Die Verteidigerin Der Gesang des Raben TV Fernsehen Das Erste ARD Mediathek
© SWR/Maria Wiesler

Die Verteidigerin: Der Gesang des Raben

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„Die Verteidigerin: Der Gesang des Raben“ // Deutschland-Start: 25. Januar 2023 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Seit fünfeinhalb Jahren schon sitzt Samuel Bliss (Gustav Schmidt) für ein Tötungsdelikt hinter Gittern. Der Fall schien klar zu sein, schließlich war der junge Mann geständig. Doch dann taucht auf einmal die zuvor vergeblich gesuchte Leiche des Opfers auf und widerspricht der Aussage von Bliss. Wurde er zu Unrecht verurteilt? Und wenn ja, warum das falsche Geständnis? Die erfahrene Pflichtverteidigerin Anna Notrup (Martina Gedeck) übernimmt seinen Fall und sieht dabei gute Chancen für ein Wiederaufnahmeverfahren, wenn nicht gar einen Freispruch. Aber der Weg dorthin ist steinig. Nicht nur dass Bliss selbst kein übermäßig kooperativer Mensch ist. Vor allem die Bevölkerung in dem kleinen Schwarzwald-Dorf ist alles andere als angetan davon, dass die alte Geschichte noch einmal zur Sprache kommt …

Nachschub für Krimi-Fans

Eigentlich sollte man meinen, dass das deutsche Publikum irgendwann genug hat von den endlosen TV-Krimis, die Woche für Woche ausgestrahlt werden. Aber offensichtlich nicht. Die öffentlich-rechtlichen Sender locken damit nach wie vor ein Millionenpublikum vor die Fernseher, obwohl manche der Reihen seit Jahren existieren und sich nie weiterentwickelt haben. Aber dafür gibt es ja neue Titel, die für frischen Wind sorgen sollen. So jetzt auch Die Verteidigerin: Der Gesang des Raben. Offiziell ist hiervon zwar noch kein zweiter Teil angekündigt. Aber schon die Verwendung eines Untertitels weist darauf hin, dass die ARD-Produktion für ein serielles Erzählen konzipiert wurde. Auch beim Inhalt wurde das so angelegt, dass problemlos weitere Teile gedreht werden können.

Der große Unterscheid zu den meisten anderen deutschen TV-Krimis wird ebenfalls schon durch den Titel vorweggenommen. Während dort meisten Polizisten und Polizistinnen unterwegs sind, um einen Fall zu lösen, da steht bei Die Verteidigerin: Der Gesang des Raben eine Anwältin im Mittelpunkt. In Kinofilmen hat man das häufiger mal. Außerdem gab es in den USA natürlich die immens populäre Serie Perry Mason, bei der jede Woche der Strafverteidiger einen weiteren unschuldigen Menschen rausboxen musste. In der hiesigen Krimilandschaft findet der Beruf bislang jedoch weniger Beachtung. Beim Ablauf der Geschichte macht dies aber auch keinen nennenswerten Unterschied. Die Spurensuche läuft sehr ähnlich ab. Ob Notrup nun selbst einen Wagen untersuchen lässt oder dies von der lokalen Polizei Clemens Neumann (Jörg Witte) und Maja Jung (Deniz Orta) getan wird, zwei der wenigen Kooperativen, macht keinen großen Unterschied.

Atmosphärisch und ideenlos

Leider ist aber auch vieles andere in dem Film sehr beliebig. Ob es nun die Ablehnung durch die lokale Bevölkerung ist, die offensichtlichen Mauscheleien bei der Polizei oder auch eine brenzlige Situation zwischendurch: Die Verteidigerin: Der Gesang des Raben reiht da ein Klischee ans andere. Regisseurin und Co-Autorin Mara Eibl-Eibesfeldt (Im Spinnwebhaus) versucht noch nicht einmal, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, sondern arbeitet mit einer bereits angestaubten Checkliste. Überraschungen sind dabei nicht vorgesehen, selbst die Wendungen sind stark genormt. Es ist nicht einmal so, dass die Auflösung sonderlich interessant ist. Sie wird zudem kaum erklärt, sondern lieblos ans Ende geklatscht. Da soll ein bisschen Kritik an einem ungerechten Rechtssystem kaschieren, dass man nicht wirklich viel zu erzählen hat.

Zwei Punkte aber sind es, welche die inhaltliche Tristesse zumindest noch auf ein durchschnittliches Niveau anheben. Zum einen ist so ein abgelegenes Waldsetting immer wieder schön anzuschauen. Es passt auch sehr gut zu einem Film, bei dem sich viel um das dreht, was irgendwo im Verborgenen begraben liegt. Der zweite Punkt ist Martina Gedeck (Die Wand). Die Charakterdarstellerin bringt so viel schauspielerische Klasse mit, dass den Zuschauern und Zuschauerinnen kaum auffällt, wie nichtssagend ihre Figur eigentlich ist. Auch in der Hinsicht darf bei einem etwaigen zweiten Teil mehr getan werden. Die Verteidigerin: Der Gesang des Raben ist ein atmosphärischer Krimi, der seinen Zweck erfüllt, aber nicht unbedingt Vorfreude weckt auf eine ganze Reihe.

Credits

OT: „Die Verteidigerin: Der Gesang des Raben“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Mara Eibl-Eibesfeldt
Drehbuch: Mara Eibl-Eibesfeldt, Carola Diekmann
Musik: Lorenz Dangel
Kamera: Holly Fink
Besetzung: Martina Gedeck, Gustav Schmidt, Jörg Witte, Therese Hämer, Wolfgang Packhäuser, Lukas B. Ambberger, Deniz Orta, Vanessa Liobl, Rosa Wirtz

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Die Verteidigerin: Der Gesang des Raben
fazit
„Die Verteidigerin: Der Gesang des Raben“ ist ein brauchbarer Krimi, der in erster Linie von Martina Gedecks Darstellungskunst und dem atmosphärischen Waldsetting lebt. Die Geschichte um einen jungen Mann, der unschuldig im Gefängnis sitzt, ist hingegen ziemlich langweilig und besteht aus einer bloßen Aneinanderreihung von Klischees.
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