Mona Lisa and the Blood Moon
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Mona Lisa and the Blood Moon

„Mona Lisa and the Blood Moon“ // Deutschland-Start: 6. Oktober 2022 (Kino) // 6. Januar 2023 (DVD/Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Als Mona Lisa Lee (Jong-Seo Jun) eines Tages aus ihrem komaähnlichen Zustand in einer Psychiatrie erwacht, weiß sie nur eines: Sie muss hier raus. Zu ihrem Glück hat sie eine besondere Fähigkeit, welche ihr dabei sehr nützlich sein kann. So stellt sie fest, dass sie andere nur mithilfe ihrer Gedanken kontrollieren kann. Kaum aus der Anstalt geflohen, läuft sie der Stripperin Bonnie Belle (Kate Hudson) über den Weg, die aus dieser Gabe ein einträgliches Geschäft macht. Schließlich können sie auf diese Weise alle möglichen Leute ausrauben, ohne viel dafür tun zu müssen. Während die beiden sich anfreunden, Mona Lisa zudem Freundschaft mit Bonnies Sohn Charlie (Evan Whitten) schließt, ist ihnen die Polizei bereits auf den Fersen. Vor allem Officer Harold (Craig Robinson) hat es sich zur Aufgabe gemacht, die beiden flüchtigen Frauen zu finden und wegzusperren …

Rückkehr eines Ex-Horror-Stars

In den letzten Jahren versuchten sich auffallend viele Frauen daran, das lange Zeit von Männern dominierte Horrorgenre zu knacken und diesem einen eigenen Stempel aufzudrücken – oft mit spannenden Ergebnissen. Eine der ersten, die sich in diesem Zusammenhang einen Namen machte, war eindeutig Ana Lily Amirpour. Ihr Debütfilm A Girl Walks Home Alone at Night wurde 2014 nicht zuletzt aufgrund der Beschreibung als erster iranischer Vampir-Western zu einer Sensation auf Festivals. Vergleichbar jedoch zu Jennifer Kent, die im selben Jahr mit Der Babadook für Aufruhr sorgte, verschwand sie im Anschluss mehr oder weniger in der Versenkung. Ihr zweiter Film The Bad Batch (2016), der später bei Netflix landete, ging ziemlich unter. Und das obwohl beim englischsprachigen Thriller Hollywoodgrößen wie Jason Momoa, Keanu Reeves und Jim Carrey zu sehen waren.

Erst fünf Jahre später meldete sie sich nach diversen Serienarbeiten mit einem dritten Film zurück. Und auch wenn die Kritiken bei Mona Lisa and the Blood Moon gut waren und diverse Festivalauftritte absolviert worden sind, man hat nicht unbedingt das Gefühl, dass der Name Amirpour noch groß ziehen würde. Das ist schade, denn auch wenn die Geschichte um eine Frau mit telepathischen Fähigkeiten nicht die Alleinstellungsmerkmale ihres Debüts hatte, qualitativ muss sich der Film nicht wirklich verstecken. Tatsächlich ist das etwas andere Fantasyabenteuer im deutschen Kinoherbst eine faszinierend schillernde Lichtgestalt, welche das oft etwas eintönige Angebot deutlich aufwertet und somit ein Tipp für all die ist, die von regulären Programm gelangweilt sind.

Jenseits von gut und böse

Dabei ist das Motiv eines Menschen mit übernatürlichen Kräften natürlich nichts Außergewöhnliches. Alle paar Wochen kommt hierzulande ein Film mit irgendwelchen Superhelden oder Superheldinnen in die Kinos, auch das Fernsehen ist fest in der Hand solcher Comic-Adaptionen. Und doch ist Mona Lisa and the Blood Moon nur bedingt mit diesen zu vergleichen. So fehlt es hier an einer tatsächlich antagonistischen Figur. Officer Harold ist dabei, anders als die Verfolger etwa in Der Feuerteufel, kaum dazu geeignet. Wer will einem Polizisten schon vorwerfen, dass er Räuberinnen aufhalten möchte? Damit einher geht das Problem, die Hauptfigur einordnen zu wollen. Sie ist aufgrund ihrer kriminellen Tätigkeiten sicher keine Heldin. Sie ist aber auch keine Anti-Heldin à la Venom. Böse würde sie ebenfalls niemand wirklich nennen. Sie läuft irgendwie abseits der üblichen Bahnen.

Das ist nicht unbedingt spannend im Sinne eines Genrekinos. Nach einem gewalttätigen Einstieg geht es zunehmend harmlos zu, was mit dem besagten Fehlen eines Antagonisten zusammenhängt. Es gibt einfach keinen Grund, weshalb Mona Lisa anderen Leid zufügen wollte. Stattdessen erzählt Amirpour mit Humor und einem ausdrucksstarken Ensemble von einer sich entwickelnden Ersatzfamilie. An manchen Stellen ist es sogar fast schon rührend, wie in Mona Lisa and the Blood Moon die Außenseiter sich gegenseitig helfen möchten und sich danach sehnen, irgendwohin zu gehören. Eine wirkliche Aussage ist damit zwar nicht verbunden. Das Ziel ist auch eher schwach ausformuliert, so wie Amirpour allgemein dazu neigt, nicht alles auszuerzählen. Aber es macht doch Spaß, bei diesem farbenfrohen Trip durch die Nacht zuzusehen, und lässt einen hoffen, dass die Filmemacherin nicht wieder Jahre von der Bildfläche verschwindet.

Credits

OT: „Mona Lisa and the Blood Moon“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Ana Lily Amirpour
Drehbuch: Ana Lily Amirpour
Musik: Daniele Luppi
Kamera: Pawel Pogorzelski
Besetzung: Jong-Seo Jun, Kate Hudson, Evan Whitten, Craig Robinson, Ed Skrein

Bilder

Trailer

Filmfeste

Venedig 2021
Zurich Film Festival 2021
Sitges 2021
International Film Festival Rotterdam 2022

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Mona Lisa and the Blood Moon
fazit
„Mona Lisa and the Blood Moon“ erinnert anfangs an die vielen Filme rund um Menschen mit besonderen Fähigkeiten. Die Geschichte um eine telepathisch begabte Frau, die mit einer Stripperin zur Räuberin wird, verzichtet jedoch auf gut-böse-Zeichnungen und ist vielmehr ein zum Teil rührendes Werk um eine etwas andere Ersatzfamilie.
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