Gregor Schnitzler hat nach vielen Arbeiten für Film und Fernsehen sowie Ausflügen in unterschiedlichste Genres seinen ersten Kinderfilm vorgelegt. Die Schule der magischen Tiere basiert auf der gleichnamigen Kinderbuchreihe von Autorin Margit Auer, von der allein in Deutschland bislang sieben Millionen Exemplare verkauft wurden. Die Inszenierung ist eine schwungvolle Kombination aus Real- und Trickfilm. Die Kinder um die drei Hauptfiguren Ida, Benni und Jo werden von jungen Schauspielerinnen und Schauspielern verkörpert. Die Tiere hingegen sind am Computer entworfen. Im fertigen Film sieht es trotzdem so aus, als würden sie „live“ am Set mit den jungen Leuten interagieren. Wir sprachen wenige Stunden vor der feierlichen Premiere am 10. Oktober (wenige Tage vor dem allgemeinen Filmstart am 14. Oktober) mit dem Regisseur über die Liebe seiner jüngeren Tochter zu der Buchreihe, über die Herausforderungen beim Dreh und über die Dankbarkeit, für ein junges Publikum arbeiten zu dürfen.

Die Schule der magischen Tiere ist Ihr erster Kinderfilm. Was hat Sie daran gereizt, dieses Genre auszuprobieren?

Ich habe zwei Töchter und die kleinere von beiden hatte damals angefangen, ein Buch aus der gleichnamigen Reihe von Bestsellerautorin Margit Auer zu lesen. Meine Kleine war sieben Jahre alt und hat mich gebeten, daraus vorzulesen. Im Endeffekt habe ich ihr die ganze Reihe vorgelesen und war außerordentlich begeistert. Es war ein großer Traum von mir, einen Film zu realisieren für meine Kinder und zugleich für eine der tollsten Zuschauergruppen, die es gibt, nämlich das junge Publikum. Es ist so dankbar, für Kinder einen Film zu machen. Wenn er schlecht ist, dann strafen sie ihn natürlich ab. Aber wenn du ihnen etwas fürs Herz gibst und für Spannung sorgst, dann beglücken sie den Regisseur extrem. Beim Drehen und bei der Vorbereitung habe ich außerdem gemerkt, dass das unglaublich viel Spaß bereitet. Wenn man dann noch eine Buchvorlage hat wie Die Schule der magischen Tiere mit all den animierten Tierfiguren, dann gibt es nichts Schöneres als einen Kinderfilm. Ich habe schon öfter mit Kindern gearbeitet und wusste im Vorfeld, dass ich damit klarkomme und wie ich etwas aus Kindern hervorlocke, das gut wird.

Haben Ihre Töchter den Film schon gesehen?

Es ist natürlich immer ein langer Prozess, bis ein Film letztlich herauskommt. Meine große Tochter ist jetzt 17 und meine kleine 12. Die Große kommt auch zur Premiere und die Kleine ist total aufgeregt. Es gibt Songs in dem Film, die werden bei uns zu Hause rauf und runter gesungen.

Sehen die Töchter ihn also zur Premiere das erste Mal?

Nein, so kann man das nicht sagen. Meine Kleine war so interessiert, die schaute mir immer über die Schulter, als ich die Teaser animiert habe. Außerdem habe ich meinen Töchtern Ausschnitte gezeigt und gefragt, wie sie es finden und ob sie Kritik haben oder etwas nicht verstehen. Die Kleine ist auf alle Fälle durch verschiedene Phasen des Films gegangen. Vor allem war es so, dass ich in der Corona-Zeit von zu Hause aus sehr viel mit den Animateuren telefoniert und über Bildschirm kommuniziert und korrigiert habe. Da war die Kleine oft dabei und hat ganz viel gesehen. Eigentlich hing sie immer über meinen Schultern.

Haben die Anmerkungen Ihrer kleinen Tochter auch zu Korrekturen geführt?

Erstaunlicherweise fand sie alles gut. Aber die Produzentin Meike Kordes hat auch eine kleine Tochter, die einbezogen wurde. Zusätzlich wurde in einem Hort in der Nähe ab und zu etwas gezeigt. Da wurde ebenfalls überprüft, ob diesen Kindern etwa die animierte Gestalt des Fuchses gefiel oder die Schildkröte. Oder wie die Songs ankamen. Wir haben immer wieder versucht, bei Kindern abzurufen, ob wir uns auf dem richtigen Weg befinden.

Die Schule der magischen Tiere

Szenenbild aus „Die Schule der magischen Tiere“ (© Leonine)

Wenn man mit Kindern dreht, gibt es strenge Vorschriften, was etwa die Drehzeit pro Tag betrifft. Kam es vor, dass Sie mitten in einer Szene waren und noch ein paar Takes aufnehmen wollten, das dann aber auf den nächsten Tag verschieben mussten?

