„Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“, Deutschland, 2018
Regie: Dennis Gansel; Drehbuch: Dirk Ahner, Andrew Birkin, James V. Hart, Sebastian Niemann; Vorlage: Michael Ende
Darsteller: Solomon Gordon, Henning Baum, Annette Frier

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivfuehrer 2018

„Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ läuft ab 29. März 2018 im Kino

Da haben die Bewohner von Lummerland aber nicht schlecht gestaunt, als der Postbote mit seinem Paket ankam. Da ist ja ein Kind drin! Und auch noch ein braunes! Was sollen wir denn damit anfangen? Ladenbesitzerin Frau Waas (Annette Frier) fackelt da aber nicht lange und zieht das Findelkind auf, als wäre es das eigene. Einige Jahre später ist der auf den Namen Jim Knopf getaufte Junge (Solomon Gordon) bei Lokomotivführer Lukas (Henning Baum) in die Lehre gegangen und genießt das Leben auf der Insel. Bis zu jenem Tag, als König Alfons der Viertel-vor-Zwölfte (Uwe Ochsenknecht) verkündet, dass die Lokomotive Emma stillgelegt werden soll, weil Lummerland die Überbevölkerung droht. Für Jim und Lukas bedeutet das, die Koffer zu packen und mit Emma auf ein großes Abenteuer zu gehen. Und vielleicht haben sie ja Glück und finden unterwegs die richtigen Eltern von Jim?

Es wurde aber auch höchste Eisenbahn. Während Michael Endes Kinderbuchklassiker Die unendliche Geschichte und Momo schon in den 1980ern als große Kinofilme umgesetzt wurden, musste der dritte im Bunde bis heute warten. Vielleicht traute man sich aber auch deshalb nicht an Endes Debütroman von 1960 heran, weil hier ja bereits die Augsburger Puppenkiste eine Adaption vorgelegt und damit TV-Geschichte geschrieben hatte. Und auch als Zeichentrickvariante gab es die Abenteuer von Jim Knopf bereits, 1999 war das. Da brauchte es dann schon etwas, um sich von der internen Konkurrenz absetzen zu können.

Stars über Stars, soweit das Auge (und Ohr) reicht
Große Namen zum Beispiel. Von denen standen Regisseur Dennis Gansel (Die Welle, Wir sind die Nacht) auch einige zur Verfügung. Während Solomon Gordon als Jim Knopf sein Leinwanddebüt gibt, stehen ihm eine ganze Reihe von Veteranen hilfreich zur Seite. Im Mittelpunkt steht natürlich Henning Baum, der als großer schlagfertiger Kumpel manchmal an Bud Spencer erinnert. Dazu haben Annette Frier als warmherzige Frau Waas und Milan Peschel als tragischer Scheinriese Glanzauftritte. Für die komischen Szenen sind hingegen Christoph Maria Herbst und Uwe Ochsenknecht zuständig, Michael Bully Herbigs Synchronstimme komplettiert das Staraufgebaut.

Aber auch beim Drumherum wollte man offensichtlich richtig protzen. Gerade bei den Drachen zum Schluss wurde ein Computeraufwand betrieben, wie man ihn in Deutschland nur selten zu Gesicht bekommt. Schöner aber noch sind die Szenen, die sich weniger an bombastischem Hollywoodfantasy orientieren, sondern an der eigenen Vergangenheit. Gerade Lummerland ist sehr schön geworden, sieht so aus, als wären wir auf einer Spielzeuginsel unterwegs. Dazu ertönt das selbst zum Klassiker gewordene Lied Eine Insel mit zwei Bergen aus der Puppenversion, wenn auch in einer deutlich abgewandelten Version. Tradition trifft Moderne, das ist bei Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer angesagt. Das Abenteuer ist gleichzeitig altmodisch und aktuell – nicht zuletzt weil wie in der Vorlage üble Klischees auf ein Gefühl der nationenübergreifenden Gemeinschaft trifft.

Kleinere Stolpersteine auf der großen Reise
Andere Punkte sind weniger glücklich. Dass zum Beispiel an einigen Stellen derart offensichtlich nachsynchronisiert wurde und die Dialoge nicht mehr zu den Lippenbewegungen passen, das sollte bei einem Film dieser Größenordnung nun wirklich nicht passieren. Schwierig ist auch, dass Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer ziemlich viele Szenen und Abschnitte erzählen will. Das Lokomotive rast von einem Ort zum nächsten, was eine unangenehm gehetzte Atmosphäre zur Folge hat. Einige Momente wie der mit dem Scheinriesen oder der Showdown bei Frau Mahlzahn entfalten dadurch nicht die Wirkung, die sie eigentlich verdient hätten. Da funktioniert Endes Geschichte als Film dann doch nicht im selben Maße wie die Vorlage. Insgesamt ist die Adaption aber dem großen Namen würdig und bietet ein fantasievolles Kinderabenteuer, das auch bald 60 Jahre nach dem Buch gut unterhält.

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer (2018)
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Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer (2018)
Bald 60 Jahre nach Erscheinen wird Michael Endes Kinderbuchklassiker endlich für die große Leinwand adaptiert. Insgesamt ist die Verfilmung geglückt, protzt mit großen Namen und einem Aufwand, wie er in diesem Bereich nur selten betrieben wird. Kleinere Mängel wie die gehetzte Atmosphäre trüben ein wenig das Glück. Insgesamt bietet das teils recht altmodische „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ aber auch in dieser Variante unterhaltsame und fantasievolle Abenteuer.
7von 10

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