Das Leben ein Tanz En corps
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Das Leben ein Tanz

„Das Leben ein Tanz“ // Deutschland-Start: 8. September 2022 (Kino)

Inhalt / Kritik

Für Élise (Marion Barbeau) gab es im Leben immer nur eines, den Tanz, ein Erbe ihrer verstorbenen Mutter. Doch als sie sich eines Tages während einer Aufführung verletzt, scheint dieser Traum vorbei. Statt Bühnenkunst ist erst einmal Krankengymnastik bei Yann (François Civil) angesagt. Doch während der sie in ihren Träumen bestärkt, lautet der ärztliche Rat, sich operieren zu lassen und eine Auszeit zu nehmen. Vielleicht auch eine für immer: Ob sie jemals wieder wird tanzen dürfen, steht in den Sternen. Und was nun? Um sich erst einmal neu zu orientieren, reist sie mit ihrer Freundin Sabrina (Souheila Yacoub)  und deren Partner Loïc (Pio Marmaï) in die Bretagne, wo sie sich mit sich selbst, ihrer Familie und den eigenen Zielen im Leben auseinandersetzt …

Meister des Menschelns

Auch wenn Cédric Klapisch in seinen Filmen viel umherreist und seine Figuren in den unterschiedlichsten Kontexten vorstellt, eines ist seinen Werken doch immer gemeinsam: Seine Geschichten sind immer sehr von den zwischenmenschlichen Beziehungen geprägt und wie sich die Leuten in den Situationen verhalten. Da spielte es keine Rolle, ob er in seinem wohl berühmtesten L’auberge espagnole – Barcelona für ein Jahr (2002) Studierende aus ganz Europa in eine gemeinsame WG sperrte, in Der Wein und der Wind (2017) drei Geschwister um den familiären Weinberg streiten oder in Einsam zweisam (2019) zwei Großstadtmenschen das Glück vor der eigenen Nase immer ganz knapp verpassen. Es menschelte vor allem immer sehr.

Das ist bei seinem neuen Film Das Leben ein Tanz nicht anders. Dieses Mal spielt seine Geschichte – der Titel verrät es bereits – im Umfeld des Tanzes. Teilweise zumindest. Nach einem entsprechenden Auftakt geschieht recht schnell der besagte Unfall, der das Risiko mit sich bringt, nie wieder tanzen zu können. Doch was dann? Wie geht ein künstlerisch veranlagter Mensch damit um, wenn er seine Kunst nicht mehr oder nur noch eingeschränkt ausüben kann? Das Drama erinnert da an andere Werke mit ganz ähnlichen Szenarien. Bei dem russischen Kollegen Feel That Beat musste sich ebenfalls ein Tänzer von seinem gewohnten Leben verabschieden, als er sein Gehör verliert. Der Rest des Films dreht sich darum, wie er nach diesem heftigen Wendepunkt einen neuen Weg für sich finden muss.

Entfesselt, kunstvoll und irgendwie schräg

Ganz so weit geht Klapisch, der gemeinsam mit seinem wiederkehrenden Partner Santiago Amigorena das Drehbuch geschrieben hat, in seiner Fassung dann aber doch nicht. Zum einen ist hier zunächst offen, ob es eine tanzende Zukunft geben wird oder nicht. Da treten Skepsis gegen Hoffnung ab, ohne dass der Ausgang geklärt wäre. Zum anderen ist Tanzen nur eines von mehreren Themen, welche die beiden in ihrer Geschichte ansprechen. Ebenso wichtig sind – typisch Klapisch – die Verhältnisse innerhalb der Familie, bei denen es größeren Gesprächsbedarf gibt. Da geht es um den Vater, gespielt von Denis Podalydès, der nicht immer so ganz für seine Töchter verfügbar war. Oder auch um die Mutter und die Versuche, dieser selbst nach dem Tod noch gerecht zu werden. Drumherum tummeln sich noch diverse andere Figuren, sie alle haben ihre eigenen Geschichten, Ansichten und Probleme.

Das funktioniert alles recht gut, auch weil das Ensemble entsprechend mitspielt. Pio Marmaï und François Civil, mit denen der Regisseur zuvor schon zusammengearbeitet hat – in Der Wein und der Wind verkörperten sie noch Brüder – sind dabei für die komischeren Momente zuständig. Star des Abends ist aber eindeutig Marion Barbeau. Die ist im wahren Leben selbst Tänzerin, gehört seit einigen Jahren zum Ballettensemble der Pariser Oper. Die Szenen, in denen sich Élise auf die Bühne begibt, sind dann auch erwartungsgemäß eindrucksvoll. Ergänzt werden die klassischen Tanzdarbietungen durch freiere und wildere, die in Zusammenarbeit mit dem israelischen Choreografen Hofesh Shechter entstanden sind, der sich in Das Leben ein Tanz selbst spielt. Diese Szenen gehören dann auch zu den Höhepunkten des Films: entfesselt, kunstvoll und irgendwie schräg.

Entspannung auf dem Land

Es sind aber erstaunlich seltene Höhepunkte, die zudem nicht immer wirklich in die Geschichte integriert sind. Schon bei früheren Filmen zeigte Klapisch die Neigung, nicht unbedingt auf ein Ziel hinarbeiten zu wollen. Stattdessen haben seine Erzählungen immer etwas Episodenhaftes, eine Art Slice of Life. Bei Das Leben ein Tanz ist das noch mal ein wenig prominenter, wenn die Sinnsuche der Protagonistin immer mal wieder Vorwand ist, um sich mit ganz anderen Themen zu befassen. Sonderlich störend ist das aber nicht. Vielmehr ist es irgendwie entspannend, gemeinsam mit Élise aufs Land zu fahren, ihre Fortschritte zu sehen, ein paar reinigende Gespräche mitzumachen, zwischendurch zu lachen oder auch einfach die raue Natur der Gegend zu genießen, wenn der Film immer mal wieder den Blick schweifen lässt.

Credits

OT: „En Corps“
IT: „Rise“
Land: Frankreich
Jahr: 2022
Regie: Cédric Klapisch
Drehbuch: Cédric Klapisch, Santiago Amigorena
Musik: Hofesh Shechter, Thomas Bangalter
Kamera: Alexis Kavyrchine
Besetzung: Marion Barbeau, Hofesh Shechter, Denis Podalydès, Muriel Robin, Pio Marmaï, François Civil, Souheila Yacoub

Bilder

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Das Leben ein Tanz
Fazit
„Das Leben ein Tanz“ ist ein typischer Film von Cédric Klapisch, wenn er einer verletzten Tänzerin aufs Land folgt, wo sie die unterschiedlichsten Leute trifft. Die mitreißenden Tanzszenen gehören zu den Höhepunkten. Aber auch das verbale Miteinander kann sich zusammen mit den Landschaftsaufnahmen sehen lassen, selbst wenn die Tragikomödie zwischendurch kein wirkliches Ziel vor Augen hat.
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