
Frankreich in den 1950ern: Michel (Didier Bourdon) und Hélène Dupuis (Elsa Zylberstein) führen ein solides Leben mit kleinem Häuschen, Garten und den beiden Kindern Jeanne (Mathilde Le Borgne) und Lucien (Maxim Foster). Doch dieses wird nun gleich auf mehrfache Weise durcheinandergebracht. Schlimm genug, dass Jeanne sich hat schwängern lassen und sich weigert, den Jungen zu heiraten. Hélène hat außerdem eine Waschmaschine gewonnen, darf sie aber nicht behalten. Michel will sie lieber verkaufen, um sich dafür etwas zu leisten, was der ganzen Familie nutzt, nicht nur ihr. Ein Fernseher wäre nett. Weniger nett ist, dass es zu einem Kurzschluss kommt, der ungeahnte Folgen für die Familie hat. Denn als die beiden wieder zu sich kommen, haben sie das Jahr 2025. Und irgendwie ist nichts mehr so wie gewohnt …
Zeitreise als Krieg der Weltsichten
Das Konzept von Zeitreisen ist eines, das die Menschen schon seit Langem fasziniert. Kein Wunder also, dass es immer wieder in Filmen und Serien aufgegriffen wird. Bemerkenswert ist dabei, wie unterschiedlich die Mittel sein können, um eine solche Zeitreise zu ermöglichen. Ob nun elektrisierte Autos (Zurück in die Zukunft), Mikrowellen (Steins;Gate) oder ein beherztes Niesen (Escape from the 21st Century), da waren schon ziemlich kuriose Varianten dabei. Mit Die progressiven Nostalgiker kommt nun eine weitere hinzu, wenn ein von einer Waschmaschine verursachter Kurzschluss dazu führt, dass eine Familie in der Zukunft landet. Wie das funktionieren soll, wird zwar ebenso wenig erklärt wie die Tatsache, dass auch andere Menschen in dieser Zukunft auftauchen, die eher eine alternative Realität ist. Aber darauf kommt es auch nicht wirklich an.
Vielmehr will Regisseurin und Co-Autorin Vinciane Millereau dieses Szenario nutzen, um sich mit einer Reihe gesellschaftlicher Themen zu beschäftigen. Indem sie eine typische Familie aus den 50ern in die Gegenwart verlegt und sie auf eine sich veränderte Welt treffen lässt, führt dies zwangsläufig zu einem Konflikt zwischen konservativen und fortschrittlichen Gedanken. Wie geht zum Beispiel ein Mann, der die alten Geschlechterrollen gewohnt ist, damit um, dass auf einmal Frauen arbeiten und Männer zu Hause bleiben? Auch Themen wie Homosexualität, die Einstellung zu Beziehungen oder eine sich wandelnde Arbeitskultur werden in Die progressiven Nostalgiker angesprochen, um diesen Kampf der Zeiten und Weltansichten zu veranschaulichen. Mit dem Unterschied, dass das Ehepaar nicht aus ideologischen Gründen aus der Zeit gefallen sind. Sie stammen wirklich aus einer anderen Zeit.
Nicht subtil, aber spaßig
So etwas kann schnell moralisierend sein. Und tatsächlich ist der Film nicht unbedingt subtil in der Kritik an konservativen Ansichten. Hier und da werden zwar schon auch mal moderne Konzepte hinterfragt, wenn sich Paare beispielsweise sehr viel schneller trennen. Insgesamt ist die Aussage aber eindeutig. Die progressiven Nostalgiker will das aber mit Unterhaltung verbinden und setzt zu dem Zweck auf einen Fish-out-of-Water-Humor. Über weite Strecken bestehen die Witze darin, dass das Paar mit der Gegenwart völlig überfordert ist – konzeptuell und technologisch. Anspruchsvoll ist der Humor zwar nicht. Spaß macht der Film aber schon, auch weil Elsa Zylberstein (Bigbug) und Didier Bourdon (Das große Los – 1 Insel, 40 Einwohner, 2 Betrüger) als unbeholfene Zeitreisende für gute Laune sorgen.
So originell das Szenario an sich ist, so berechenbar ist der weitere Verlauf. Dass der konservative Papa, der seiner Frau nicht einmal eine arbeitserleichternde Waschmaschine gönnt, einen Wandel durchmachen wird, steht außer Frage. Und auch, dass die Probleme insgesamt gelöst werden, geht kaum als Spoiler durch. Letzten Endes ist Die progressiven Nostalgiker dann doch, der Spitzen zum Trotz, ein versöhnlicher Film. Wer sich daran nicht stört, kann mit der französisch-belgischen Produktion seinen Spaß haben. Daran haben auch die Bilder ihren Anteil, wenn die Zeitreise mit einer schön bonbonfarbenen Optik einhergeht. Früher mag nicht alles besser gewesen sein, auch wenn es sich manchmal danach anfühlt. Manches war aber doch ganz hübsch.
OT: „C’était mieux demain“
Land: Frankreich, Belgien
Jahr: 2025
Regie: Vinciane Millereau
Drehbuch: Vinciane Millereau, Julien Lambroschini
Musik: Romain Trouillet
Kamera: Philippe Guilbert
Besetzung: Elsa Zylberstein, Didier Bourdon, Mathilde Le Borgne, Maxim Foster, Romain Cottard, Barbara Chanut, Céline Fuhrer, François Pérach
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