The House at Night

The House at Night

Inhalt / Kritik

The House at Night
„The House at Night“ // Deutschland-Start: 27. Oktober 2021 (Video on Demand)

Für Beth (Rebecca Hall) bricht eine Welt zusammen, als ihr Mann Owen (Evan Jonigkeit) sich aus heiterem Himmel das Leben nimmt. Und so verbringt sie die Nächte damit, sich zu betrinken und nach einer Antwort zu suchen, weshalb er das getan haben könnte. Denn alles, was ihr bleibt, ist diese seltsame Nachricht, die er ihr hinterlassen hat und aus der sie nicht ganz schlau wird. Aber der Selbstmord ist bald nicht alles, was sie umtreibt. So hat sie immer wieder furchterregende Visionen und leidet plötzlich an Alpträumen. Als sie auch noch Fotos fremder Frauen auf Owens Handy findet, ist sich Beth sicher, dass er eine Affäre hatte. Aber was hat es mit dem eigenartigen Plan auf sich, den sich von dem Haus gefunden hat? Und wieso fühlt sie, dass da noch jemand anderes in dem Haus wohnt?

Der Schrecken von Präsenz und Abwesenheit

Erinnerungen können eine mächtige Präsenz entwickeln, vor allem solche an Menschen, die uns etwas bedeuten. Diese müssen nicht einmal da sein, um da zu sein. Sie begleiten uns, wohin wir auch gehen – manchmal über den Tod hinaus. Diese Erfahrung macht auch Beth in The House at Night, wenn der Selbstmord ihres Mannes sie völlig aus der Bahn wirft. Sie ist gefangen in dem Haus, das er für sie beide gebaut hat. Gefangen in den Gefühlen für ihn, die auf einmal ins Leere laufen. Denn da ist niemand mehr. Der Mensch, an dessen Seite sie so viele Jahre verbracht hat, ist plötzlich weg. Und doch ist er es nicht wirklich, lebt fort in dem gemeinsamen Zuhause, in den Bildern, in vergangenen Gesprächen. Der Film arbeitet sehr stark mit diesem Gegensatz von Präsenz und Abwesenheit, mit der Widersprüchlichkeit, dass beides gleichzeitig vorherrscht.

Daraus hätte man natürlich ein reguläres Trauerdrama machen können, so wie es viele andere zuvor getan haben. Stattdessen handelt es sich bei The House at Night jedoch um einen Horrorfilm. Das Psychologische und das Furchterregende passen grundsätzlich natürlich gut zusammen. Das Genre lebt schließlich von subjektiven Wahrnehmungen, verbunden oft mit der Frage, was real ist und was eingebildet. Es gab in der Hinsicht in der letzten Jahre auch diverse empfehlenswerte Beispiele, etwa Der Babadook oder auch Relic – Dunkles Vermächtnis. In allen Fällen wurden Haunted-House-Elemente mit einem stärkeren Fokus auf die Figuren verbunden. So stark, dass die unheimlichen Bedrohungen zuweilen in den Hintergrund rücken und es mehr darum geht zu zeigen, wie es den Menschen in ihrer jeweiligen Situation ergeht.

Der Wahn der Ungewissheit

Das bedeutet nicht, dass man bei The House at Night völlig auf klassischen Horror verzichten muss. Da gibt es den einen oder anderen Jump Scare. Hinzu kommen immer wieder gern in diesem Bereich verwendete Tricks. Mal schalten sich mitten in der Nacht wie von Geisterhand Geräte an. Dann gibt es da Fußspuren, die dort nichts zu suchen haben. Zumindest anfangs sieht es dann auch so aus, als hätte Regisseur David Bruckner (The Ritual) hier einen zwar routinierten, jedoch nicht übermäßig interessanten Grusler vorgelegt. Etwas, das man sich sicher ganz gut anschauen kann, das im Anschluss aber schnell wieder vergessen ist. Denn da wartet schon das nächste Haus, in dem der Boden knarrt und rätselhafte Dinge geschehen.

Was den Film von Anfang an auszeichnet, ist dabei jedoch die Darstellung von Rebecca Hall (The Awakening – Geister der Vergangenheit). Die Britin brilliert als von Trauer zerfressene Witwe, die einerseits völlig die Kontrolle verliert, gleichzeitig aber auch Stärke beweist. Sie will sich nicht unterkriegen lassen, sondern sucht geradezu manisch nach Antworten. Der Selbstmord hat sie nicht nur der Liebe ihres Lebens beraubt, sondern auch vieler Gewissheiten. Wer war Owen wirklich? Kannte sie den Mann, mit dem sie so viele Jahre verbracht hat? The House at Night betont an der Stelle den Mystery-Aspekt, wenn sich Beth nicht mit der einfachsten Antwort zufriedengeben will. Sie will es ganz genau wissen, selbst wenn sie das am Ende selbst umbringt.

Zwischen Klischee und Überraschung

Der Horrorfilm, der auf dem Sundance Film Festival 2020 Premiere feierte, ist dabei nicht so leicht zu durchschauen, wie man anfangs meinen könnte. Das Drehbuch greift durchaus auf Klischees zurück, macht daraus dann aber etwas Eigenes. Schon früh gibt es kleine Irritationen, die sich nicht ganz erklären lassen. Und je weiter die Geschichte voranschreitet, umso mehr Erwartungen werden unterwandert. Vor allem zum Ende hin ist The House at Night überraschend clever – und zugleich absolut verstörend. Es gelingt dem Film an dieser Stelle tatsächlich, Tragik und Schrecken miteinander zu verbinden, erzählt von Trauma, Opferbereitschaft und der Angst vor dem Nichts. Auch wenn das Finale ein bisschen hastig ist, so ist das hier doch ein schöner Geheimtipp, dessen Beschäftigung mit dem Tod einem durch Mark und Bein geht.

Credits

OT: „The Night House“
Land: USA, UK
Jahr: 2020
Regie: David Bruckner
Drehbuch: Ben Collins, Luke Piotrowski
Musik: Ben Lovett
Kamera: Elisha Christian
Besetzung: Rebecca Hall, Sarah Goldberg, Evan Jonigkeit, Stacy Martin, Vondie Curtis-Hall

Bilder

Trailer

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Wenn in „The House at Night“ eine Frau nach dem Selbstmord ihres Mannes unheimliche Beobachtungen macht, dann verbindet der Film Haunted House Horror mit persönlichem Trauma. Das wirkt anfangs noch etwas konventionell, ist aber stark gespielt. Später geht die Geschichte zudem in eine unerwartete Richtung, ist ebenso ungewöhnlich wie verstörend.
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