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Sommer auf drei Rädern

„Sommer auf drei Rädern“ // Deutschland-Start: 4. August 2022 (arte)

Inhalt / Kritik

Schon immer war Flake (Jakob Schmidt) ein Außenseiter. Daran hat sich bis heute, wo er kurz vor dem Abitur steht, nichts geändert. Vor allem beim anderen Geschlecht hat er so seine Probleme: Er schafft es einfach nicht, seinem Schwarm Leonie (Johanna Hens) seine Gefühle zu gestehen. Als er ihr während der Abi-Feier imponieren will, endet das in einem Desaster. Er selbst wird zu Sozialstunden bei Essen auf Rädern verdonnert. Dort trifft er nicht nur seine Mitschülerin Kim (Emma Floßmann), die ihn zuvor immer wieder schikaniert hat, sondern auch den ehemaligen Spitzensportler Philipp (Daniel Rodic), der seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt. Gemeinsam machen sich die drei auf den Weg zum Bodensee und erleben dabei so manches ungeplante Abenteuer …

(Fast) typischer Coming-of-Age-Film

Coming-of-Age-Geschichten leben bekanntlich davon, dass junge Protagonisten und Protagonistinnen eine Entwicklung durchmachen. Fühlen sie sich am Anfang noch irgendwie fehl am Platz, so als gehörten sie nicht zu dieser Welt, haben sie sich im Lauf der anderthalb bis zwei Stunden ein wenig gefunden. Der Weg danach mag noch weit sein, ein erster Schritt ist aber getan. Insofern ist die auf arte ausgestrahlte Sommer auf drei Rädern ein sehr typischer Coming-of-Age-Film. Das Motiv eines unsicheren Außenseiters, der sich nach Aufmerksamkeit und Anerkennung sehnt, könnte typischer gar nicht sein. Wenn wir Flake am Anfang kennenlernen und ihn bei seinen unbeholfenen Annäherungsversuchen beobachten, dann aus einer Mischung aus Fremdscham und Mitgefühl. Aber auch mit der Gewissheit: Das wird schon noch!

Während Sommer auf drei Rädern dramaturgisch nicht gerade neue Wege betritt, dies auch gar nicht vor hat, wäre es aber doch nicht fair, ihn zu einem bloßen 08/15-Vertreter abstempeln zu wollen. Dafür hat sich Regisseur und Co-Autor Marc Schlegel (Man kann nicht alles haben) dann doch einiges einfallen lassen, um ihn von den zahlreichen anderen Filmen aus dem Bereich abheben zu können. So sind Menschen, die in Rollstühlen sitzen, nach wie vor eine Seltenheit im Fernsehen. Manche werden sich hier vielleicht zwar an Renn, wenn du kannst erinnert fühlen. Auch dort kam es zu einem gemischten Trio, wenn ein mürrischer Rollstuhlfahrer versorgt werden will. Aber die Figuren hier sind jünger und noch unerfahrener. Die Unsicherheiten, wie das Leben überhaupt funktioniert, sind hier stärker ausgeprägt.

Skurrile Figuren

Was Sommer auf drei Rädern aber vor allem von der Konkurrenz unterscheidet, ist die Vorliebe fürs Skurrile. Während die drei Hauptfiguren zwar ausgeprägte, letztendlich aber mehr oder weniger alltägliche Charaktereigenschaften haben, scheint der Rest der Welt nur aus Bekloppten zu bestehen. Davon zu viel im Vorfeld zu verraten, wäre eine Schande. Schließlich besteht der Spaß beim Film maßgeblich darin, sich immer mal wieder überraschen zu lassen. Das zeitgleich auf Netflix veröffentlichte Buba funktioniert da ganz gut als Referenz. Um Verbrechen geht es bei der TV-Produktion natürlich nur am Rande. Beim Humor gibt es aber schon einige Gemeinsamkeiten, weshalb die Zuschauer und Zuschauerinnen, die diese Art Film mögen, auch hier mal reinschauen sollten.

Erfrischend ist auch, dass hier an vorderster Front mal ein paar neue Gesichter zu sehen sind. Ein paar bekannte Schauspieler sind zwar schon im Ensemble, darunter Alexander Schubert und Timur Bartels. Die begnügen sich jedoch mit Nebenrollen und lassen den Hauptfiguren auf der Sinn- und Selbstsuche genügend Raum. Das Ergebnis mag kein Wunderwerk sein, wird aufgrund der überraschend späten Ausstrahlung wohl auch nicht ganz das Publikum finden, das sonst so einschaltet. Dafür ist Sommer auf drei Rädern eine sympathische Komödie mit Roadmovie-Elementen, über die man sich weder aufregen noch deswegen langweilen muss – was sie automatisch besser macht als ein Gros deutscher TV-Filme.

Credits

OT: „Sommer auf drei Rädern“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Marc Schlegel
Drehbuch: Marc Schlegel, Roland Hablesreiter
Musik: Alexander Wolf David, Andreas Pfeiffer
Kamera: Mortimer Hochberg
Besetzung: Jakob Schmidt, Emma Floßmann, Daniel Rodic, Simon Böer, Johanna Hens, Annika Ernst, Alexander Schubert, Timur Bartels

Bilder

Trailer

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Sommer auf drei Rädern
Fazit
„Sommer auf drei Rädern“ ist eine sympathische Komödie mit Roadmovie-Elementen um einen Außenseiter, der mit zwei anderen auf dem Weg zum Bodensee lauter unglaubliche Erfahrungen macht. Der Film kombiniert dabei Altbekanntes mit einer Vorliebe für Skurrilität. Das ist sicherlich nicht bahnbrechend, macht aber doch erstaunlich viel Spaß.
Leserwertung43 Bewertungen
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7
von 10