Inhalt / Kritik

„Fleabag“ // Deutschland-Start: 17. Mai 2019 (Amazon Prime Video) // 17. September 2021 (DVD/Blu-ray)

Fast ein Jahr nach den Ereignissen, die dazu führten, dass sie sich mit ihrer Schwester zerstritt und fast mit ihrem Vater brach, versucht Fleabag (Phoebe Waller-Bridge) einen erneuten Anlauf, mit dem Rest ihrer Familie Frieden zu schließen. Während eines gemeinsamen Dinners in einem Restaurant erzählen ihr Vater (Bill Paterson) und seine Geliebte (Olivia Colman), ihre Patentante und Künstlerin, von der Ausstellung, mit der sie bis nach Japan reisten. Besonders ihrer Schwester Claire (Sian Clifford) versucht Fleabag wieder etwas näherzukommen, doch all ihrer Versuche werden von deren Mann Martin (Brett Gelman), der nach wie vor auf Rache aus ist, hätte Fleabag doch beinahe seine Ehe zerstört, zunichtegemacht. Darüber hinaus jedoch scheint sie abgelenkt von der Anwesenheit eines Priesters (Andrew Scott) zu sein, der die bald anstehende Trauung ihrs Vaters mit ihrer Patentante vollziehen soll. Dieser scheint nicht nur sehr schlagfertig und witzig zu sein, sondern auch genau jener Typ Mann, der Fleabag besonders anzieht, auch wenn sie sich nach ihren schmerzlichen Erfahrungen vor einem Jahr geschworen hat, nie mehr eine Affäre anzufangen. Dennoch kommen die beiden sich immer näher, sodass Fleabag bald schon keinen Sonntag mehr verpasst und an den Worten des Geistlichen hängt, der ihr zunächst eine Freundschaft anbietet, doch seine Gefühle für die junge Frau auch nicht mehr länger verbergen kann.

Während in ihrem Gefühlsleben wieder Chaos herrscht, läuft Fleabags Café, dank des Bankkredits, wieder sehr gut und kann sich einer großen Kundschaft erfreuen. Zudem bringt sie anstehende Hochzeit ihres Vaters sie mit ihrer Schwester zusammen, die, nach einer persönlichen Tragödie, auch an ihrer eigenen Beziehung zweifelt, wobei Fleabag zu allen Überfluss bemerkt, wie Claire sich zu einem finnischen Kollegen hingezogen fühlt, der die Sympathien ihrer Schwester zu erwidern scheint. Doch bevor sich Fleabag in die Beziehungen anderer Menschen einmischt, muss sie auch ihre eigenen Gefühle in den Griff kriegen, ihre Leben in eine solide Bahn lenken und vor allem jemanden finden, mit dem sie sich austauschen kann, wie einst mit ihrer besten Freundin, mit der sie das Café gründete.

Ein guter Freund

Was als ein dramatischer Monolog auf dem Edinburgh Fringe Festival 2013 begann, entpuppte sich für Schauspielerin Phoebe Waller-Bridge, die bis dato vor allem durch kleine Rollen in Produktionen wie Albert Nobbs (2011) und Die eiserne Lady (2011) aufgefallen, war, als wahrer Glücksgriff. Neben großem kritischen wie auch kommerziellen Erfolg, wurden die Macher sowie die Besetzung mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter alleine zahlreiche Ehrungen für Waller-Bridge, für ihre Darstellung der Fleabag wie auch als Autorin und Produzentin der Serie. Von daher dauerte es nicht lange, bis die Produzenten wegen einer zweiten Serie anfragten, was nicht unbedingt eine leichte Aufgabe war, bedenkt man wie die erste Staffel ausging.

Eine der größten Herausforderungen, nach Waller-Bridge, war es Fleabag wieder dazu zu bekommen, in die Kamera zu sprechen, als an jenen Ursprung der Geschichte anzuknüpfen, welcher bekanntermaßen auf der Bühne war. Dabei setzt die zweite Staffel nicht nur einige Zeit nach den Ereignissen der ersten Staffel ein, sondern wir begegnen zudem der Protagonistin, die sich etwas gefasst hat, auf dem Weg zu einer Verwandlung ist, deren Ergebnis sich aber noch lange nicht abzeichnet und für deren Erfolg insbesondere eine menschliche Verbindung, zu ihrer Familie oder eine Freundschaft, eine tragende Rolle spielen kann. Waller-Bridge spielt Fleabag als eine Frau, die noch immer an den Wunden der Vergangenheit nagt, aber gewillt ist, sich einem neuen Abschnitt in ihrem Leben zu widmen, wobei ihr abermals ihre große Klappe und ihr Humor zur Hilfe kommt. Ihre Schwächen und ihre Sünden haben diese Frau dem Zuschauer noch näher gebracht, was den gelegentlichen, im Verlaufe der Handlung etwas zwanghaft wirkenden Bruch der vierten Wand erklärt, wobei über die sechs Folgen der zweiten Staffel auch dieser Tick der Protagonistin auf sehr interessante Weise thematisiert wird.

„Der Impuls ist immer noch da.“

Doch es ist nicht nur Waller-Bridge, die in der zweiten Staffel von Fleabag zu überzeugen weiß, sondern auch der Rest der Besetzung, welche mit dem aus Sherlock bekannten Andrew Scott eine interessante Ergänzung erhält. Scott spielt einen Gottesmann, der ebenfalls nicht auf den Mund gefallen ist und den mit der Protagonistin eine besondere Freundschaft verbindet, eine Möglichkeit der Orientierung und des Halts, den sich Fleabag insgeheim wünscht. Dieses Thema nimmt mehr und mehr eine zentrale Rolle innerhalb der Serie ein und dominiert letztlich auch die zahlreichen Nebenhandlungen, von denen Fleabags angeschlagene Beziehung zu ihrer Schwester Claire wohl die interessanteste Baustelle der Protagonistin ist, und zudem mit Abstand den größten Unterhaltungsfaktor bietet.

Fans der ersten Staffel dürfen sich also wieder über geschliffene Dialoge freuen, reich an Wortwitz und Anspielungen, bei denen an Sarkasmus und trockenem Humor nicht gespart wird. Auch Themen wie Feminismus und die Rolle von Frauen in der Arbeitswelt werden aufgegriffen und mit der für Fleabag typischen Mischung aus Ironie und nüchternem Realismus abhandelt, sodass neben dem Unterhaltungsfaktor man sich wieder einmal sehr oft mit der Wirklichkeit konfrontiert sieht sowie mit dem Konflikt vieler Frauen zwischen eigenem Anspruch und gesellschaftlichen Vorgaben.

Credits

OT: „Fleabag“
Land: UK
Jahr: 2019
Regie: Harry Bradbeer
Drehbuch: Phoebe Waller-Bridge
Musik: Isobel Waller-Bridge
Kamera: Tony Miller
Besetzung: Phoebe Waller-Bridge, Sian Clifford, Olivia Colman, Bill Paterson, Andrew Scott, Brett Gelman

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Fleabag – Staffel 2
"Fleabag" ist auch in der zweiten Runde ein ganz großer Wurf. Schauspielerisch wie auch inszenatorisch überzeugend, witzig und mit vielen tollen Momenten gehören die beiden Staffeln dieser Serie zu dem besten, was die übersättigte Serienwelt der 2010er Jahre zustande gebracht hat und dürfen daher im Regal eines Serienjunkies nicht fehlen.
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