auch ein Film bzw. Comic über eine legendäre Schlacht aus der Antike und im antiken Griechenland waren Ehre, Stärke, Mut Männlichkeit und auch Kriegslist das A und O – man muss sich dazu doch nur mal die homerischen Epen durchlesen.

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  10. movie-struck

    Ich bewundere auf jeden Fall euer Durchhaltevermögen bei der Diskussion über etwas, dass mit großer Sicherheit gar nicht exisitert, zumindest nicht bei dem eigentlichen Thema -> 300!
    Klar ist es sinnvoll und reizvoll die Politik mit einfließen zu lassen, wie langweilig wäre es denn auch ohne. Wir können ja selbst bei „made-in-Hollywood“ das wahre Geschehen nicht außen vor lassen. Bei 300 ist das ein Fass ohne Boden, da könnte man wochenlang über sinn, unsinn, Realität und Übertreibung philosophieren… aber wozu? 😉
    Spitzen Film übrigens! „Da geht der Punk ab“, sozusagen. Bildgewaltig ist genau der richtige Ausdruck!

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