Black Beach
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Black Beach

Inhalt / Kritik

Black Beach
„Black Beach“ // Deutschland-Start: 22. Juli 2021 (DVD/Blu-ray)

Eigentlich träumt Carlos (Raúl Arévalo) davon, endlich seine Traumstelle in New York zu bekommen, auf die er schon länger hin arbeitet. Doch bevor es so weit ist, muss er im Auftrag seiner Ölfirma noch einen heiklen Job erledigen. So wird er nach Afrika geschickt, um dort die Freilassung eines Ingenieurs zu erwirken, der von Terroristen entführt wurde. Was genau diese von ihm wollen, ist ihm nicht ganz klar, Forderungen wurde keine gestellt. Aber vielleicht hat ja die Frau des Terroristen eine Antwort darauf. Nur sitzt die im berüchtigten Gefängnis Black Beach. Und so sehr er sich darum bemüht, ein Treffen mit ihr zu arrangieren, niemand scheint viel daran gelegen zu sein. Aus gutem Grund, wie er bald feststellen muss, denn an der Geschichte ist noch deutlich mehr dran …

Wer ist hier der Held?

Ein bisschen unangenehm ist die Anfangssituation ja schon: Ein weißer Spezialist wird nach Afrika geschickt, um dort eine Situation zu lösen, mit der vor Ort alle überfordert sind. Das klingt schon sehr nach dem White-Savior-Syndrom, demzufolge andere Länder immer auf Weiße angewiesen sind, weil sie das selbst nicht auf die Reihe bekommen. Ganz so schlimm wird es bei Black Beach dann aber doch nicht. Das hat zum einen mit der Hauptfigur zu tun, die zunächst nicht übermäßig heldenhaft auftritt. Zudem stellt sich heraus, dass die Situation ohnehin eigentlich ganz anders ist. Die Guten sind in dem spanischen Thriller nicht immer die Guten, die Bösen nicht immer die Bösen. Selbst bei überparteilichen Organisationen ist das teilweise etwas fragwürdig.

Das ist natürlich kein komplett neues Szenario, welches Regisseur und Co-Autor Esteban Crespo da entwirft. Eigentlich ist sein Black Beach ein typischer Politik- und Verschwörungsthriller, bei dem der Protagonist feststellen muss, wie verkommen und korrupt das alles ist. Selbst die Leute, die einem beistehen sollten, haben anderweitige Interessen. Man kann sich an der Stelle darüber streiten, ob der Schauplatz Afrika für einen solchen allgegenwärtigen Abgrund nicht Klischees bedient, wonach jeder, der dort etwas zu sagen hat, in die eigene Tasche wirtschaftet. Auffallend ist dabei, wie vage der Film bei der geografischen Verortung bleibt. Bis zum Schluss lässt er offen, wo genau er eigentlich spielen soll.

Typischer Kampf für die Wahrheit

So richtig hoch sollten die Erwartungen an den geopolitischen Aspekt dann auch nicht sein. Black Beach begnügt sich vielmehr damit, einen skrupellosen Kapitalismus anzuprangern, der im Zweifelsfall über Leichen geht – wortwörtlich. Carlos selbst scheint dem zunächst ebenfalls nicht ganz abgeneigt zu sein. Doch je tiefer er in die Geschichte hineintaucht, umso größer werden seine Zweifel an dem, was er tut, und dem, was er will. Crespo erzählt also nicht nur davon, wie ein Mann gegen die Welt ankämpft, sondern auch, wie er dadurch zu einem besseren Menschen wird. Auch das ist nicht übermäßig tiefsinnig, immerhin aber gut gespielt. Raúl Arévalo (Die Warnung) überzeugt als Protagonist, der von einem selbstbezogenen Karrieretypen zum Vorkämpfer für andere wird.

Unterwegs muss er dafür natürlich eine Reihe brenzliger Situationen überstehen, die nicht nur sein Organisations- und Verhandlungsgeschick erfordern. Dass er diese irgendwie meistern wird, steht dabei natürlich außer Frage. Aber es gelingt doch dem Film, der immerhin für sechs Goya Awards im Rennen war, das Abklappern der Stationen spannend in Szene zu setzen. Black Beach bietet dabei – vom Setting vielleicht einmal abgesehen – sicherlich nichts, was man nicht von zahlreichen anderen Verschwörungsthrillern kennt und an das man sich im Anschluss zwingend erinnern müsste. Aber er erfüllt doch seinen Zweck und sorgt mit mehreren Wendungen und ein bisschen Paranoia für Kurzweil. Sofern man diese Art Filme mag, macht man hiermit deshalb nichts verkehrt.

Credits

OT: „Black Beach“
Land: Spanien
Jahr: 2020
Regie: Esteban Crespo
Drehbuch: Esteban Crespo, David Moreno
Musik: Arturo Cardelús
Kamera: Ángel Amorós
Besetzung: Raúl Arévalo, Paulina García, Candela Peña, Melina Matthews

Bilder

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In „Black Beach“ reist ein Europäer im Auftrag seines Unternehmens nach Afrika, um für die Freilassung eines Ingenieurs zu sagen, und muss dabei feststellen, dass die Geschichte irgendwie anders ist. Das Ergebnis ist ein solider Politik- und Verschwörungsthriller, der in mehrfacher Hinsicht ein bisschen vage und generisch bleibt und allenfalls für das Setting in Erinnerung bleibt.
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