Ravens Hollow
© Canoe Film

Raven’s Hollow

Ravens Hollow
„Raven’s Hollow“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Es ist ein grausamer Anblick, der sich den fünf jungen Kadetten da im Herbst 1830 bietet: ein grausam verstümmelter Mann, grotesk angerichtet. Doch wer könnte ihm das angetan haben? Edgar Allan Poe (William Moseley) und die anderen machen sich anschließend auf den Weg zu einem nahegelegenen Ort namens Raven’s Hollow, wo sie sich eine weitere Spur erhoffen. Aber vergeblich: Dort will niemand den Toten gekannt haben oder sich auch weiter mit der Geschichte befassen, welche die Fremden da erzählen. Immerhin: Elizabet (Kate Dickie) und ihre Tochter Charlotte (Melanie Zanetti) bieten ihnen an, über Nacht zu bleiben und sich ein wenig auszuruhen. Für Poe ist die Sache damit aber noch nicht abgeschlossen. Und auch die anderen werden noch länger mit dem Vorfall zu tun haben – ob sie es wollen oder nicht …

Ein Horror-Autor und der brutale Mord

Edgar Allen Poe ist ohne Zweifel einer der großen US-amerikanischen Autoren, wenn es um Kriminal- oder Horrorgeschichten geht. Seine Kurzgeschichten werden bis heute gelesen und haben zudem zahlreiche Filmen als Vorlage gedient, darunter beispielsweise Die Schlangengrube und das Pendel. Dann und wann fühlen sich aber auch Filmschaffende dazu inspiriert, Geschichten rund um den Schriftsteller zu erzählen, ohne dabei direkt eine Vorlage adaptieren zu wollen. In The Raven – Prophet des Teufels wird der inzwischen in einer Krise steckende Poe in einen Mordfall hineingezogen, der auf seinen Werken zu basieren scheint. Raven’s Hollow ist nun gewissermaßen das Gegenstück, wenn ein junger Poe ein Mordopfer entdeckt, dessen Geschichte ihn später zu seinen Werken inspirieren wird.

Wobei der Film diese Verbindungen nicht so deutlich macht wie der obige Kollege. Vielmehr baut Regisseur und Co-Autor Christopher Hatton diverse Verweise ein. Der offensichtlichste ist natürlich Raven, basierend auf dem gleichnamigen Gedicht von 1845. Ein anderes Beispiel ist Usher, benannt nach der Kurzgeschichte Der Untergang des Hauses Usher (1839), ein weiteres seiner bekannten Werke. Man muss diese Vorlagen aber nicht kennen, um etwas mit Raven’s Hollow anfangen zu können. Sie tauchen zum einen in völlig anderen Kontexten auf. Außerdem sind die Querverweise überhaupt nicht notwendig für den Film. Tatsächlich hätte man diese völlig rauslassen können, ohne dass es etwas geändert hätte. Das Gleiche gilt für Poe selbst, der in erster Linie des Namedroppings wegen drin ist.

Starke Atmosphäre

Das kann man belächeln oder gar verabscheuen. Es weckt zudem keine besonders hohen Erwartungen an den Film. Glücklicherweise hat dieser aber genügend eigene Qualitäten, die eine Sichtung rechtfertigen. Eine der stärksten: Der Beitrag vom Fantasy Filmfest 2022 hat eine sehr schöne Atmosphäre. Klar ist das nicht unbedingt ein Zeichen größtmöglicher Kreativität eine ländliche Gegend zu zeigen, bei der anscheinend immer Nebel aufkommt und die zudem von der Farbe Grau dominiert wird. Aber es funktioniert, Raven’s Hollow ist ein sehr stimmungsvoller Mystery-Thriller, bei dem gar nicht viel passieren muss, damit einem ein wohliger Schauer den Rücken hinunterläuft. Es reicht mit dem angehenden Autor durch die Gegend zu wandern, auf der Suche nach Spuren.

Im Gegensatz zu anderen Filmen, die parallel beim Filmfest gezeigt wurden – The Twin und Ogre – begnügt sich Hatton aber nicht damit, einfach nur eine unheilvolle Atmosphäre erzeugen zu wollen. Hier geschieht tatsächlich etwas, was das Gefühl einer Gefahr rechtfertigt, anstatt nur so zu tun. Der Bodycount ist doch um einiges größer. Die Morde sind zudem durchaus brutal, was einen ziemlichen Kontrast zu der ansonsten ruhigen Art des Films darstellt. Da auch das Ensemble sehr solide agiert, kommt in der Summe genügend zusammen, um hier einmal vorbeizuschauen. Ein Klassiker wie die Geschichten von Poe ist Raven’s Hollow zwar sicher nicht. Aber es ist doch genug für einen Grusler, mit dem man sich gut die Zeit vertreiben kann.

Credits

OT: „Raven’s Hollow“
Land: UK
Jahr: 2022
Regie: Christopher Hatton
Drehbuch: Christopher Hatton, Chuck Reeves
Musik: Robert Ellis-Geiger
Kamera: Michael Rizzi
Besetzung: Melanie Zanetti, William Moseley, Kate Dickie, David Hayman, Mathis Landwehr

Trailer

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Raven’s Hollow
fazit
„Raven’s Hollow“ erzählt, wie der künftige Autor Edgar Allen Poe gemeinsam mit anderen Kadetten über einen brutalen Mord stolpert und nach einer Antwort sucht. Die Querverbindungen zum berühmten Schriftsteller sind recht oberflächlich, hätte man problemlos streichen können. Die Atmosphäre ist dafür so stark, dass man dies gar nicht gebraucht hätte.
Leserwertung1 Bewertung
7.6
7
von 10