Wolke unterm Dach
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Wolke unterm Dach

„Wolke unterm Dach“ // Deutschland-Start: 28. April 2022 (Kino)

Inhalt / Kritik

Das Leben ist schön, zumindest für Paul (Frederick Lau), Julia (Hannah Herzsprung) und die gemeinsame Tochter Lilly (Romy Schroeder). Zusammen wohnen sie in einem hübschen kleinen Haus, genießen die Zeit, erfreuen sich am Leben. Bis dieses für Julia plötzlich vorbei ist: Sie erleidet eine Hirnblutung, jede Rettung kommt zu spät. Während Paul versucht, die Situation schnell wieder unter Kontrolle zu bringen und ganz normal weiterzuarbeiten, ist Lilly davon überzeugt, dass ihre Mutter nicht fort ist, sondern als Wolke weiterlebt. Und auch Oma Lore (Barbara Auer) findet Trost in der Vorstellung, dass der Tod nicht alles ist und Julia nun bei Gott ist …

Das schwierige Thema Tod

Wir alle tun es einmal und kennen unzählige, denen es genauso geht: sterben. Und doch wollen nur die wenigsten Leute über das Thema sprechen. Die Beschäftigung mit der eigenen Sterblichkeit ist für viele völlig unvorstellbar. Aber auch der Tod von Menschen, die uns nahe sind, stellt so manche vor unlösbare Aufgaben. Aufgaben, für die wir ganz eigene Lösungen suchen, von Trauer bis zu Verdrängung. Wolke unterm Dach erzählt von einer solchen Situation und von mehreren Mitgliedern einer Familie, die jeweils auf sehr verschiedene Weise damit umgehen. Genauer sind es drei Menschen aus drei verschiedenen Generationen, die alle um dieselbe Person trauern und dabei doch nach einem individuellen Weg suchen, wie sie mit dem Ganzen klarkommen können.

Eine der beiden Schlussfolgerungen in Wolke unterm Dach ist dann auch die: Jeder hat eine andere Weise, mit dem Tod umzugehen. So individuell die Menschen sind, so individuell ist auch der Zugang zu dem Thema. Beim deutschen Drama kommt hinzu, dass die drei in unterschiedlichen Beziehungen zu der Toten standen. Für Paul war sie die Partnerin, für Lilly die Mutter, für Lore die Tochter. Jede Beziehung ist eng, aber eben auf eine andere Weise. Auch wenn das Gefühl der Trauer grundsätzlich universell ist, macht es schon einen Unterschied, ob man die Eltern oder die Kinder verliert. Ein Unterschied, der jedoch schwer zu fassen ist und schwer zu beschreiben. Deswegen wird das auch nicht wirklich versucht und stattdessen drei verschiedene Weltsichten präsentiert. Die eine ist rational geprägt, die beiden anderen sind spiritueller Natur.

Schematisch, aber tröstlich

Während der Film grundsätzlich alle Reaktionen als gleichwertig betrachtet und keinen Leitfaden vorgeben mag, ist eine Tendenz dann doch erkennbar. Der auf Kinderfilme spezialisierte Drehbuchautor Dirk Ahner (Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, Die Pfefferkörner und der Schatz der Tiefsee) rät davon ab, sich in Pragmatismus und Arbeit zu stürzen. Paul funktioniert in Wolke unterm Dach zwar irgendwie, ein bisschen auf Autopilot. Eine dauerhafte Lösung ist das aber nicht: Während Tochter und Oma mit ihren spirituellen Zugängen Trost finden, geht der Protagonist mehr und mehr kaputt. Das ist dann auch neben dem individuellen Faktor der Trauer die zweite Lehre des Dramas: Man sollte die Trauer zulassen. Sonst ist die Gefahr groß, dass man sich in etwas verrennt und nicht mehr herausfindet.

Das ist sicherlich nicht die originellste Erkenntnis, die man aus dem Ganzen mitnehmen kann, einiges bleibt zudem recht schematisch. Dafür gibt es gegen Ende hin ein bisschen mehr Kitsch. Da merkt man dann doch, aus welcher Ecke Ahner kommt. Dennoch ist der Film sehenswert. Die Aufforderung, sich mit einem schwierigen Thema auseinanderzusetzen, ist ebenso wichtig wie die Betonung des Individuellen. Außerdem ist Wolke unterm Dach gut besetzt. Frederick Lau darf nach einer Reihe erfolgreicher Komödien wie Das perfekte Geheimnis und Nightlife daran erinnern, dass er von Haus aus eigentlich ein versierter Charakterdarsteller ist. Auch die gemeinsamen Szenen mit Romy Schroeder, die seine Tochter spielt und hier ihr Leinwanddebüt gibt, überzeugen. Es hat etwas Wohliges und Tröstliches zu sehen, wie Paul und Lilly lernen, ein Leben danach zu starten, und damit dem Publikum da draußen Mut machen, es ihnen gleich zu tun. Und das kann man doch immer irgendwie für das eigene Leben gebrauchen.

Credits

OT: „Wolke unterm Dach“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Alain Gsponer
Drehbuch: Dirk Ahner
Musik: Sebastian Fillenberg, Niki Reiser
Kamera: Daniel Gottschalk
Besetzung: Frederick Lau, Romy Schroeder, Hannah Herzsprung, Barbara Auer

Bilder

Trailer

Interview

Wie geht er mit dem Thema Tod um? Und wie war die Zusammenarbeit mit seiner Filmtochter? Diese und weitere Fragen haben wir Frederick Lau in unserem Interview zu Wolke unterm Dach gestellt.

Frederick Lau [Interview 2022]

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Wolke unterm Dach
Fazit
„Wolke unterm Dach“ befasst sich mit dem meist schwierigen Thema der Trauerarbeit, indem drei Familienmitglieder auf unterschiedliche Weise mit einem plötzlichen Tod umgehen. Das ist gut gespielt und auch wichtig. Zu viel Tiefgang sollte man aber nicht erwarten, das bleibt schon eher schematisch, zum Ende wird es etwas kitschig.
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