Nord bei Nordwest - Ho Ho Ho!
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Nord bei Nordwest: Ho Ho Ho!

Inhalt / Kritik

Nord bei Nordwest - Ho Ho Ho!
„Nord bei Nordwest: Ho Ho Ho!“ // Deutschland-Start: 25. Dezember 2021 (Das Erste)

Eigentlich hätte der Weihnachtsmann den Menschen in Schwanitz Freude bringen sollen. Irgendjemand scheint darüber jedoch nicht erfreut gewesen zu sein und brachte ihn deshalb einfach um. Aber vielleicht war es auch das falsche Ziel, ist doch ein Freund für den anderen eingesprungen und hat deshalb das Kostüm übergeben. Während Hauke Jacobs (Hinnerk Schönemann), Hannah Wagner (Jana Klinge) und Tierarzthelferin Jule Christiansen (Marleen Lohse) herauszufinden versuchen, wer von den beiden das beabsichtigte Opfer war – und wer der Täter war natürlich auch –, hat die Bevölkerung des kleinen Ortes noch diverse andere Sorgen. Eine davon ist, dass er nach mehreren unglücklichen Zufällen von der Außenwelt abgeschnitten ist und niemand mehr raus kann …

Ausnahmesituation im deutschen Fernsehen

Bei lang laufenden Serien ist es nicht unüblich, dass spezifische Feste und Jahreszeiten in eigenen Folgen thematisiert werden. Meistens betrifft das aber eher Serien, die ein wöchentliches Format haben und sich zudem irgendwie mit dem Alltag befassen, Sitcoms zum Beispiel. Denn bei denen wäre es eigenartig, diese festen Termine nicht irgendwo auch mal einzubauen. Bei Krimireihen ist die Vorstellung hingegen ein wenig seltsam. Wer nur drei Filme oder so pro Jahr veröffentlicht, bei dem ist das mit der Saisonalität weniger angesagt. Umso auffälliger ist, dass diese Woche gleich zwei solcher Krimireihen mit eigenen Weihnachtsfolgen an den Start gehen. Erst legte Nord Nord Mord: Sievers und die Stille Nacht vor. Nun zieht mit Nord bei Nordwest: Ho Ho Ho! der zweite Nordkrimi nach.

Im Gegensatz zu den Kollegen versteht sich Letzterer jedoch nicht als regelmäßiger Teil innerhalb der ARD-Reihe Nord bei Nordwest, sondern als separates Weihnachtsspecial. Dabei ist Ho Ho Ho! als Krimi sogar klassischer, als es beispielsweise Der Anschlag und Conny und Maik Anfang des Jahres waren. Hier geht es stärker darum, dass ein anfänglicher Mord aufgeklärt werden muss, wie in einem regulären Whodunnit. Auffallend ist dabei die persönliche Note des Films. Passend zu Weihnachten geht es dieses Mal stärker um die zwischenmenschlichen Beziehungen. Vor allem das Verhältnis von Hauke und Jule spielt diesmal eine größere Rolle, nachdem es zuletzt ein wenig aus den Augen verloren war. Auch da gibt es also eine Rückbesinnung auf die Vergangenheit.

Mehr Drama als Krimi

Das bedeutet jedoch nicht, dass man sich hier zum Jahresende noch einmal ein wenig im Kitsch suhlt. Stattdessen ist Nord bei Nordwest: Ho Ho Ho! ein erstaunlich trauriger Film. Weihnachten wird hier nicht zum Anlass, um ganz viel Zuckerguss auf alles draufzuschmieren. Da geht es auch um Einsamkeit, um unerfüllte und unausgesprochene Gefühle. Um Menschen, die in ihrem Leben verloren sind und sich unverstanden fühlen. Zum Teil gibt es darauf Antworten, werden Probleme angegangen und angesprochen. Dennoch ist auffällig, wie düster und traurig der Film bleibt. Gerade bei einer Reihe, die anfangs verstärkt auf Humor setzte, überrascht die Ernsthaftigkeit ein wenig, mit der die Geschichte erzählt wird. Der Film berührt mehr, als dass er unterhält.

Das hängt auch damit zusammen, dass der Kriminalfall zuweilen in den Hintergrund rückt. Die Idee, dass zu Beginn ausgerechnet ein Mann im Weihnachtsmannkostüm erschossen wird, ist natürlich schon irgendwie besonders. Außerdem ist es immer wieder eine dankbare Situation, wenn nicht einmal klar ist, ob das Opfer das intendierte Opfer war. Zwischendurch gibt es aber immer wieder längere Passagen, bei denen sich niemand mehr für den Fall interessiert. Der Wendepunkt, wenn Schwanitz auf einmal vom Rest der Welt abgeschnitten ist, wird nicht zur Spannungssteigerung genutzt. Im Gegensatz zu Krimis mit ähnlichen Szenarien – Agatha Christies Mausefalle oder auch Das letzte Problem – entsteht in Nord bei Nordwest: Ho Ho Ho! daraus kein Gefühl der Bedrohung, da die Leute zu sehr mit anderem beschäftigt sind. Denn irgendwie ist das Leben noch deutlich komplizierter als der Tod.

Credits

OT: „Nord bei Nordwest: Ho Ho Ho!“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Ingo Rasper
Drehbuch: Holger Karsten Schmidt
Musik: Stefan Hansen
Kamera: Ralf M. Mendle
Besetzung: Hinnerk Schönemann, Jana Klinge, Marleen Lohse, Cem Ali Gültekin, Stephan A. Tölle, Regine Hentsche, Victoria Fleer

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„Nord bei Nordwest: Ho Ho Ho!“ verbindet einen klassischen Krimi mit einem Weihnachtssetting und vor allem viel zwischenmenschlichen Themen. Tatsächlich ist der Film teilweise mehr Drama als Krimi. Als solcher geht er tatsächlich zu Herzen, wenn es um Einsamkeit und unausgesprochene Gefühle geht. Die Spannung ist dafür nicht wirklich hoch.
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