A Missing Part Une Part manquante
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A Missing Part

A Missing Part Une Part manquante
„A Missing Part“ // Deutschland-Start: 2. April 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Früher arbeitete Jérôme (Roman Duris) als Chefkoch. Seit einigen Jahren geht er jedoch einem anderen Beruf nach, er ist als Taxifahrer in Tokio unterwegs. Dieser Wechsel hat jedoch weniger mit sich verändernden Karriereideen zu tun. Er ist das Ergebnis einer traurigen Entwicklung: Er und seine japanische Frau Keiko (YumiNarita) haben sich getrennt, seither hat er die gemeinsame Tochter Lily (Mei Cirne-Masuki) nicht mehr gesehen. Er hat die Suche nach der Jugendlichen jedoch nie aufgegeben, selbst wenn er sich nicht sicher sein kann, dass er sie überhaupt wiedererkennen würde. Durch seine Fahrten durch die Metropole hofft er auf einen glücklichen Zufall. Als dieser nach Jahren ausbleibt, fasst der Franzose den Plan, doch noch in seine Heimat zurückzukehren – bis ein Mädchen in sein Taxi steigt, in dem er Lily zu erkennen glaubt …

Streit um die Kinder

Bis dass der Tod uns scheidet? Das wird immer mehr zur Ausnahme, inzwischen ist es Standard, dass sich auch Ehepaare irgendwann wieder trennen. Das kann vor allem dann schwierig werden, wenn Kinder im Spiel sind und der Streit beginnt, bei welchem Elternteil sie aufwachsen. Immer wieder werden Filme zu diesem Thema gedreht, Kramer gegen Kramer und Marriage Story sind zwei bekannte Beispiele. Mit A Missing Part kommt nun ein weiterer Film bei uns heraus, der sich mit diesem Thema befasst. Wobei die Situation hier noch einmal verschärft ist. Schließlich geht es um einen Mann, der in einem fremden Land darum kämpft, seine Tochter sehen zu dürfen, wegen der Gesetzeslage aber keine Chance hat. Seine Frau darf ihm das Kind vorenthalten, er kann nichts dagegen tun.

Das klingt zunächst nach einer Benachteiligung von Ausländern. Tatsächlich ist das Problem aber eine Regelung, die kein gemeinsames Sorgerecht vorsieht. Üblich ist, dass das Kind nach der Trennung bei dem Elternteil bleibt, bei dem es bis zu dem Zeitpunkt gelebt hat. Meistens ist das aufgrund der konservativen Familienbilder die Frau, die Männer müssen hilflos zusehen, wie ihre Kinder „entführt“ werden. Es gibt kein Anrecht auf Besuch, bei vielen wird der Kontakt komplett ausgesetzt. A Missing Part basiert also auf einem allgemeinen gesellschaftlichen Problem. Regisseur und Co-Autor Guillaume Senez (Our Struggles) behandelt, anders als man anfangs denkt, keinen kulturellen Konflikt im Sinne eines dramatischen Culture Clash. Jérôme ist sogar gut integriert, spricht fließend Japanisch, weiß, wie er sich zu verhalten hat.

Leises Drama der Verzweiflung

Über weite Strecken wäre es auch möglich gewesen, die Geschichte um ein rein japanisches Ex-Paar aufzubauen. Ganz unwichtig ist das mit der Nationalität aber nicht. So wirkt der Protagonist trotz seiner Kenntnisse noch verlorener in der japanischen Metropole, als es ein heimischer Mann wäre. So gut er auch die Sprache beherrscht, er bleibt ein Fremder. Das spielt gerade auch im weiteren Verlauf von A Missing Part eine Rolle, wenn Jérôme aufgefordert wird, in seine Heimat zurückzukehren und seine Ex und das Kind in Ruhe zu lassen. Während die Mutter sich im Rahmen des Gesetzes bewegt, macht er sich schuldig, wenn er die eigene Tochter zu sich nehmen will. Dass das intuitiv ungerecht ist, versteht sich von selbst.

Dennoch ist das französisch-belgische Drama, welches 2024 beim Toronto International Film Festival Premiere feierte, kein Werk geworden, das von der Empörung lebt. Vielmehr imitiert es die Zurückhaltung der japanischen Kultur, ist leise, lässt einiges unausgesprochen. Nur dann und wann wird es hier doch mal etwas lauter, was mit einem inneren Kontrollverlust einhergeht. Bewegend ist A Missing Part auch in der Form. Hauptdarsteller Romain Duris (Zone 3), der schon beim letzten Film von Senez mitspielte, überzeugt als verzweifelter Vater, der sich für andere einsetzt, während er selbst zu kämpfen hat. Die Thematik der Geschichte reduziert den Protagonisten zwar auf den Kampf um die Tochter, da wäre sicherlich noch mehr Figurenzeichnung möglich gewesen. Man erfährt auch praktisch nichts über das Ex-Paar. Dennoch ist das sehenswert geworden, weswegen es gut ist, dass der Film doch noch bei uns veröffentlicht wird.

Credits

OT: „Une Part manquante“
Land: Frankreich, Belgien
Jahr: 2024
Regie: Guillaume Senez
Drehbuch: Guillaume Senez, Jean Denizot
Musik: Olivier Marguerit
Kamera: Elin Kirschfink
Besetzung: Romain Duris, Judith Chemla, Mei Cirne-Masuki, Tsuyu

Bilder

Trailer

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A Missing Part
fazit
„A Missing Part“ erzählt von einem Franzosen, der in Japan nach der Trennung verzweifelt seine Tochter sucht. Das Drama zeigt eine gesellschaftliche Schiefstellung anhand eines Mannes, der gleichzeitig integriert und fremd ist. Obwohl das über weite Strecken ruhig erzählt ist, geht einem der Film emotional nahe.
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