Inhalt / Kritik

Mythic Quest Raven's Banquet

„Mythic Quest: Raven’s Banquet“ // Deutschland-Start: 7. Februar 2020 (Apple TV+)

Das Computerspiel „Mythic Quest“ erfreut sich weltweit großer Beliebtheit. Und damit die Fans auch weiterhin dem Online-Rollenspiel treu bleiben, soll ein neues Expansion Set namens „Raven’s Banquet“ für frische Impulse sorgen. Monate lang hat das Team an diesem gearbeitet, der Erscheinungstermin rückt unaufhaltsam näher. Da kann es solchen Ärger eigentlich so gar nicht gebrauchen: Creative Director Ian Grimm (Rob McElhenney) kann mit dem Vorschlag der Hauptprogrammiererin Poppy Li (Charlotte Nicdao) wenig anfangen, eine Schaufel ins Spiel einzubauen. Als sich dann auch noch Brad Bakshi (Danny Pudi), der für die Monetarisierung des Spiels zuständig ist, und der für die Geschichte verantwortliche C.W. Longbottom (F. Murray Abraham) einmischen, ist das Chaos perfekt und der ausführende Produzent David Brittlesbee (David Hornsby) hat alle Hände voll zu tun, das Team noch irgendwie zusammenzuhalten …

Die Arbeit als Ort der Komik

Auch wenn es uns nicht immer gefällt, ein Großteil unseres Lebens ist von der Arbeit bestimmt. Die meisten verbringen mehrere Stunden am Tag damit, stecken in Büros oder anderen Plätzen fest, müssen sich mit unsinnigen Aufgaben, launischen Chefs und nicht immer sehr kollegialen Teams herumplagen. Kein Wunder also, dass es so viele Serien gibt, die sich dieses Themas auf sehr humorvolle Weise annehmen. Die alltäglichen Probleme zu nehmen und auf eine überspitzte Weise zu beschreiben, das spricht dem Publikum aus dem Herzen, das so sehen darf: Woanders ist es genauso chaotisch. Ein Selbstläufer sind solche Serien rund um komische Arbeitsabläufe aber nicht, wie The Crew – Staffel 1 oder Space Force zeigten, die trotz ungewöhnlicher Settings nicht wirklich zündeten.

Deutlich besser klappt das bei der Apple TV+ Produktion Mythic Quest. Auch hier wird ein Arbeitsumfeld vorgestellt, das nicht ganz alltäglich ist, wenn wir hinter die Kulissen eines Herstellers von Computerspielen blicken. Es gelingt aber dem Kreativteam aus Charlie Day, Rob McElhenney und Megan Ganz, die schon beim Dauerbrenner It’s Always Sunny In Philadelphia zusammenarbeiteten, deutlich besser, das Gewöhnliche und das Besondere zusammenzuführen – und damit jede Menge Spaß zu haben. Hier ist zwar vieles gnadenlos überzogen. Und doch kommt es einem sehr viel bekannter vor, als einem lieb ist, wenn ständig die Figuren aneinandergeraten und selbst kleinste Banalitäten zu einem großen Drama werden.

Der Kampf der übergroßen Egos

Das hängt maßgeblich mit den Figuren zusammen, welche zu einem Großteil überzeichnet sind. Ob es nun der selbstverliebte Ian ist, der weltfremde Langzeitautor C.W. oder auch der zynische Brad, den bei allen Entscheidungen nur das finanzielle Potenzial interessiert: Da sind bei Mythic Quest schon recht große Egos auf kleinem Raum verteilt. Schön dabei ist, dass es hier auch an unterhaltsamen Frauenfiguren nicht mangelt, obwohl der Bereich der Computerspiele eine traditionelle Männerdomäne ist. Wenn mit Poppy ausgerechnet die Programmierspitze weiblich ist, mit den Game Testerinnen Rachel (Ashly Burch) und Dana (Imani Hakim) die leidenschaftlichsten Zocker tatsächlich Zockerinnen sind, dann ist das eine bewusste Umkehrung der Klischees.

Dabei ist man bei Mythic Quest nicht den Klischees als solchen abgeneigt. Man spielt nur gerne mit ihnen, macht sich auch schon mal über sie lustig. Die können innerhalb des Computerspieluniversum stattfinden, etwa in Form des bewusst unerträglichen Streamers Pootie Shoe (Elisha Henig), der hofiert werden muss, um an dessen Fans ranzukommen. Gleichzeitig lässt man den Blick etwas schweifen und baut die Welt da draußen ein. Da geht es um das Ringen mit politischer Korrektheit, um die Position von Frauen, um rechte, hasserfüllte Gruppen im Internet. Und auch um ganz universelle Fragen, wenn beispielsweise künstlerische Selbstverwirklichung auf wirtschaftliche Notwendigkeiten trifft.

Viel Lachen, ein bisschen Weinen

Das ist meistens komisch, wenn sich mal wieder jemand lächerlich macht oder es kräftig knallt. Wenn erneut jemand an dem beruflichen und persönlichen Chaos in der Firma verzweifelt. Dann und wann kann es aber auch zu Herzen gehen. Die größtenteils völlig losgelöste fünfte Episode um ein früheres Spieldesigner-Paar oder auch die nachträglich hinzugefügte Spezialfolge Quarantine zeigen das Menschliche hinter dem Schrillen, Absurden und Fantastischen. Selbst wenn die Serie im Laufe der Episoden manchen Gag mehrfach verwendet: Es macht einfach Spaß, Teil dieses kaputten Haufens zu sein, der die unglaublichsten Welten erschafft und dabei doch oft mit den einfachsten Dingen überfordert ist.

Credits

OT: „Mythic Quest: Raven’s Banquet“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: David Gordon Green, Todd Biermann, Rob McElhenney, LP, Pete Chatmon, Catriona McKenzie
Drehbuch: Charlie Day, Megan Ganz, Rob McElhenney, David Hornsby, John Howell Harris, Katie McElhenney, Aparna Nancherla, Ashly Burch
Idee: Charlie Day, Megan Ganz, Rob McElhenney
Musik: Fernando Velázquez
Kamera: Xavi Giménez
Besetzung: Rob McElhenney, Charlotte Nicdao, David Hornsby, Danny Pudi, Jessie Ennis, F. Murray Abraham, Ashly Burch, Imani Hakim, Elisha Henig, Naomi Ekperigin, Caitlin McGee

Bilder

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Mythic Quest – Staffel 1
Wer sich die Arbeit an Computerspielen immer als Traumjob vorgestellt hat, der wird hier eines Besseren gelehrt. „Mythic Quest“ ist eine unterhaltsame Serie rund um ein Chaosteam, das an einem Online-Rollenspiel werkelt und gleichzeitig oft mit der realen Welt überfordert ist. Das ist meistens sehr spaßig, besonders wegen der überzeichneten Figuren, geht zwischendurch aber auch richtig zu Herzen.
7von 10

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