Ghost in the Cell
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Ghost in the Cell

Ghost in the Cell
„Ghost in the Cell“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Nur noch sieben Monate, dann kann Anggoro (Abimana Aryasatya) seine Familie wiedersehen. Schon einmal stand der wegen Raubüberfalls Verurteilte kurz vor seiner Entlassung, doch weil er sich immer wieder in Streitigkeiten und Prügeleien mit anderen Häftlingen verwickeln lässt, wurde seine Strafe verlängert. Als der wegen Mordes an seinem Boss verurteilte Dimas (Endy Arfian) in seinen Trakt kommt, ahnen Anggoro und die anderen Gefangenen, dass der eher schwächlich wirkende Mann nicht lange überleben wird. Ein sadistischer Mitgefangener hat es anscheinend auf Dimas abgesehen und der tyrannische Aufseher Jefry (Bront Palarae) unterbindet jede Form der Kooperation zwischen den Häftlingen.

Dann aber kommt es zu einem grausamen Mord im Gefängnis. Dimas ist der Hauptverdächtige, und sowohl die Gefangenen als auch die Wärter versuchen, ihn zu isolieren oder umzubringen. Einzig Anggoro und seine Kumpel glauben nicht, dass Dimas zu solch brutalen Taten fähig ist. Schließlich erkennen sie, dass ihr Gegner unsichtbar und nicht von dieser Welt ist. Da an Flucht nicht zu denken ist, müssen sie gemeinsam einen Weg finden, ihren Feind zu besänftigen oder zu besiegen, wenn sie nicht bald selbst zu Opfern werden wollen.

Unsichtbare Feinde

Joko Anwar gehört seit vielen Jahren zu den produktivsten wie auch interessantesten Genreregisseuren Indonesiens. Auch außerhalb seiner Heimat fanden seine Werke wie Satan’s Slaves (2017), Impetigore (2019) oder Gundala (2019) viele Zuschauer, sodass sie regelmäßig in den Programmen von Filmfestivals auftauchten. Wie Anwar betont, geht es ihm zum einen darum, unterhaltsames und effektives Genrekino zu schaffen, darüber hinaus aber auch Themen anzusprechen, die für Indonesien oder andere Länder und Kulturen relevant sind. Spätestens mit Satan’s Slaves sowie dessen Fortsetzung Satan’s Slaves 2: Communion greift Anwar Themen wie kollektive Traumata, Korruption und institutionelle Gewalt auf.

Sein neuer Film Ghost in the Cell, der auf der Berlinale 2026 seine Weltpremiere feiert, bleibt diesem Trend in Anwars Filmografie treu. Der unsichtbare Feind, gegen den die Figuren kämpfen, ist für ihn eine Metapher für all jene Probleme, denen man sich lieber verschließt oder die man ignoriert.

Im Grunde zeigt Ghost in the Cell eine breite Palette der Themen sowie der gestalterischen Mittel Anwars. Die Geschichte erscheint zu Beginn wie ein Gefängnisdrama, wobei die Figuren sowie generell der Ort sehr offensichtlich als übertriebenes Spiegelbild der Gesellschaft dienen. Der Staat, repräsentiert durch die Gefängnisleitung sowie die Wärter, herrscht mit strenger Hand, unterbindet – wenn nötig mit Gewalt – jede Form der Kooperation unter den Gefangenen und ist in erster Linie auf Selbsterhaltung aus. Während seines ersten Tages wird Dimas von einem Mitgefangenen in die einzelnen Cliquen und Abläufe eingeweiht, ebenso in die Sonderbehandlung jener Insassen, die nach wie vor über erhebliche monetäre Mittel verfügen und von der Gefängnisleitung geradezu hofiert werden. Die Autokratie des Gefängnisses in Ghost in the Cell fußt auf Gewalt, Routine sowie einer Hierarchie, die jede Form von Freiheit nicht duldet – erst recht nicht, wenn es darum geht, dass jemand seinem Leben selbst eine Bedeutung gibt, die nicht der Linie der herrschenden Klasse entspricht. Anwar erfindet das Genre des Gefängnisdramas, aus dem er sich hier bedient, nicht neu, schafft es aber darzustellen, wie Ignoranz und Gewalt eine gefährliche Dynamik bilden, die es den Figuren nicht erlaubt, ihre Probleme zu lösen, sondern sie nur noch zu verschlimmern.

Lachen und Unbehagen

„Lachen und Unbehagen“ sind laut Joko Anwar wichtige Elemente eines Films. Schwarzer, oft auch absurder Humor ist fester Bestandteil seiner Werke und betont das Bizarre einer Situation ebenso wie die Ironie einer Gemeinschaft, die lieber etwas ignoriert, als es gemeinsam zu lösen. Die Stärke des etablierten Systems, das zuvor beschrieben wurde, liegt darin, dass Anwar seinem Zuschauer eine ganze Palette an Methoden des Ausweichens oder Ignorierens zeigt, mit denen die Figuren dem Problem entgehen wollen. Ein erbitterter Kampf zweier Insassen wird unterbrochen – zunächst durch eine Tanzeinlage und dann wenig später durch ein spontanes Gebet. Das Heilsversprechen von Religion, Spiritualität oder windigen Selbsthilfegurus ist in Anwars Welt eine Form der Ablenkung vom eigentlichen Problem, ähnlich dem Konsumrausch der Protagonisten in George A. Romeros Dawn of the Dead. Solch bizarre Momente irritieren und belustigen in Ghost in the Cell, jedoch unterstreichen sie die Hilflosigkeit eines Systems, das im Falle einer echten Krise in sich zusammenfällt.

Ein besonderes Detail, das ebenfalls zentral in Joko Anwars Filmen ist, sind die Effekte. Wer bereits einige Werke des Indonesiers gesehen hat, wird sicherlich die ein oder andere brutale Szene erwarten. In Ghost in the Cell jedoch ziehen Anwar und sein Team alle Register und liefern einige der blutigsten Momente seiner Filmografie ab. Insbesondere Zuschauer mit Trypophobie sollten sich bei einigen Bildern in Acht nehmen.

Credits

OT: „Ghost in the Cell“
Land: Indonesien
Jahr: 2026
Regie: Joko Anwar
Drehbuch: Joko Anwar
Musik: Aghi Narottama, Tony Merle
Kamera: Ical Tanjung
Besetzung: Abimana Aryasatya, Endy Arfian, Bront Palarae, Morgan Oey, Lukman Sardi, Danang Suryonegoro

Bilder

Trailer

Filmfeste

Berlinale 2026

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Ghost in the Cell
fazit
„Ghost in the Cell“ ist ein recht brutaler, aber auch sehr interessanter Horrorfilm, der zeigt, wie ein korruptes, jederzeit gewaltbereites System auf eine Krise reagiert. Regisseur Joko Anwar nutzt sehr blutige ebenso wie irritierende und ironische Momente, um seinem Zuschauer die Hilflosigkeit einer Ordnung zu zeigen, die nur auf Selbsterhaltung aus ist und sich um den Menschen nicht wirklich schert.
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