Papaya
© Priscilla Kellen
Papaya
„Papaya“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Eigentlich ist der kleine Samen dazu auserkoren, Wurzeln zu schlagen, so wie es bereits seine Mutter getan hatte – und die vielen anderen Papayas vor ihm. Nur will er das nicht. Er will frei sein, etwas erleben, die Welt sehen. Das ist aber gar nicht so einfach, wenn man eigentlich gar nicht dazu gemacht ist, sich zu bewegen. Da braucht es Beharrlichkeit und Einfallsreichtum. Tatsächlich gelingt es dem Samen auch, ein wenig umherzureisen und dabei die unterschiedlichsten Wesen zu treffen. Doch je weiter er kommt, umso mühsamer wird es – bis er sich mit der Frage beschäftigen muss, was er wirklich mit seinem Leben anfangen soll …

Bilder statt Worten

Manchmal dauert es ein wenig länger. So war die brasilianische Filmemacherin Priscilla Kellen viele Jahre im Bereich Animation in den unterschiedlichsten Positionen tätig und hat dabei etwa mit ihrem bekannten Landsmann Alê Abreu (Der Junge und die Welt, Das Geheimnis der Perlimps) gearbeitet. Nachdem sie erste Regieerfahrungen mit der Serie Vivi Viravento gesammelt hat, legte sie mit Papaya ihren ersten eigenen Langfilm vor. Abreu stand ihr dabei als Produzent zur Seite und dürfte an der einen oder anderen Stelle auch künstlerischen Einfluss geübt haben. Tatsächlich finden sich einige Parallelen zwischen dem Animationsabenteuer von Kellen und denen ihres Kollegen.

So geht es in allen Filmen darum, wie eine junge Hauptfigur durch die Welt reist, anderen begegnet und sich dabei zum Teil auch selbst findet. Beide eint zudem, dass sie stärker den Bildern vertrauen als den Worten. Tatsächlich wird in Papaya nie gesprochen, es gibt weder Dialoge noch Texttafeln. Das kann zu einer Herausforderung werden. Obwohl die brasilianische Produktion mit einer Laufzeit von gerade einmal 74 Minuten ziemlich kurz ist, fühlt sie sich manchmal länger an. Das liegt auch daran, dass die Geschichte sich kaum weiterentwickelt. Im Gegensatz zu anderen wortlosen Animationsfilmen – siehe etwa Robot Dreams und Space Cadet – sind da keine wirklich aufeinander aufbauenden Szenen. Die einzelnen Begegnungen und Abschnitte hätte man mehr oder weniger in einer beliebigen Reihenfolge bringen können.

Zwischen Erwartung und Selbstsuche

Das heißt aber nicht, dass der Film nichts zu sagen hat. So geht es bei Papaya darum, wie wir in einer Welt, die feste Erwartungen an uns haben, uns selbst suchen. Wie sich das Samenkorn dagegen wehrt, dass alles vorgeschrieben ist, ist etwas, das durchaus für Identifikationsfläche sorgt. Wer hat nicht davon geträumt, frei zu sein und das zu machen, was man tun will? Kellen begegnet der Hauptfigur dann auch mit viel Verständnis und Einfühlungsvermögen. Wenn es am Ende darauf hinausläuft, sich doch noch seinem Schicksal zu fügen – ein Samen ist nun einmal ein Samen und kein Marienkäfer –, ist das mit einem versöhnlichen Ton verbunden und darin, einen Sinn in all dem zu finden, was da geschieht.

Verpackt wird das in eine knallbunte Optik, die immer mal wieder ins leicht Surreale wechselt, eine Mischung aus Dandelion’s Odyssey und den Dschungelszenen von VIP – Mein Bruder der Supermann. Die Bilder sind dabei recht einfach gehalten, vielleicht auch der jüngeren Zielgruppe wegen. Aber sie sorgen doch zusammen mit der schwungvollen Musik für viel Stimmung. Ob Papaya jetzt wirklich so kindgerecht ist, darüber lässt sich zwar streiten. Durch die fehlenden Erklärungen könnte da einiges nicht verstanden werden, das Animationsabenteuer ist schon ziemlich seltsam. Aber es macht eben auch viel Spaß. Man begibt sich hier gern auf diesen etwas anderen Selbstfindungstrip, genießt die audiovisuelle Feier und fragt sich, in welche verrückten Situationen die Hauptfigur sonst noch geraten wird. Da darf man doch neugierig sein, wie es mit der Debütantin im Anschluss weitergehen wird.

Credits

OT: „Papaya“
Land: Brasilien
Jahr: 2025
Regie: Priscilla Kellen
Drehbuch: Priscilla Kellen
Musik: Talita Del Collado
Animation: Birdo Studio

Trailer

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Papaya
fazit
In „Papaya“ will ein Samenkorn lieber die Welt erkunden, anstatt sesshaft zu werden. Das Animationsabenteuer bietet trotz fehlender Worte einiges an Identifikationsfläche, wenn es um Erwartungshaltungen und die Sehnsucht nach Freiheit geht. Es macht auch Spaß durch die audiovisuelle Umsetzung, selbst wenn auf Dauer die Abwechslung und Entwicklung fehlt.
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