Neben der Spur - Die andere Frau ZDF TV Fernsehen
© ZDF/Marion von der Mehden

Neben der Spur: Die andere Frau

„Neben der Spur: Die andere Frau“ // Deutschland-Start: 31. Januar 2022 (ZDF) // 18. März 2022 (DVD)

Inhalt / Kritik

Der Schock ist groß bei Joe Jessen (Ulrich Noethen), als er erfährt, dass sein Vater zur Zielscheibe eines Mordanschlages wurde und nun im Koma liegt. Und das ist nicht die einzige böse Überraschung: Er lernt dabei im Krankenhaus Olivia Schwartz (Aglaia Szyszkowitz) kennen, die von sich behauptet, seit 20 Jahren mit seinem Vater liiert zu sein. Tatsächlich scheint dieser ein Doppelleben geführt zu haben, wovon sonst niemand etwas ahnte. Während Jessen nach einem Grund für den Angriff suchte und sich mit seiner verkorksten Familiengeschichte auseinandersetzen muss, droht auch noch Ärger mit seiner Tochter Charlotte (Lilly Liefers). Denn die ist jetzt mit Kolja (Maximilian Mundt) zusammen, von dem er ahnt, dass er nichts Gutes bedeutet …

Das Ende der Krimireihe

Bei den vielen deutschen Krimireihen, die wöchentlich im öffentlich-rechtlichen Fernsehen laufen, teilweise schon seit vielen Jahren, kann man schon mal vergessen: Manche dieser Reihen enden tatsächlich. Nun ist es auch bei der ZDF-Produktion Neben der Spur so weit. Parallel zu der zugrundeliegenden Romanreihe von Michael Robotham ist mit Die andere Frau nun auch Schluss mit den Filmen. Wobei das vermutlich den wenigsten auffallen wird, schließlich erschien eh nur ein neuer Teil pro Jahr. Da ist man lange Wartezeiten gewohnt. Seit 2015 kamen so inklusive des Finales gerade einmal acht Filme zusammen. In dem auf unzählige Fortsetzungen ausgelegten Segment geht das schon als Mini-Serie durch.

Ein großer Verlust ist die Absetzung der Reihe aber nicht, zumindest basierend auf der Abschiedsveranstaltung. Grundsätzlich ist es eine nette Abwechslung von den Hunderten Konkurrenzveranstaltungen, in denen die Polizei nach Mördern sucht, wenn hier ein Psychiater im Mittelpunkt der Ermittlungen steht. Zumal das eigentlich eine Steilvorlage dafür ist, dass da mal ein bisschen genauer hingeschaut wird, was die Menschen so treiben. Neben der Spur: Die andere Frau nutzt das aber praktisch gar nicht aus, sieht man einmal davon ab, dass Jessen dem neuen Freund seiner Tochter misstrauisch gegenübersteht. Und selbst das kann unter das typische Vater-Tochter-Verhältnis verbucht werden. Erwähnt wird der Beruf des Protagonisten zwar, der damit seiner eigenen Position Gewicht verleihen will. Man hätte es aber auch weglassen können.

Zwischen seltsam und langweilig

Wobei die Figuren schon größtenteils irgendwie seltsam sind. Es wird nur nie ganz klar, ob der Film etwas damit ausdrücken will oder ob da einfach nur das Gespür dafür fühlte, wie sich so ein Mensch eigentlich verhält. Bei Kolja mag das noch durchgehen, der als mehr oder weniger psychotisch beschrieben wird. So richtig nachvollziehbar verhalten sich die anderen aber auch nicht, Neben der Spur: Die andere Frau wirkt immer etwas falsch. Die Familiengeschichte, die im Zuge des Mordanschlags ans Licht kommt, überzeugt ebenfalls nicht so wirklich. Vermutlich hätte das alles recht tragisch rüberkommen sollen. Es reicht aber allenfalls für Verwunderung darüber, wie man tatsächlich der Ansicht sein konnte, dass das für ein Publikum da draußen interessant genug ist.

Das ist dann letztendlich auch das größte Problem des Films: Neben der Spur: Die andere Frau ist einfach wahnsinnig langweilig. Auch wenn da angesichts des allgegenwärtigen Todes oder anderen Formen des Unglücks schon eine melancholische Stimmung vorherrscht, wird diese doch nie zwingend genug, um einen damit zu fesseln. Dem Ensemble ist das dabei weniger vorzuwerfen. Ulrich Noethen (Furia, Die Ungewollten – Die Irrfahrt der St. Louis) spielt überzeugend den Mann am Ende seines Weges, der nichts mehr wiedererkennt und nun auch noch das letzte bisschen zu verlieren droht. Aber das ist nicht genug, um die schwache Geschichte auszugleichen. Wenn zum Ende hin verraten wird, wer es auf den Vater abgesehen hat, spielt das auch schon keine Rolle mehr.

Credits

OT: „Neben der Spur: Die andere Frau“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Josef Rusnak
Drehbuch: Josef Rusnak
Vorlage: Michael Robotham
Musik: Christoph Zirngibl
Kamera: Peter Joachim Krause
Besetzung: Ulrich Noethen, Juergen Maurer, Aglaia Szyszkowitz, Maximilian Mundt, Lilly Liefers, Nele Mueller-Stöfen

Bilder

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„Neben der Spur: Die andere Frau“ wollte zum Abschluss der Reihe noch einmal richtig abgründig werden. Tatsächlich spannend ist das Ergebnis aber nicht. Die Geschichte selbst ist langweilig, die Figuren verhalten sich seltsam, ohne dass dabei ein Konzept zu erkennen wäre. Am Ende ist irgendwie alles egal.
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