Gnadenlos Without Remorse Tom Clancy Amazon Prime Video
© Paramount Pictures/Amazon Prime Video

Gnadenlos

Inhalt / Kritik

Gnadenlos Without Remorse Tom Clancy Amazon Prime Video
„Tom Clancy’s Gnadenlos“ // Deutschland-Start: 10. Dezember 2021 (Amazon Prime Video)

Als ein Team von Navy SEALs in Syrien eine Geisel befreien, ahnt niemand, welch hohen Preis sie dafür zahlen müssen. Denn einige Monate später werden sie in einer koordinierten Aktion allesamt brutal ermordet. Lediglich Senior Chief John Kelly (Michael B. Jordan) übersteht den Anschlag, verliert dabei aber seine Frau, die zu dem Zeitpunkt schwanger war. Außer sich vor Wut beschließt er, sich an den Mördern seiner Familie und seiner Kameraden zu rächen. Tatsächlich erhält er die Chance dazu, auch wenn CIA-Offizier Robert Ritter (Jamie Bell) und seine Team-Leiterin Karen Greer (Jodie Turner-Smith) nicht glücklich über diese Entwicklungen sind. Die Mission führt sie und die anderen Männer nach Russland, wo sich der letzte überlebende Killer aufhalten soll …

Neuer Anlauf für Tom Clancy

In den 90ern bis weit in die 00er Jahre hinein war es nahezu unmöglich, an Tom Clancy vorbeizukommen. Nicht nur dass seine Karriere als Schriftsteller nach wie vor auf Hochtouren lief und er praktisch jährlich einen neuen Roman veröffentlichte. Außerdem hatte Hollywood ihn als Quelle für lukratives Blockbusterkino entdeckt, angefangen beim starbesetzten Jagd auf roter Oktober, der 1990 rund 200 Millionen US-Dollar einspielte, bei Kosten von gerade mal 30 Millionen Dollar. Und wem das alles zu passiv war, griff zu den Videospielen, die einige Jahre später in Massen produziert wurden. Zuletzt sank der Output jedoch merklich, schon vor dem Tod des Autors kam da immer weniger nach. Dann und wann wurde noch immer das diverse Reihen umfassende Clancy-Franchise gefüttert, aber das war kein Vergleich zu der Schwemme von früher.

Mit Gnadenlos, wahlweise auch als Tom Clancy’s Gnadenlos bekannt, sollte sich das wieder ändern. Zum ersten Mal sei Jack Ryan: Shadow Recruit, dem nicht so wirklich geglückten Reboot-Versuch von 2014, sollte es wieder ein Abenteuer des Autors auf der großen Leinwand geben. Am Ende kam es anders, die Corona-Pandemie führte dazu, dass der Film stattdessen bei Amazon Prime Video landete. Als Plattform ist das sicher nicht unpassend, schließlich hat der Streamingdienst auch die Serie Jack Ryan produziert, bei der bereits eine vierte Staffel in Planung ist – noch vor Veröffentlichung der dritten. Und auch der Film ist ganz offensichtlich auf ein serielles Erzählen ausgerichtet. Erzählt wird gewissermaßen die Vorgeschichte von Rainbow Six, einer multinationalen Spezialeinheit, die in diversen Spielen zum Einsatz kam.

Zu cool zum Sterben

Mit dem 1993 veröffentlichten gleichnamigen Roman hat Gnadenlos indes nur wenig zu tun, von den verwendeten Namen einmal abgesehen. Während das Original 1969 spielte und damit mitten im Kalten Krieg angesiedelt war, geht es nun in die Gegenwart. Eindeutige Feindbilder sind inzwischen rarer geworden, von den immer wieder gern abgeschossenen Terroristen einmal abgesehen. Ansonsten ist der Actionthriller aber ein Film alter Schule. Es gibt hier beispielsweise harte Kerle, die beim Angesicht des Todes nicht einmal mit den Achseln zucken. Das kann man dann megacool finden. Oder auch ein bisschen lächerlich: Eine frühe Szene, in der Kelly einen russischen Politiker zur Herausgabe von Informationen zwingen will, ist dermaßen überzogen, dass man entweder gebannt aufs Geschehen starrt oder mit den Augen rollt. Gleiches gilt für die im Grunde völlig überflüssige Szene, in der Michael B. Jordan seinen durchtrainierten Oberkörper demonstrieren darf.

Während man dort ganz gern mal übers Ziel hinausschießt und mit todernster Miene den größten Blödsinn erzählt, ist der Film in anderer Hinsicht ein bisschen sehr genügsam. Wenn Gnadenlos auf das Motiv großer Verschwörungen zurückgreift und mal wieder hinter den Kulissen alles ganz anders ist, als es erscheint, dann ist das zwar irgendwie zeitgemäß. Die Zielgruppe für solche Geschichten ist schließlich erschreckend groß. Tatsächlich spannend ist das hier aber nicht. Nicht nur dass das Prinzip selbst ein wenig verbraucht ist. Man weiß hier zudem recht früh, wer genau hinter allem steckt. Ein groß angekündigtes Geheimnis, dessen Lösung man schon vorab weiß, das ist irgendwie nicht wirklich glücklich. Da hätte der Film gern ein bisschen raffinierter ausfallen dürfen.

No-Nonsense-Haudraufkino

Insgesamt gelingt es dem eigentlich sehr genreerfahrenen Regisseur Stefano Sollima (Sicario 2, ZeroZeroZero) auch nicht so wirklich, mehr aus dem großen Namen mehr zu machen als generisches Haudraufkino. Das bedeutet nicht, dass der Thriller nicht dazu geeignet wäre, es sich einen Abend vor dem Fernseher gemütlich zu machen. Schon die unheimliche Präsenz von Jordan, dessen No-Nonsense-Attitüde in einem starken Kontrast zu den meisten heutigen Heldenhelden steht, geht als Grund durch, mit den Männern und Frauen Jagd auf Mörder zu machen. Die Actionszenen können sich ohnehin sehen lassen, sowohl in den Nahkampfmomenten wie auch den Schusswechseln. Es ist nur drumherum nicht wirklich viel da, was für den Film sprechen würde. Gnadenlos bietet darbenden Fans das, was sie haben wollen, ist aber kaum dazu geeignet, neue zu gewinnen.

Credits

OT: „Tom Clancy’s Without Remorse“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Stefano Sollima
Drehbuch: Taylor Sheridan, Will Staples
Vorlage: Tom Clancy
Musik: Jónsi
Kamera: Philippe Rousselot
Besetzung: Michael B. Jordan, Jamie Bell, Jodie Turner-Smith, Lauren London, Brett Gelman, Jacob Scipio, Jack Kesy, Colman Domingo, Guy Pearce

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In „Gnadenlos“ macht ein Ex-Marine Jagd auf die Mörder seiner Familie und seiner Kameraden. Die Actionszenen können sich sehen lassen, Michael B. Jordan zeigt zudem viel Präsenz. Aber das reicht nicht aus, um bei dem abwechselnd überzogenen und generischen Actionthriller für viel Spannung zu sorgen.
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