Sous les étoiles de Paris Unter den Sternen von Paris
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Unter den Sternen von Paris

Inhalt / Kritik

Unter den Sternen von Paris
„Unter den Sternen von Paris“ // Deutschland-Start: 19. August 2021 (Kino) // 11. März 2022 (DVD)

Kontakt zu anderen Menschen hat Christines (Catherine Frot) eigentlich keinen mehr. Seit vielen Jahren lebt sie auf den Straßen von Paris umher, schläft nachts in einem kleinen Unterschlupf. Sie hatte sich damit auch arrangiert, bis sie eines Tages Suli (Mahamadou Yaffa) findet. Der Anblick des kleinen schwarzen Jungen, der da schluchzend auf einmal vor ihr steht, bewegt sie. Doch wer ist dieses Kind, das kein Wort Französisch spricht? Mit Mühe und Not findet sie heraus, dass er mit seiner Mutter aus Afrika geflohen ist, inzwischen aber von ihr getrennt wurde. Fest entschlossen, die beiden wieder zu vereinen, begibt sich Christine daraufhin auf eine Odyssee quer durch die Stadt, immer auf der Suche nach der Frau, die sie nur von einem Foto her kennt …

Über das Leben auf der Straße

Mit den Ausgestoßenen und Abgehängten dieser Welt kennt sich Claus Drexel aus. Zuletzt hatte der in Deutschland geborene, aber überwiegend in Frankreich tätige Regisseur und Autor in dem Dokumentarfilm America von den Menschen in einer abgelegenen Kleinstadt in Arizona während des US-Präsidentschaftswahlkampfes erzählt. Der vorangegangene Dokumentarfilm Au Bord du Monde war Obdachlosen in Paris gewidmet. Dieses Thema greift er in Unter den Sternen von Paris, seinem ersten Spielfilm seit vielen Jahren auf, wieder auf, symbolisiert durch Christine, die auf der Straße lebt. Der Filmemacher verbindet es jedoch mit einem zweiten, gesellschaftlich nicht minder schwierigen: die Flüchtlingskrise.

Das mag auf Anhieb ein bisschen erzwungen klingen. So als wollte da jemand unbedingt das ganz große Sozialdrama aus dem Boden stampfen, welches als allumfassendes Gesellschaftsporträt dient. Tatsächlich ist Unter den Sternen von Paris aber sehr viel kleiner. Außer den beiden Hauptfiguren gibt es in der Geschichte von Drexel, der gemeinsam mit Olivier Brunhes auch das Drehbuch geschrieben hat, kaum jemanden. Unterwegs begegnen sie zwar einer Reihe weiterer Menschen, vergleichbar zu einem Roadmovie. Die wenigsten davon sind jedoch von Bedeutung oder bleiben einem anderweitig nennenswert in Erinnerung. Dafür sind die Auftritte auch zu kurz, maximal wenige Minuten lang.

Mehr Bilder als Worte

Es ist nicht einmal so, dass diese Begegnungen übermäßig erwähnenswert wären. Ein Großteil des Films laufen Christine und Suli einfach nur umher, fragen nach der Mutter, zeigen das Bild herum und gehen dann doch weiter, ohne Erfolg. Das wird für einige sicherlich nicht genug sein. Vom Ende einmal abgesehen verzichtet Unter den Sternen von Paris auf große emotionale Momente, selbst wenn das aufgrund des Themas und der Konstellation eigentlich naheliegend gewesen wäre. An diesen Stellen wird dann doch deutlich, dass Drexel die Jahre zuvor im Dokumentarbereich unterwegs war. Er ist mehr ein Beobachter als ein Erzähler, lässt die Bilder für sich sprechen, anstatt viele Worte drumherum bauen zu müssen.

Zu zeigen hat er dabei auch einiges. Ob es nun die Straßen von Paris sind, die zu einem unfreiwilligen Zuhause für die beiden geworden ist, die widrigen Flüchtlingsunterkünfte, in denen die Leute unter menschenunwürdigen Bedingungen hausen, oder später der Flughafen, von dem aus die Flüchtlinge abgeschoben werden: An Schauplätzen mangelt es nicht. Drexel weiß auch, wie er diese zusammen mit seinem Kameramann Philippe Guilbert in Szene setzen kann. Manchmal vielleicht schon zu sehr in Szene: Unter den Sternen von Paris ist einerseits zwar sehr zurückhaltend, hat gleichzeitig aber auch eine leicht märchenhafte Anmutung. Für einen Film, der schon auf das reale Elend der Menschen hinweisen möchte, wirkt das nicht immer wirklich real.

Rührendes Plädoyer für mehr Mitmenschlichkeit

Die Mischung aus beidem ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, so als hätte man sich hier nicht ganz entscheiden können oder wollen, was das am Ende sein soll. Ebenfalls gewagt ist, wie Drexel völlig auf eine weitergehende Charakterisierung der beiden Figuren verzichtet. Nur vereinzelt wird einmal angedeutet, wer sie sind und was ihre Vorgeschichten sein könnten. Ansonsten bleiben sie Fremde. Lohnenswert ist das Drama aber schon. Vor allem Hauptdarstellerin Catherine Frot (Madame Marguerite oder Die Kunst der schiefen Töne, Ein Kuss von Béatrice) bekommt hier Gelegenheit, sich einmal von einer etwas anderen Seite aus zu zeigen. Und wenn hier zwei Außenseiter zueinanderfinden und sich gegenseitig unterstützen, dann ist Unter den Sternen von Paris nicht nur ein Plädoyer für einen würdevolleren Umgang mit den Schwachen in unserer Gesellschaft, sondern auch ein rührendes Drama, welches ein wenig Optimismus verbreitet, dass es anders gehen kann.

Credits

OT: „Sous les étoiles de Paris“
Land: Frankreich, Belgien
Jahr: 2020
Regie: Claus Drexel
Drehbuch: Claus Drexel, Olivier Brunhes
Musik: Valentin Hadjadj, Ton Cyril Moisson, Hervé Guyader, Emmanuel de Boissieu
Kamera: Philippe Guilbert
Besetzung: Catherine Frot, Mahamadou Yaffa

Bilder

Trailer

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„Unter den Sternen von Paris“ erzählt von einer Obdachlosen, die eines Tages einem Flüchtlingsjungen begegnet und mit ihm seine Mutter sucht. Der Film ist eine etwas eigenartige Mischung aus distanzierter Beobachtung und leicht märchenhafter Anmutung, nah dran an den Figuren und gleichzeitig wieder nicht. Trotz dieser Unentschlossenheit ist das Drama aber sehenswert, schön in Szene gesetzt und gut gespielt.
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