Kritik

Nord bei Nordwest

„Nord bei Nordwest: Conny und Maik“ // Deutschland-Start: 14. Januar 2021 (Das Erste)

Nach ihrem schwierigen Start bei der Schwanitzer Polizei dachte Hannah Wagner (Jana Klinge), dass sie jetzt endlich ihr altes Leben hinter sich lassen und wirklich von vorne anfangen könnte. Doch dabei hat sie nicht die Rechnung mit Maik Lisek (Slavko Popadic) gemacht, den sie noch von früher kennt und der auf der Flucht vor Verbrechern ist. Während sie nun versucht ihm zu helfen, ohne dass ihr Kollege Hauke Jacobs (Hinnerk Schönemann) etwas davon mitbekommt, hat Jule Christiansen (Marleen Lohse) ganz andere Sorgen: Eine Kuh auf dem Hof der Schwestern Conny (Luisa-Céline Gaffron) und Friederike Barrow (Angelina Häntsch) ist krank. Und diese Krankheit könnte bald noch weitere Opfer fordern …

Und wie geht es jetzt weiter?

Ein bisschen holprig war der Neustart der Krimireihe Nord bei Nordwest ja schon, als nach elf Fällen eine der Hauptdarstellerinnen ausstieg und durch eine neue ersetzt wurde. Der Anschlag, der erste Film mit der neuen Teilbesetzung, musste so viel Zeit dafür aufwenden, Polizistin Lisek einzuführen, dass der Kriminalfall etwas ins Hintertreffen geriet. Außerdem konnte man sich nicht ganz entscheiden, ob man nun mehr in Richtung Provinzkomik oder Thriller gehen wollte. Also machte man beides irgendwie, was am Ende nicht so wirklich befriedigend war. Umso mehr, da der Humor nur zum Teil geglückt war. Da durfte man neugierig sein, welchen Weg der Folgefall Conny und Maik einschlagen würde.

Dabei stellt sich heraus: Der Fall ist durchaus überraschend. Das hat jedoch weniger mit der Geschichte an sich zu tun, sondern mit den gesetzten Schwerpunkten. Einer lässt sich bereits am Titel ablesen. Anstatt die Annäherung des neu zusammengesetzten Trios voranzutreiben, stehen zwei ganz andere Figuren im Mittelpunkt. Die eine ist Conny, Tochter eines verstorbenen Landwirts, die sowohl mit ihrer Aufgabe am Hof wie auch mit ihrer bevormundenden Schwester zu kämpfen hat. Maik wiederum hat niemanden mehr, abgesehen von den Verbrechern, denen er Geld geklaut hat und die nun hinter ihm her sind. Mit den eigentlichen Figuren der Reihe hat das nur zum Teil noch zu tun. Während Hannah auf diese Weise zumindest mehr Vorgeschichte erhält, werden die beiden anderen fast schon zu Statisten reduziert.

Die nächste Irritation ist, dass diese beiden Handlungsstränge eigentlich gar nichts miteinander zu tun haben. Auch wenn früh ein erster Hinweis erfolgt, dass die zwei Titelfiguren Gefallen aneinander haben, eine gemeinsame Geschichte wird erst sehr spät draus. Es ist nicht einmal so, dass die Zusammenführung sonderlich elegant ausfallen würde. Vielmehr wird auf etwas plumpe Weise auf einmal ein Deckel drauf gemacht und die Verbindung zu etwas hochstilisiert, was sie gar nicht war. Conny und Maik weckt das Gefühl, dass das Konzept von hinten aufgezogen wurde und man später nur noch halbherzig den Weg dorthin suchte.

Die Tragik des Lebens

Eines haben die zwei Stränge aber gemeinsam: Sie handeln von verlorenen Seelen, die sich einsam durch das Leben kämpfen. Das klingt sehr ernst, ist es auch. Der humorvollere Ton, den die Reihe immer mal hatte, der fehlt hier nahezu völlig. Allenfalls bei Nebenfiguren darf man sich mal ein kleiner Witzversuch in die Dunkelheit wagen. Stattdessen entwickelt sich Nord bei Nordwest zu einer Mischung aus Drama und Thriller. Das ist prinzipiell nicht verkehrt, weckt aber zusammen mit dem Vorgängerfilm den Eindruck, dass man nicht so recht weiß, was man mit der erfolgreichen Krimireihe anfangen soll und in welche Richtung sich das weiterzuentwickeln hat.

