Die Welt steht still
© ZDF/Patrick Pfeiffer/Georges Pauly

Die Welt steht still

Inhalt / Kritik

Die Welt steht still
„Die Welt steht still“ // Deutschland-Start: 15. November 2021 (ZDF)

Eigentlich war es bereits beschlossene Sache, dass Dr. Caroline Mellau (Natalia Wörner) das Krankenhaus verlässt. Sie freute sich schon darauf, wieder mehr Zeit für ihre Familie zu haben. So dachte sie zumindest. Doch dann geht die Meldung um die Welt, dass ein neu entdecktes Virus sich rasend schnell ausbreitet, zuerst in China, später in anderen Ländern. Als es schließlich auch Konstanz erreicht, lässt sich Caroline dazu überreden, doch noch länger zu bleiben, bis alles wieder unter Kontrolle ist. Sie wird sogar Mitglied des Klinikkrisenstabs. Dabei dämmert es ihr und dem Rest der Belegschaft, dass die Geschichte jetzt erst richtig los geht. Während die Lage nicht nur in ihrem Krankenhaus eskaliert, türmen sich auch privat die Probleme. Ihr Mann Stefan (Marcus Mittermeier), der als Musiker arbeitet, hat plötzlich kein Einkommen mehr, Tochter Luzy (Lilly Barshy) und Sohn Tim (Jona Eisenblätter) können nicht mehr in die Schule. Dafür wettert Nachbar Karlheinz Schwarz (Klaus Pohl) gegen die für ihn völlig überflüssigen Maßnahmen und die Panikmache …

Erinnerung an den Anfangsschrecken

Eigentlich dürften die meisten gedacht haben, dass die Corona-Pandemie mittlerweile Geschichte ist. Schließlich waren die Infektionszahlen nach unten gegangen, die Impfstoffproduktion lief auf Hochtouren, das Ende des Schreckens war absehbar. Da durfte man sich schon fragen, wie sinnvoll es noch ist, Die Welt steht still auszustrahlen, der an die dunkelsten Momente dieser weltweiten Krise erinnert. Nicht wenige wären froh, nach anderthalb Jahren Dauerbeschallung endlich mal etwas Ruhe zu bekommen. Doch dann eskalierte die Situation – mal wieder –, schlimmer, als es selbst die größten Pessimisten vorhergesagt hatten. Und plötzlich ist das ZDF-Drama, welches nicht mehr als ein Zeitdokument war, wieder so aktuell, dass einem angst und bange werden kann.

Natürlich ist Die Welt steht still nicht das erste Mal, dass in einem Film oder einer Serie diese besondere Zeit thematisiert wurde. Da waren bereits die unterschiedlichsten Versuche, ein Thema einzufangen, das alle kennen und doch irgendwie zu groß ist. Von der katastrophalen „Komödie“ 8 Rue de l’Humanité bis zur brillant-herzerweichenden Sonderfolge in Mythic Quest ist da alles Mögliche dabei. Während diese aber meistens einen bestimmten Moment herauspickten und diesen zu beschreiben versuchten, da ist der deutsche TV-Film an einer Art Chronologie interessiert. So beginnt die Geschichte, als Corona nur eine in Auslandsnachrichten erwähnte Randnotiz ist, begleitet die Figuren während der Anfangsphase, bis auf einmal alles explodiert.

Hastig und schmerzhaft

Das ist mit einem extrem hohen Tempo verbunden. Innerhalb weniger Minuten vor dem Fernseher wird in Die Welt steht still alles auf den Kopf gestellt, wieder und wieder. Das ist vermutlich kaum zu vermeiden, lässt das übliche TV-Format von anderthalb Stunden keine längeren Entwicklungsphasen zu. Wenn ein Fernsehabend die Ereignisse von Wochen zusammenfassen muss, bleibt zwangsläufig einiges auf der Strecke. Zudem blieb Drehbuchautorin Dorothee Schön (Tatort: Herz aus Eis) trotz intensiver Recherchearbeit immer wieder notgedrungen schematisch. Gerade bei den Figuren blieb nur wenig Raum. Nachbar Stefan wird beispielsweise darauf reduziert, ein Corona-Leugner zu sein. Sonst erfährt man nichts über ihn. Selbst innerhalb der Familie wird mit Platzhaltern gearbeitet. An diesen Stellen ist der Film nur wenig befriedigend.

Gleichzeitig gelingt es Regisseur Anno Saul (Der Masuren-Krimi), dieses Gefühl wieder in Erinnerung zu rufen, völlig von den Ereignissen überrannt zu werden. Die Welt steht still zeigt exemplarisch, wie es war, als auf einmal alles anders wurde. Wir vieles verloren, was wir für selbstverständlich nahmen, von dem Besuch der Eltern bis zur eigenen Arbeit. Gerade im weiteren Verlauf geht einem das Drama dann auch tatsächlich nahe, wenn die Stakkato-Informationsmaschine den persönlicheren Momenten Platz macht. Wenn es nicht nur darum geht, die Chronologie abzuarbeiten, sondern die Einzelschicksale zu erzählen, die in den Zahlenstatistiken oft verlorengehen. Gerade die vielen Begegnungen mit schwerer Krankheit und natürlich dem Tod, der überall lauern kann, sorgen dafür, dass man die Pandemie noch ein wenig stärker in sich spürt – ob man das nun will oder nicht.

Credits

OT: „Die Welt steht still“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Anno Saul
Drehbuch: Dorothee Schön
Musik: Jessica de Rooij
Kamera: Martin L. Ludwig
Besetzung: Natalia Wörner, Marcus Mittermeier, Klaus Pohl, Lena Stolze, Lilly Barshy, Jona Eisenblätter, Bettina Stucky

Bilder

Interview

Wie hat sie selbst die Zeit der Corona-Pandemie erlebt? Und was wird uns von dieser bleiben? Diese und weitere Fragen haben wir Hauptdarstellerin Natalia Wörner in unserem Interview zu Die Welt steht still gestellt.

Natalia Wörner [Interview]

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„Die Welt steht still“ erzählt anhand einer Krankenhausärztin, wie die Welt von der Corona-Pandemie überrascht und überrannt wurde. Das ist gerade zu Beginn sehr hektisch und bleibt ziemlich schematisch, speziell bei der Figurenzeichnung. Später häufen sich jedoch die Szenen, die tatsächlich nahegehen und einen mit den Schmerzen dieser Zeit konfrontieren.
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