Neneh Superstar
© Gaumont France2 Cinema Gaumont Animation. Foto: Mika Cotellon

Neneh Superstar

Neneh Superstar
„Neneh Superstar“ // Deutschland-Start: 6. April 2023 (Kino) // 18. August 2023 (DVD)

Inhalt / Kritik

Die 12-Jährige Neneh (Oumy Bruni Garrel) lebt mit ihrer Familie in den Pariser Banlieues. Die Mittel dort sind begrenzt, die Perspektiven sind es auch. Und doch stehen ihre Eltern Martine (Aïssa Maïga) und Fred (Steve Tientcheu) hinter ihr, wenn es um ihren großen Traum geht: Sie möchte eine Primaballerina werden! Der Weg auf die großen Bühnen ist dabei schwierig. Erst einmal muss sie es schaffen, an der renommierten Ballettschule aufgenommen zu werden. Der Andrang ist gigantisch, die Hürden sind hoch. Hinzu kommt Nenehs Handicap: Sie ist schwarz. Während einige in der Jury dafür offen sind, lehnt Schuldirektorin Marianne Belage (Maïwenn) die Aufnahme strikt ab und fügt sich erst auf großen Druck von oben. Doch auch nachdem Neneh das erste Hindernis erfolgreich genommen hat, muss sie gegen harten Widerstand ankämpfen …

Auftritt eines neuen Schauspieltalents

Manche werden bei dem Namen Oumy Bruni Garrel hellhörig werden, verstecken sich darin doch die Familiennamen zweier französischer Schauspielgrößen. Tatsächlich handelt es sich bei dem Mädchen um die Adoptivtochter von Valeria Bruni-Tedeschi und Louis Garrel aus der Zeit, als die beiden ein Paar bildeten. Auch wenn die Kleine damit keine Blutsverwandte der zwei ist, steht sie ihnen in punkto Leinwandpräsenz aber nicht nach, wie ihr Auftritt in Neneh Superstar beweist. Zweimal stand sie zuvor vor der Kamera, jeweils in kleinen Rollen in Filmen, bei denen ihre Eltern Regie führten. Mit ihrer Rolle als schwarzer Tänzerin darf sie das erste Mal die Hauptfigur übernehmen und beweist dabei bereits so viel Talent, dass man auf die weitere Laufbahn gespannt sein darf.

Der Film selbst ist dabei hingegen nicht unbedingt spannend. Zumindest nicht, wenn man Spannung mit einer Neugierde gleichsetzt, was als Nächstes geschieht. Denn das weiß man bei Neneh Superstar praktisch die ganze Zeit. So versuchte Regisseur und Drehbuchautor Ramzi Ben Sliman erst gar nicht, irgendwelche überraschenden Wendungen einzubauen. Das Drama folgt streng dem Schema, das bei dieser Art Film immer zum Einsatz kommt. Und auch bei der Figurenzeichnung sind keine größeren Ambitionen zu entdecken. Lediglich bei der eiskalten Direktorin Marianne Belage ist so etwas wie Tiefe zu sehen, wenn sie eine im Grunde tragische Gestalt ist. Aber selbst da wäre mehr möglich und wünschenswert gewesen, das wird in nur wenigen Sätzen und Szenen abgearbeitet.

Rassismus und Spielfreude

Das Thema selbst ist dafür natürlich wichtig. Rassismus findet sich in allen Bereichen des Lebens. Da wundert es nicht, wenn eine solche Institution wie die Ballettschule der Pariser Oper ebenfalls davon betroffen ist. Hier kommt noch hinzu, dass anfangs von Belage sowie einem anderen Jury-Mitglied gesagt wird, dass einzelne Tänzer und Tänzerinnen im Ensemble des Gesamteindrucks wegen optisch nicht hervorstechen dürfen – was bei einem dunkelhäutigen Mädchen unter lauter weißen Mädchen zwangsläufig der Fall wäre. Daran schließt sich jedoch keine wirkliche Diskussion ab, wie viel Individualität im Ballett möglich und wünschenswert wäre. Neneh Superstar begnügt sich hier mit einer tatsächlichen Schwarzweiß-Zeichnung. Manche Leute sind eben Rassisten, andere sind es nicht. Thematisiert wird nur, wie jemand gegen all das ankämpfen muss.

Der mangelnde Tiefgang wird dabei jedoch immer wieder überspielt. So ist Oumy Bruni Garrel wie bereits gesagt ein starkes Hauptrollen-Debüt gelungen, sowohl in den schauspielerischen wie auch tänzerischen Szenen. Es macht einfach Spaß, ihr dabei zuzusehen, wie sie in ihrer eigenen Welt verschwindet, wenn sie erst einmal zu tanzen beginnt. Aber auch das Zusammenspiel mit den beiden Filmeltern funktioniert sehr gut, da sind eine Reihe schöner Szenen dabei. Diese haben auch deutlich mehr Persönlichkeit als die Interaktionen mit den profillosen Ballett-Konkurrentinnen, die man kaum auseinanderhalten kann. Zusammen mit den Tanzszenen kommt in Neneh Superstar schon genügend zusammen, weswegen sich ein Kinobesuch lohnen könnte. Man hat hier dann aber doch den Eindruck, dass die Zielgruppe jünger war, weshalb das alles etwas einfacher ausgefallen ist.

Credits

OT: „Neneh Superstar“
Land: Frankreich
Jahr: 2022
Regie: Ramzi Ben Sliman
Drehbuch: Ramzi Ben Sliman
Musik: Jean-Bohémond Leguay
Kamera: Antony Diaz
Besetzung: Oumy Bruni Garrel, Maïwenn, Aïssa Maïga, Steve Tientcheu, Cédric Kahn

Bilder

Trailer

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Neneh Superstar
fazit
„Neneh Superstar“ folgt einem dunkelhäutigen Mädchen aus einem Pariser Banlieue, das an einer renommierten Ballettschule aufgenommen werden möchte und dort auf großen Widerstand stößt. Das Thema des Rassismus ist wichtig, das Ensemble spielfreudig, auch die Tanzszenen überzeugen. Die Geschichte folgt jedoch streng dem Schema, auch bei den Figuren begnügte man sich mit wenig.
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von 10