Immerhin: Der Film ist in sich stimmiger als der Vorgänger. Außerdem gelingt es Nina Wolfrum, die erneut auf dem Regiestuhl Platz genommen hat, die tragischen Elemente von Conny und Maik gebührend unterzukriegen. Vor allem direkt am Anfang werden Langzeitfans noch einmal einen dicken Kloß im Hals haben. Schauspielerisch stimmt das auch, selbst wenn das Ensemble nur bedingt etwas gegen die diversen Klischees ausrichten kann, die das Drehbuch bereit hält und den Film etwas austauschbar werden lassen. Zudem irritiert, dass die Polizei sich an keine Regeln zu halten hat. Da machte man es sich hier schon sehr einfach. Fans dürfen natürlich trotzdem reinschalten und ihren liebgewonnenen Figuren Gesellschaft leisten, müssen sich aber darauf einstellen, dass sie vielleicht nicht das Erhoffte mitnehmen werden.

Credits

OT: „Nord bei Nordwest: Conny und Maik“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Nina Wolfrum
Drehbuch: Niels Holle
Musik: Stefan Hansen
Kamera: Uwe Neumeister
Besetzung: Hinnerk Schönemann, Jana Klinge, Marleen Lohse, Slavko Popadic, Luisa-Céline Gaffron, Angelina Häntsch, Cem Ali Gültekin

Bilder

Trailer

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Nord bei Nordwest: Conny und Maik
Eine Krimireihe ganz ernst: „Nord bei Nordwest: Conny und Maik“ verzichtet auf den gewohnten Humor und setzt mehr auf eine Mischung aus Drama und Thriller. Und auch die recht geringe Bedeutung des eigentlichen Trios ist unerwartet. Das Ergebnis kann sich schon sehen lassen, weil gut gespielt, hat aber viele Klischees und Probleme, die zwei Handlungsstränge zu verknüpfen.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

5 Responses

  1. Ralph R

    Gehts noch ? Da sterben 4 Menschen, weil eine Komissarin ihre persönlichen Probleme und die Peinlichkeit einer geklauten Dienstwaffe nicht in den Griff bekommt, der Kollege vertuscht das und das soll uns dann als sympathische Idylle verkauft werden ?

    Beide Polizisten gehören suspendiert und es ist traurig, wie selbst das deutsche Fernsehen mit Steuergeldern so einen Verstoss gegen das Recht auch noch verherrlicht.

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  2. Sacha Jansen

    Ich empfand die Reihe bis einschließlich der letzten Staffel immer als eine der besten im deutschen Fernsehen.

    Aber seit der Umbesetzung wirkt das ganze Szenario wie aus einem Parallel-Universum.

    Ich weiß nicht, ob ich das haben will. Ich glaube, eher nicht.

    Werde trotzdem noch den dritten Film nächste Woche sehen, und dann entscheiden, ob ich die Serie (für mich) mit der letzten Staffel enden lasse …

    Schade.

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  3. Paul Schröder

    Ich kann mich den Einträgen nur anschließen. Das war ein Tiefpunkt, voll von unnötigen Gewaltexzessen, vielen unlogischen Momenten und Situationen sowie keiner vollzogenen Näherung an die neue Rolle (Darstellerin Jana Klinge kann dafür vermutlich am wenigstens). Wo ist die Sensibilität, wo die gewisse inhaltliche Tiefe, wo das sympathische Element? Alles verschwunden zugunsten von echtem Ramsch, der weder die Gebühren noch die Produktionskosten wert ist. Das (schlechte) Wiederholen von Inhaltsfetzen (2 Drogendealer, ein ekliger Messerstich (interessant: nach der Attacke liegt man eigentlich etliche Wochen im KH, der Protagonist ist dagegen nur wenige Stunden, nur leicht bandagiert, schon wieder quitschvergnügt im Auto unterwegs)) sowie Dilentatismus und infantiler „Witz“ lassen befürchten, dass den Autoren nichts Gescheites mehr einfällt. So wäre mir „ein Ende mit Schrecken“ lieber gewesen…
    Quotentechnisch war es ein voller Erfolg, Zuschauerrekord. Bei ARD und Drehteam wird man berauscht sein, mal schauen ob die inhaltliche Kritik überhaupt irgendwo wahrgenommen wird.

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  4. Vera Steinert

    Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen – ich war schon von der ersten Folge der neuen Staffel betäubt enttäuscht, bei Connie&Maik habe ich entsetzt bis zum Ende durchgehalten, nicht glauben wollen, welcher Allgemein-Krimi-Kitsch da verzapft wurde. Hauptsache eine Fuck-fluchende Kommissarin mit übergebärdig verzerrter Mimik und unverständlichen, burnout-reifen Wutausbrüchen sowie fünf hingemetzelte Menschenleben, denen jeweils viel Blut aus dem Mund lief – wie auch der verunglückten Kommissarin. Eiderdaus, wenn ich bei so einem Unfall mit offenbar inneren Verletzungen aus dem Auto kriechen würde, säße ich nicht im nächsten Moment auf einer Bank. Alles tolle Übermenschen. Schade, wohin diese Serie mutiert ist. Die dritte Folge tue ich mir nicht mehr an.

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