Paula
© Pandora Film / Martin Menke

Paula – Mein Leben soll ein Fest sein

Paula DVD
„Paula – Mein Leben soll ein Fest sein“ // Deutschland-Start: 15. Dezember 2016 (Kino) // 26. Mai 2017 (DVD / Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Bremen, 1900: Paula Becker (Carla Juri) hat es sich in den Kopf gesetzt, als Malerin groß herauszukommen. Die Chancen stehen dafür eher schlecht, schließlich sind Frauen in diesem Metier eine Rarität. Kaum jemand nimmt die Pläne der 24-Jährigen daher ernst. Davon lässt sie sich aber nicht aus dem Konzept bringen. Stattdessen zieht sie nach Worpswede, wo viele andere Künstler und Künstlerinnen leben. Tatsächlich dauert es nicht lange, bis sie Anschluss findet. So leben dort beispielsweise die Bildhauerin Clara Westhoff (Roxane Duran) und der Dichter Rainer Maria Rilke (Joel Basman). Vor allem der Maler Otto Modersohn (Albrecht Schuch) kommt ihr nahe, die beiden werden zu einem Paar. Doch der Weg zu einer eigenen Künstlerkarriere wird dadurch nicht einfacher …

Die Geschichte einer Ausnahmekünstlerin

Dass es Frauen in vielen Bereichen schwerer haben als Männer, ist kein Geheimnis. Das gilt auch für die Kunst, wenngleich es dort schon große Fortschritte gegeben hat. Das zumindest führen uns Filme vor Augen, die von historischen Künstlerinnen und ihren jeweiligen Kämpfen gegen das Patriarchat erzählen. Vor einigen Wochen war beispielsweise Alma & Oskar in unseren Kinos zu sehen. Darin folgen wir Alma Mahler, der Witwe von Gustav Mahler, die selbst musikalische Ambitionen hatte, aber nie sehr weit kommt. Im Vergleich dazu ist Paula Modersohn-Becker, die Titelfigur in Paula – Mein Leben soll ein Fest sein, schon deutlich erfolgreicher gewesen. Diese starb zwar jung mit 31, hinterließ aber 750 Gemälde und gilt als bedeutende Vertreterin des frühen Expressionismus.

Paula – Mein Leben soll ein Fest sein erzählt aber vergleichsweise wenig von dem künstlerischen Schaffen der deutschen Malerin. Es geht nicht um die Erfolge, sondern die Herausforderungen, die sie zu meistern hatte. Die betrafen einerseits das Geschlecht, wenn nicht einmal der Vater Carl (Michael Abendroth) an sie glaubt. Und selbst in der berühmten Künstlerkolonie empfängt man sie nicht unbedingt nur mit offenen Armen. Dabei ist es nicht immer ganz einfach zu sagen, was bei ihr das größere Hindernis ist: ihr Geschlecht oder die Kunst selbst. So dürfen wir in einer Szene sehen, wie ihr Lehrer Fritz Mackensen (Nicki von Tempelhoff) abweisend auf ihre Bilder reagiert, da er mit dem ungewöhnlichen Stil nicht viel anfangen kann. Auch wenn Kunst gern den Ruf hat, freigeistig zu sein und das Schöpferische zu fördern, so gibt es doch immer mal wieder Regeln, explizite wie implizite, die es zu beachten gilt.

Lebendig gespielt

Nur dass Paula darauf eben keine Lust hat. Dabei beschreibt sie der Film weniger als eine Rebellin, die sich aus Prinzip gegen das Vorgegebene erhebt. Sie ist vielmehr ein sehr eigensinniger Mensch, der ständig auf der Suche ist. Carla Juri (Feuchtgebiete) war hierfür eine ideale Besetzung. Sie bringt eine Mischung aus Lebendigkeit und Trotz mit sich, die ansteckend ist. Wenn sie durch die Gegend wirbelt, rastlos und neugierig, dann lässt man sich leicht davon anstecken. Überhaupt gibt Paula – Mein Leben soll ein Fest sein schauspielerisch keinen Grund zur Klage, auch in den anderen Rollen fand man starke Schauspieler und Schauspielerinnen, die einen mit auf diese Zeitreise nehmen.

Thematisch ist das trotz des historischen Settings natürlich aktuell. So erzählt Regisseur Christian Schwochow (Je Suis Karl, Deutschstunde) nicht nur von der Unterdrückung von Frauen, sondern behandelt auch die Frage, inwieweit Beruf und Familienleben unter einen Hut gebracht werden können. Nur dass dies hier eben im Kontext eines künstlerischen Daseins gefragt wird, es also in mehrfacher Hinsicht um Selbstverwirklichung geht. Leider hält sich Paula – Mein Leben soll ein Fest sein zu lange mit diesen Aspekten auf. Auch wenn diese natürlich wichtig sind, richtig interessant sind die daraus abgeleiteten Situationen nicht. Die Protagonistin wird an diesen Stellen zudem zu sehr auf ihr Geschlecht reduziert, anstatt sie als originäre Künstlerin zu zeigen, was der Biografie dann doch nicht ganz recht wird.

Credits

OT: „Paula“
Land: Deutschland, Frankreich
Jahr: 2016
Regie: Christian Schwochow
Drehbuch: Stefan Kolditz, Stephan Suschke
Musik: Jean Rondeau
Kamera: Frank Lamm
Besetzung: Carla Juri, Albrecht Schuch, Roxane Duran, Joel Basman, Stanley Weber

Bilder

Trailer

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Paula – Mein Leben soll ein Fest sein
fazit
„Paula – Mein Leben soll ein Fest sein“ beleuchtet das Leben der bahnbrechenden Künstlerin Paula Modersohn-Becker, die Anfang des 20. Jahrhunderts zu einer Vorreiterin des Expressionismus wurde. Das ist mitreißend gespielt, verliert sich aber zu oft in der Familiengeschichte, anstatt mehr über ihre Arbeit und ihr Wirken zu sagen.
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