She Said
© Universal Pictures

She Said

„She Said“ // Deutschland-Start: 8. Dezember 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Es ist eine Wahnsinnsgeschichte, die bei Megan Twohey (Carey Mulligan) und Jodi Kantor (Zoe Kazan), Journalistinnen in der Investigativ-Abteilung der New York Times, auf dem Tisch liegt. Der Hollywood-Produzent Harvey Weinstein soll die Schauspielerin Rose McGowan sexuell belästigt haben. Die will zuerst nicht über den Vorfall sprechen, erklärt sich später aber doch noch dazu bereit. Was zunächst wie ein Einzelfall wirkt, stellt sich schnell als Auftakt für einen Skandal heraus, der weite Kreise zieht. Denn auch viele andere Frauen, Schauspielerinnen wie Angestellte Weinsteins, wurden Opfer seiner Übergriffe. Doch niemand traut sich, offen darüber zu reden, zu groß ist die Angst vor der Macht des Filmmoguls. Zu etabliert ist auch das System des Schweigens und der Vertuschung, das er über die Jahre aufgebaut hat …

Aufarbeitung eines Skandals

Fünf Jahre ist es mittlerweile her, dass ein Hashtag um die Welt ging: Mit #MeToo signalisierten weltweit Frauen, von Männern bedrängt, belästigt oder sogar vergewaltigt worden zu sein. Vieles geschah dabei im beruflichen Kontext, wo sie Vorgesetzten oder anderen Machtpersonen hilflos ausgeliefert waren. Ein wichtiger Katalysator für die Bewegung waren dabei die in She Said beschriebenen Enthüllungen rund um Harvey Weinstein, der über viele Jahre als Produzent entscheidend das Geschehen in Hollywood mitbestimmte. Sein Machtmissbrauch war dabei zwar ein eher offenes Geheimnis. Aber zu viele haben weggeschaut oder mitgemacht, sei es, weil sie von dem System selbst profitierten oder weil sie nicht wussten, wie sie gegen dieses System ankommen sollten.

She Said beschäftigt sich dann auch weniger mit den Übergriffen an sich, auch wenn immer mal wieder einzelne Beispiele davon nacherzählt werden. Stattdessen handelt es sich bei dem Film um ein klassisches Enthüllungsdrama in der Tradition von Werken wie Die Unbestechlichen und Spotlight, die sich zuvor mit den Skandalen um Watergate und Missbrauch in der Kirche beschäftigt hatten. Wie bei diesen auch, wird der Journalismus zu einem unverzichtbaren Korrektiv, wenn alle anderen Teile der Gesellschaft versagen und die Branche selbst kein Interesse an Änderungen hatte. Dass die Polizei nicht viel tat, lag dabei natürlich auch an den Umständen. Viele Frauen behielten ihr Leid für sich. Und selbst wenn sich jemand aus der Deckung wagte, standen sie vor dem Problem, das es in solchen Fällen immer gibt: Wie lässt sich das beweisen?

Nüchtern und doch wirkungsvoll

Der Film streift diese grundsätzliche Problematik, dass meistens Aussage gegen Aussage steht, aber nur am Rand. Gleiches gilt für die Frage, wie sich solche Systeme schon im Vorfeld verhindern lassen. Im Abspann wird dann zwar aufgelistet, was im Anschluss alles geschehen ist. Ob sich aber durch die Bewegung tatsächlich etwas geändert hat oder ob die Leute nur daran glauben wollen, klärt She Said nicht. Das eigene Narrativ muss natürlich darauf bestehen, um die Bedeutung der Recherchen und die Leistung der beiden Frauen nicht zu schmälern. Dabei ist allein schon der Mut und die Hartnäckigkeit der Journalistinnen imponierend, die sich von den zahlreichen Rückschlägen und Hindernissen nicht aufhielten lassen. David gegen Goliath ist das zwar nicht, dafür ist die New York Times selbst zu sehr Machtinstitution. Dennoch ist das Drama Zeugnis eines beeindruckenden Mutes, sowohl von Seiten der beiden Protagonistinnen wie auch der Opfer, die nach einem langen Kampf doch Weinstein entgegentraten.

Das allein macht den Film sehr sehenswert. Gut ist auch, wie wenig hier versucht wird, das Publikum zu manipulieren und die Ereignisse auszuschlachten. Stattdessen zeigt sich die deutsche Regisseurin Maria Schrader (Ich bin dein Mensch) bei der Inszenierung der Geschichte von einer zurückhaltenden und nüchternen Weise. Sie lässt lieber die Tatsachen für sich sprechen und zeichnet den Weg vom ersten Hinweis bis zum fertigen Artikel nach. Das große Emotionskino ist She Said damit nicht. Wirkung entfaltet das Drama aber auch so, ist dabei gleichzeitig schockierend, ernüchternd und doch auch hoffnungsvoll, wenn zumindest eines der großen Monster zu Fall gebracht werden konnte. Die guten schauspielerischen Leistungen runden den Film ab, der als Rückblick auf einen weltweiten Skandal nicht nur von historischer Bedeutung ist, sondern auch aufzeigt, wie schwierig es ist, bei etablierten Machthierarchien für Veränderungen zu sorgen.

Credits

OT: „She Said“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Maria Schrader
Drehbuch: Rebecca Lenkiewicz
Musik: Nicholas Britell
Kamera: Natasha Braier
Besetzung: Carey Mulligan, Zoe Kazan, Patricia Clarkson, Andre Braugher

Bilder

Trailer

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She Said
fazit
„She Said“ zeigt die Recherchen zweier Journalistinnen, die den Skandal um Harvey Weinstein öffentlich machten und damit wesentlich zur #MeToo-Bewegung beitrugen. Das ist nüchtern erzählt und funktioniert sowohl als Würdigung des Mutes wie auch als erschreckende Demonstration eines Systems des Schweigens und Vertuschens.
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