Vigil Tod auf hoher See arte DVD TV Fernsehen Serie
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Vigil – Tod auf hoher See

Inhalt / Kritik

Vigil Tod auf hoher See arte DVD TV Fernsehen Serie
„Vigil – Tod auf hoher See“ // Deutschland-Start: 13. Januar 2022 (arte) // 18. Februar 2022 (DVD/Blu-ray)

Als ein Trawler von einer unbekannten Kraft erfasst und langsam in die Tiefe gezogen wird, steht Commander Neil Newsome (Paterson Joseph), Kapitän des britischen U-Bootes Vigil, vor einer schwierigen Entscheidung. Er könnte versuchen, den Menschen an Bord zu helfen und sie zu retten. Doch das würde bedeuten, die eigene Position öffentlich zu machen und damit die Mission zu gefährden. Und so entscheidet er sich dagegen, sehr zum Missfallen des Sonarbetreibers Craig Burke (Martin Compston). Einige Stunden später wird dieser tot aufgefunden, offensichtlich das Ergebnis seines Drogenkonsums. Dennoch muss die Sache natürlich untersucht werden. Und so soll die Glasgower Kommissarin Amy Silva (Suranne Jones) mit an Bord gehen und der Sache nachgehen. Dort stößt sie jedoch auf Misstrauen, keiner möchte mit ihr reden. Während sie versucht, trotz des Widerstandes die Wahrheit herauszufinden, ermittelt parallel ihre Kollegin Kirsten Longacre (Rose Leslie) an Land und bekommt es auch dort mit dem wenig kooperativen Militär zu tun …

Nachschub für Fans düsterer Geschichten

Und die nächste Serie, mit der arte die Fans düsterer und spannender Geschichten ansprechen möchte. Nachdem es in den letzten Monaten so unterschiedliche Titel gab wie das französische Thrillerdrama Versteckt im hohen Gras oder auch die italienische Pandemievision Anna steht dieses Mal Großbritannien auf dem Reiseplan. Genauer geht es nach Schottland, wo gleich zwei rätselhafte Geschichten auf ihre Aufklärung warten. Wobei man nicht allzu viele Bilder von der Insel selbst erwarten sollte. Mehr als die Hälfte der Handlung spielt in der Tiefe des Meeres, wo Silva einen Mörder jagt. Denn dass an dem Tod des Sonarbetreibers etwas nicht ganz stimmen kann, das ahnt man hier sofort. Es dauert nicht lange, bis erste Ungereimtheiten auftauchen. Hinzu kommt, dass sich an Bord des U-Bootes kaum jemand kooperativ zeigt – ein deutliches Zeichen, dass etwas vertuscht werden soll.

Das Setting ist natürlich sehr vielversprechend. Immer wieder arbeiten Krimis mit in sich abgeschlossenen Orten, aus denen es kein Entkommen ist und an denen man mit einem Killer eingesperrt ist. Zwei der berühmtesten Geschichten von Agatha Christie basieren auf dem Prinzip: In Zehn kleine Negerlein – Das letzte Wochenende ist es eine Insel, auf der ein Mörder umgeht, beim Theaterstück Die Mausefalle eine eingeschneite Pension. Vigil – Tod auf hoher See setzt dem sogar noch einen drauf. Während Inseln und Pensionen zumindest nach außen hin offen sind und so die Illusion aufrechterhalten, man könne doch wieder wegkommen, ist das bei einem U-Boot ausgeschlossen. Wer hier nach draußen will, der stirbt. Wie beklemmend der Aufenthalt in einem Unterwasser-Gefängnis sein kann, das hat seinerzeit der zum Klassiker avancierte deutsche Beitrag Das Boot gezeigt.

