Inhalt / Kritik

Ein starkes Team - Verdammt lang her ZDF

„Ein starkes Team: Verdammt lang her“ // Deutschland-Start: 27. November 2021 (ZDF)

30 Jahre verbrachte Peter Kniesbeck (André M. Hennicke) im Gefängnis, nachdem er bei einem Raubüberfall einen der Bankangestellten erschossen hatte. Nun ist er frei und träumt davon, ein neues Leben zu beginnen. Aber das ist nicht so einfach wie erhofft. Seine eigene Tochter will nichts von ihm wissen, macht sie ihm doch zum Vorwurf, sie im Stich gelassen zu haben. Und dann wird auch noch direkt ein Mordanschlag auf ihn verübt. Als dem kurze Zeit später ein zweiter folgt, ist klar, dass die Vergangenheit längst nicht abgeschlossen ist. Otto Garber (Florian Martens) und Linett Wachow (Stefanie Stappenbeck) müssen nicht nur herausfinden, wer es auf Kniesbeck abgesehen hat, sondern auch was sich damals bei dem Überfall wirklich abgespielt hat …

Mittelmaß ohne Ende

Verdammt lang her ist ein irgendwie passender Titel. Nicht nur dass Ein starkes Team eine absolute Endlosveranstaltung ist: 1994 ging die ZDF-Reihe an den Start, über 80 Filme wurden mittlerweile gedreht. Verdammt lang her ist aber auch, dass da tatsächlich mal etwas Sehenswertes geschehen ist. Die letzten beiden Filme Gute Besserung und Sterben auf Probe krebsten irgendwo im unscheinbaren Mittelfeld herum, man versuchte nicht einmal mehr, dem Publikum irgendetwas Spannendes zu bieten. Das ist beim neuen Film nicht anders, der mal wieder nur das Nötigste macht und dabei den ohnehin schon nicht besonders hohen Unterhaltungsfaktor der direkten Vorgänger noch einmal unterbietet.

Dabei geht es schon recht brisant und irgendwie rätselhaft los. Ein Mann, der aus dem Gefängnis entlassen wird und gleich ermordet werden soll? Das wirft schon Fragen auf. Denn so richtig viel aktueller Anlass kann da eigentlich nicht sein, wenn der Mann 30 Jahre hinter Gitter verbracht hat. Dass der mörderische Auftakt irgendwie mit dem damaligen Banküberfall zusammenhängen muss, daran lässt Ein starkes Team: Verdammt lang her keinen Zweifel. Doch das bringt immer noch verschiedene Möglichkeiten mit sich, wer genau es gewesen sein könnte. Schließlich kommt jeder in Frage, der damals bei dem Raub mitgemacht hat. Einmal Verbrecher, immer Verbrecher. Und das sind einige, selbst wenn diese damals im Gegensatz zu Kniesbeck davonkamen, der die alleinige Schuld auf sich nahm.

Eine tragische Vorgeschichte

Kniesbeck ist es dann noch am ehesten, der einen Grund liefert, warum man sich den Film anschauen könnte. Sein Schicksal geht schon zu Herzen, wenn der Ost-Deutsche nach der Wende seiner Existenz beraubt wurde und vor lauter Verzweiflung zum Verbrecher wurde. Und auch bei den anderen Figuren gibt es tragische Elemente, wenn sie sich gegen den eigenen Untergang stemmen. Das gipfelt in einem Finale, das die Ambivalenz von Ein starkes Team: Verdammt lang her auf die Spitze treibt. Einfache Antworten sind hier nicht zu finden, man kann höchstens das geringere Übel wählen, sofern man dieses überhaupt als solches erkennen kann. Als Drama hat der Film daher schon seine Momente, auch wenn da einiges ziemlich konstruiert wurde und man nicht unbedingt alles so glauben muss.

Das ändert aber nichts daran, dass Ein starkes Team: Verdammt lang her ein ziemlich langweiliger Film ist. Die frühe Festlegung auf das Bankraubthema führt dazu, dass es keine wirklichen Überraschungen mehr gibt. Es macht letztendlich keinen großen Unterschied, wer nun den Mord bzw. Mordversuch begangen hat. Es ist nicht einmal so, dass die Bedrohung von Kniesbeck für Spannung sorgen würde. Für einen Film, bei dem eine Hauptfigur in ständiger Todesangst leben müsste, ist das hier alles erschreckend gleichgültig. Lediglich zum Schluss kommt noch mal eine Ahnung von Nervenkitzel auf. Aber das ist zu spät, um die wenig bemerkenswerte Geschichte und die nichtssagenden Figuren auszugleichen, die sich hier auf beiden Seiten des Gesetzes tummeln.

Credits

OT: „Ein starkes Team: Verdammt lang her“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Ulrich Zrenner
Drehbuch: Leo P. Ard
Musik: Ludwig Eckmann
Kamera: Wolf Siegelmann
Besetzung: Florian Martens, Stefanie Stappenbeck, Arnfried Lerche, Matthi Faust, Jaecki Schwarz, Eva Sixt, André M. Hennicke, Sarina Radomski, Hans-Uwe Bauer, Annika Kuhl, Thomas Schmuckert, Thomas Lawinky

Bilder

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Ein starkes Team: Verdammt lang her
Ein Mann kommt nach 30 Jahren aus dem Gefängnis und wird gleich zur Zielscheibe eines Mordanschlags: „Ein starkes Team: Verdammt lang her“ wirft von Anfang an Fragen auf, die das Publikum neugierig machen sollen. Der Film überzeugt aber allenfalls als Drama, der Kimi-Part ist hingegen schwach, Spannung wird man hier vergeblich suchen.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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