Das wäre toll gewesen, wenn wir am nächsten Tag bei einer bestimmten Szene noch hätten weitermachen können. Aber leider ist es in Deutschland so, dass die Drehpläne aus Finanzgründen eingehalten werden müssen. Dadurch gab es oft zeitlich enge Situationen, in denen ich mit bestimmten Kompromissen leben musste. Da ging es wirklich um Sekunden. Tatsächlich steht da jemand mit einer Stoppuhr und sagt Schluss. Es gibt strenge Gesetze und wenn du die nicht einhältst, kannst du den Film nicht weiterdrehen. Das Team hinter der Kamera musste sich deshalb sehr konzentrieren und zusammenreißen, damit wir in denjenigen Zeiten, in denen wir die Kinder vor der Kamera hatten, wirklich fokussiert durcharbeiten konnten. Gleichzeitig durfte der ganze Stress hinter der Kamera niemals sichtbar oder fühlbar sein für die Kinder. Denn wodurch Kinder wirklich eingeschüchtert werden, ist, wenn man ihnen zu viel Stress und Angst macht. Die Stimmung musste immer locker-flockig sein. Ich erinnere mich an eine Situation, wo ich die Kamera gar nicht mehr ausgeschaltet und die verschiedenen Takes in einem gedreht habe. Einfach nur, um die Zeit zu sparen, die man braucht, wenn man einen Take beendet und dann neu ansetzt und sagen muss: Einstellung soundso viel, die soundso vielte. Dadurch gewinnt man eineinhalb Minuten, die man braucht, um eine Einstellung wieder drehfertig zu machen.

Für Ihre drei jungen Hauptdarsteller Emilia Maier, Leonard Conrads und Loris Sichrovsky war es der erste Film. Warum haben Sie sich für sie entschieden und nicht auf erfahrenere Kinderdarsteller gesetzt?

Es ging darum, die genau Richtigen zu finden. Ich habe mit der Kindercasterin Jacqueline Rietz ein deutschlandweites Casting organisiert. Über 3500 Kinder haben sich mit Videos beworben. In vier, fünf Städten gab es die ersten Castings und dann noch einmal eine Auswahl mit einem engeren Kreis. Für mich war es wichtig, neue Gesichter zu finden. Ich habe auch niemand Erfahrenen aus meinem Umfeld gekannt, der direkt in Frage gekommen wäre. Sie sollten ja elf Jahre alt sein, also noch nicht pubertär, sondern noch Kinder, aber nicht zu jung, sodass ein Zehnjähriger auch noch gern ins Kino geht. Dadurch war klar, dass wir die jungen Darsteller suchen mussten. Tatsächlich haben wir auch ein paar Erfahrenere in die Castings eingeladen, aber sie waren nicht so gut wie die, die wir am Ende gefunden haben.

Haben Sie vor, noch weitere Kinderfilme zu drehen oder sind ihre nächsten Projekte wieder an Erwachsene gerichtet?

Im Moment bin ich an etwas ganz anderem dran, nämlich an einem Thriller. Aber Kinderfilme würde ich nach diesen Erfahrungen auf alle Fälle wieder drehen. Es macht wirklich Spaß, mit Kindern und für Kinder zu arbeiten. Denen kannst du noch etwas geben fürs Leben, was bei Erwachsenen schwieriger ist. Kinder sind einfach offen. Bei Erwachsenen musst du differenziert ein bestimmtes Thema herausarbeiten. Kinder kannst du für ein Abenteuer oder etwas Lustiges oder Trauriges begeistern und sie darüber mitnehmen zu unterschiedlichen Themen. Ich weiß das ja selbst, wenn ich daran denke, welche Kinderfilme ich als Kind gemocht habe. Selbst wenn ich heute mit meinen Kindern ins Kino gehe, gibt es welche, von denen ich sage, die würde ich am liebsten gleich nochmal schauen.

Wenn also das richtige Angebot kommt, sind Sie wieder dabei?

Ja, unbedingt.

Zur Person
Gregor Schnitzler wurde 1964 in Berlin geboren. Er studierte Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften an der dortigen Hochschule der Künste. Es folgten einige Jahre als Standfotograf und zahlreiche Musikvideos und Werbespots, für die er als Regisseur verantwortlich zeichnete. Sein erster großer Kinofilm war Was tun, wenn’s brennt?, der im Jahr 2001 den Publikumspreis auf dem Kinofest Lünen gewann. Mit Soloalbum folgte 2003 die Verfilmung von Benjamin von Stuckrad-Barres Kultroman. 2006 adaptierte Schnitzler einen weiteren Roman: Die Wolke (Vorlage: Gudrun Pausewang) erhielt im Folgejahr den Bayerischen Filmpreis für den besten Jugendfilm.



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