Zu viele Ausflüge nach draußen

Ganz so klaustrophobisch wie beim Vorbild wird es hier dann aber doch nicht. Zum einen ist das U-Boot hier recht geräumig. An vielen Stellen merkt man nicht einmal, dass man sich an einem besonderen Ort befindet. Zum anderen spielt ein bedeutender Teil der Geschichte eben doch nicht an Bord, sondern zeigt Longacre bei den parallelen Ermittlungen. Dadurch stellt sich nie so recht das Gefühl ein, eingesperrt zu sein. Das ist auch deshalb schade, weil Vigil – Tod auf hoher See diese Außenszenen gar nicht unbedingt braucht, um die Handlung voranzutreiben. Das meiste von dem, was die Kollegen und Kolleginnen an Land herausfinden, wird auch im U-Boot irgendwann herausgefunden. Ob die wenigen darüber hinaus gehenden Informationen es wert sind, dafür die Vorteile der Gefängnisstimmung aufzugeben, darüber kann man geteilter Ansicht sein.

Das gilt auch für die Vorgeschichte von Silva, die sich immer wieder in die Spurensuche drängt. Grundsätzlich ist es natürlich nicht verkehrt, wenn eine Hauptfigur mehr als eine Funktion sein darf, sondern ein realer Mensch aus Fleisch und Blut sein soll. Da wurde aber schon sehr auf Drama gesetzt, ohne dass dies unbedingt die Geschichte auf nennenswerte Weise vertiefen würde. Während die psychischen Probleme der Protagonistin schon passend in Vigil – Tod auf hoher See integriert wurden und auch das Trauma nicht verkehrt ist, bringt die Liebesgeschichte gar nichts. Eine wirkliche Verbindung stellt sich dadurch nicht ein. Es führt nur dazu, dass die von Tom Edge erdachte Serie länger ist, als sie es sein müsste. Wobei sich der der letztendlich überflüssigen Szenen keine allzu großen Längen einstellen. Die sechs etwa eine Stunde langen Folgen sind relativ schnell am Stück durchgeschaut.

Viele Geheimnisse und Rätsel

Krimifans schauen sowieso rein, da hier klassische Qualitäten des Whodunnits bedient werden. Mit der Zeit stellt sich heraus, dass eine ganze Reihe von Leuten irgendwelche Geheimnisse haben, was die Zahl an Verdächtigen hochschnellen lässt. Auch bei den Motivationen gibt es genügend Auswahl, um trotz des beengten Settings keine Langeweile aufkommen zu lassen. Da gibt es schon viel Stoff, über den man sich das Hirn zermartern kann. Die Lösung des Rätsels ist dabei überraschend, klingt auch erst mal irgendwie bescheuert, hat aber doch ihren Reiz. So zynisch wie hier werden Krimis nur selten. Trotz kleinerer Schwächen, zu denen auch das wenig differenzierte Feindbild zählt, ist Vigil – Tod auf hoher See daher auf jeden Fall mehr als nur einen Blick wert. Und auch die schauspielerische Leistung von Suranne Jones, deren Figur immer kurz vorm Nervenzusammenbruch zu sein scheint, trägt dazu bei, dass man die unzähligen deutschen TV-Krimis hierfür pausieren sollte.

Credits

OT: „Vigil“
Land: UK
Jahr: 2021
Regie: James Strong, Isabelle Sieb
Drehbuch: Tom Edge, Ed Macdonald, Chandni Lakhani
Idee: Tom Edge
Musik: Glenn Gregory, Berenice Scott
Kamera: Matt Gray
Besetzung: Suranne Jones, Rose Leslie, Shaun Evans, Paterson Joseph, Adam James, Lolita Chakrabarti, Anjli Mohindra, Gary Lewis

Bilder

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In „Vigil – Tod auf hoher See“ stirbt ein Mann an Bord eines U-Bootes auf dubiose Weise, auch sonst scheint da unter Wasser einiges nicht mit rechten Dingen vor sich zu gehen. Das Setting ist spannend für eine Mörderjagd, selbst wenn die beklemmende Stimmung unnötig sabotiert wird. Krimifans schauen trotzdem rein und dürfen bis zum Ende rätseln, wer da was weshalb vertuschen will.
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