Kafka 2024 Serie TV Fernsehen Das Erste ARD Streamen online Mediathek Video on Demand DVD kaufen
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„Kafka“ // Deutschland-Start: 26. März 2024 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Franz Kafka (Joel Basman) ist ein begnadeter Autor, dessen sind sich alle sicher. Die Sache hat nur einen Haken: Irgendwie will das mit dem Schreiben nicht so recht klappen. Immer wieder arbeitet er an Romanen, ohne diese je fertigzustellen. Das liegt auch daran, dass er chronisch unzufrieden ist mit seiner Arbeit. Auch wenn ihn sein bester Freund Max Brod (David Kross) ständig ermuntert und aufzubauen versucht, ebenso andere aus seinem Umfeld, Kafka mag seine eigenen Werke nicht, würde diese am liebsten sofort zerstören. Privat kriselt es bei ihm ebenfalls regelmäßig, ob es die komplizierte Beziehung zu seinem Vater ist, diverse Frauengeschichten – und seine schwere Krankheit, die den Alltag oft zur Qual macht …

Auf der Suche nach Franz Kafka

Nur wenige Autoren und Autorinnen dürften so sehr zu Interpretationen einladen wie Franz Kafka. Natürlich sind seine Geschichten weltberühmt, auf die eine oder andere Weise dürften die meisten von ihm gehört haben. Und doch geben seine Werke noch immer Rätsel auf, verwirren durch ihre surreal-absurden Szenarien – was zumindest zum Teil auch daran liegt, dass seine Romane nie fertig gestellt wurden und nur als Fragmente vorliegen. Und selbst diese hätte es eigentlich nicht geben dürfen, wenn es nach dem Willen des Schriftstellers gegangen wäre, der darum bat, dass alles nach seinem Tod zerstört wird. Entsprechend groß ist die Herausforderung, wer diesen einzigartigen Künstler filmisch aufbereiten will. Viele Versuche hat es in den letzten Jahrzehnten gegeben, die ihn porträtieren wollten. Dieses Jahr kommen weitere zu, Anlass ist der 100. Todestag des Autors.

Die Herrlichkeit des Lebens beleuchtete kürzlich erst den letzten Lebensabschnitt, in dem er schwer krank mit seinem Vermächtnis rang und der Frage, ob er angesichts seines nahenden Todes noch eine Beziehung mit der Erzieherin Dora Diamant eingehen sollte. Dieser Abschnitt kommt auch in der ARD-Serie Kafka vor, die letzte von sechs Episoden behandelt das Ende seines Lebens. Das klingt naheliegend, ist es aber nicht unbedingt. Tatsächlich fragt die Erzählerstimme, ob es nicht besser gewesen wäre, die Geschichte mit dem Schluss zu beginnen. Das ist nicht die einzige Stelle, in der per Voice-over alles kommentiert wird. Oft sind solche Elemente eine billige Methode, um Inhalt zusammenfassen zu wollen. Hier hat es zuweilen eher Meta-Charakter, gern auch von einer humorvollen Art.

Spiel mit der Realität

Überhaupt lassen Regisseur David Schalko (Braunschlag) und sein Co-Autor Daniel Kehlmann (Ich und Kaminski) gern mal die Grenze zwischen Fakt und Fiktion verwischen. So orientiert sich die deutsch-österreichische Serie nicht nur an der Biografie, sondern versucht auch, Teile der Romane in das Porträt einfließen zu lassen. Das geht zwar nicht so weit wie bei Steven Soderberghs Kafka 1991, bei dem der Autor sich auf eine Mörderjagd begibt, die von seinen Werken beeinflusst ist. Aber es sorgt doch für Abwechslung in der Geschichte, wenn man zwischendurch gar nicht mehr weiß, was da noch real ist und was nicht – vergleichbar zu den Werken des Künstlers.

Wobei die Abwechslung auch sonst hoch ist, was mit dem Konzept zusammenhängt. Anstatt sich, wie bei den meisten biografischen Porträts, einfach chronologisch entlang zu hangeln, hat man jede der sechs Folgen einem anderen Thema gewidmet. Das kann mal eine der Frauen sein, mal die Familie. Auch die Arbeit wird bedacht. Los geht es mit Brod, der gewissermaßen der wichtigste Mensch in seinem Leben war, da er – entgegen Kafkas Wunsch – dessen Werk der Nachwelt zur Verfügung gestellt hat. Auf diese Weise erfährt man sehr viel, lernt den Menschen hinter den Rätseln aus verschiedenen Perspektiven aus kennen. Dieser ist mal schwermütig, oft skurril, eine tragische wie unterhaltsame Figur. Joel Basman (Eldorado KaDeWe – Jetzt ist unsere Zeit) gelingt dieser Spagat sehr gut, macht zusammen mit seinen Kollegen und Kolleginnen aus dieser Annäherung ein spannendes Puzzle, das zu den besten Produktionen des deutschen Fernsehens dieses Jahr gehört.

Credits

OT: „Kafka“
Land: Deutschland, Österreich
Jahr: 2024
Regie: David Schalko
Drehbuch: David Schalko, Daniel Kehlmann
Vorlage: Reiner Stach
Musik: Kyrre Kvam
Kamera: Martin Gschlacht
Besetzung: Joel Basman, David Kross, Maresi Riegner, Nicholas Ofczarek, Lia von Blarer, Liv Lisa Fries, Tamara Romera Ginés, Robert Stadlober

Bilder

Trailer

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Kafka (2024)
fazit
Wie nähert man sich einem Autor an, der auch 100 Jahre nach seinem Tod viele Rätsel aufgibt? Indem man sein Leben selbst zu einem Puzzle macht. In sechs thematisch geordneten Folgen erzählt „Kafka“ von dem Meister absurder Geschichten, zeigt die Tragik seines Lebens, aber mit viel Humor und einer sehr guten Besetzung, welche die Serie zu einem Ereignis macht.
Leserwertung117 Bewertungen
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8
von 10