Mad Heidi
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Mad Heidi

„Mad Heidi“ // Deutschland-Start: 24. November 2022 (Kino)

Inhalt / Kritik

Mitten in den Schweizer Alpen ist die Welt noch in Ordnung und fernab von den politischen Tumulten der Städte, von denen die junge Heidi (Alice Lucy) bestenfalls nur am Rande etwas mitbekommt. Ihre Aufmerksamkeit widmet sie ohnehin nur ihrer großen Liebe, dem Geissenpeter (Kel Matsena), was ihrem Großvater, dem Alpöhi (David Schofield), gar nicht zusagt. Eines Tages jedoch wird ihr Glück zerstört, denn das grausame Regime des Käseherstellers und Schweizer Präsidenten Meili (Casper Van Dien) eliminiert nicht nur alle Laktose-Intoleranten im Land, sondern auch all jene, die es wagen, auf eigene Faust Molkereierzeugnisse herzustellen, wozu leider auch der Geissenpeter gehört. Nachdem sie mitansehen musste, wie ihr Liebster und kurze Zeit später auch ihr Großvater den Soldaten des Regimes zum Opfer fallen, ist dies nur der Anfang einer langen Tortur für die junge Frau, die schließlich in ein Gefangenenlager gebracht wird. Als wären die täglichen Demütigungen durch die Wärterinnen und die Mitgefangenen nicht schon schlimm genug, hat Meili beschlossen, Heidi als eine Art Attraktion bei dem von ihm veranstalteten Schwingfest zu zeigen, bei welchem er zudem seine neueste Käse-Kreation der Öffentlichkeit präsentieren möchte.

Bevor es jedoch dazu kommt, gelingt Heidi die Flucht aus der Gefangenschaft. Während die Schergen des Präsidenten ihr auf den Fersen sind, bekommt sie ein neues Zuhause in einer scheinbar verlassenen Hütte, wo sie neben Verpflegung zudem auf einen Geist trifft, der sie in Kampfkunst ausbildet und ihr wichtige Techniken zum Überleben vermittelt. Als Meilis Vorbereitungen für das Schwingfest anlaufen, mehrt sich nicht nur der Widerstand gegen seine Diktatur in der Schweiz, sondern es erhebt sich mit Heidi eine gefährliche Widersacherin, die nur noch Rache im Sinn hat.

Eine eigene Marke aufbauen

Wer in den letzten Jahren vermehrt auf Filmseiten in den sozialen Medien unterwegs war, wird vielleicht etwas von Mad Heidi gehört haben, dessen Macher mittels einer internationalen Crowdfunding-Kampagne die nötigen finanziellen Mittel für ihr Projekt auftreiben wollten. Die Regisseure Johannes Hartmann und Sandro Klopfstein sowie Produzent Valentin Greutert vereint dabei nicht nur eine Liebe zur Heimat sowie zum Exploitation-Kino der 60er und 70er Jahre, sondern zudem der Glaube, dass ihr Projekt bei einem Streamingdienst wie Netflix keinesfalls in guten Händen aufgehoben wäre, weshalb Mad Heidi nach einer kurzen Kinoauswertung auf der offiziellen Seite des Films veröffentlicht wird, wo man ihn sich abseits solcher Dienste ansehen können wird.

Das Geschäftsmodell ist nicht nur aus wirtschaftlichen Aspekten interessant, denn es scheint auch clever gewählt zu sein für ein Projekt wie Mad Heidi, welches im Vorfeld schon auf einigen Genrefestivals im Programm lief. Gerade dieses Publikum wird sich sicherlich von einer solchen Produktion angesprochen fühlen, welches seine filmischen Vorbilder mehr als deutlich und voller Stolz vor sich her trägt, und zugleich einige der für die Kultur des Landes wichtige Charaktere vereint. Die stereotype Darstellung der Landschaft, besonders der Alpen, und der Menschen, die praktisch mit ihren Trachten morgens aufstehen und abends zu Bett gehen, verbindet man mit bekannten Versatzstücken des Exploitation-Kinos. Aber auch dessen zahlreiche Unterkategorien sind vertreten, von Nunsploitation bis hin zu Blacksploitation, was gerade bei Filmfans wohl mehr als einmal für Schmunzeln sorgen wird. Die Vermischung dieser Schweiz-Klischees mit derlei Elementen bietet Action sowie Unterhaltung, von der ersten Minute an und hat einen nicht geringen Trash-Faktor.

Blut und Käse

Dass man einen Film, bei dem schließlich auch Käse-Zombies (!) auftreten, nicht allzu ernst nehmen sollte, ist wohl von der ersten Minute an klar, dem Zuschauer wie auch den Menschen vor und hinter der Kamera. Die Leidenschaft für diese Figuren sowie das Exploitation-Kino merkt man an jeder Stelle, von den Kostümen, den Kulissen bis hin zu den Darstellern, von denen Alice Lucy in der Titelrolle wohl den stärksten Eindruck hinterlassen dürfte. Die naive Heidi wird zu einer echten Heldin, wie man sie aus Produktionen des Genres kennt und die dem Zuschauer direkt sympathisch wird, was ebenso Lucys Verdienst sein dürfte. Ihr gegenüber gibt Casper Van Dien als Diktator der Schweiz ein herrlich überdrehte Darstellung eines Machtmenschen, mit einer Tendenz zum Over-acting, welche aber, bedenkt man die vorangegangenen Punkte dieser Rezension, nicht weiter tragisch ist.

Credits

OT: „Mad Heidi“
Land: Schweiz
Jahr: 2022
Regie: Johannes Hartmann, Sando Klopfstein
Drehbuch: Sandro Klopfstein, Johannes Hartmann, Gregory D. Widmer, Trent Haaga
Musik: Marko Batkovic
Kamera: Eric Lehner
Besetzung: Alice Lucy, David Schofield, Casper Van Dien, Katja Kolm, Kel Matsena, Almar G. Sato

Bilder

Trailer

Filmfeste

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Mad Heidi
fazit
„Mad Heidi“ ist ein sehr unterhaltsamer Exploitation-Film, der Action und Komödie vereint. Johannes Hartmann und Sando Klopfstein verbindet eine große Liebe für dieses Genre, was man jeder Einstellung ihres Filmes ansieht, der neben einer tollen Hauptdarstellerin sehr viele kurzweilige, blutige und urkomische Momente zu bieten hat.
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7
von 10