Inhalt / Kritik

Um die 50

„Um die 50“ // Deutschland-Start: 30. August 2021 (ZDF)

Ein runder Geburtstag ist immer ein schöner Anlass, um alte Freundschaften wieder aufleben zu lassen. So auch bei Carola (Susanne Schäfer), die ihren 50. groß feiern will und hierfür unter anderem ihre frühere Clique einlädt. Doch so schön es ist, sich nach all der Zeit wiederzusehen, stehengeblieben ist diese nicht. So hat Olaf (Bruno Eyron) mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Frank (Dominic Raacke) und Tina (Natalia Wörner) müssen sich eingestehen, dass ihre Gefühle von damals noch immer nicht ganz vorbei sind, obwohl sie inzwischen längst anderweitig liiert sind. Sabrina (Catherine Flemming) wiederum hat Ärger mit ihrem Ex, den sie nur zu gern ganz aus ihrem Leben entfernen würde. Und auch bei Carlo (Jürgen Tarrach) und Carola rumort es hinter den Kulissen …

Ein spätes Wiedersehen

Alte beliebte Figuren Jahre später noch einmal auszupacken, ist ja immer so eine Sache. Auf der einen Seite ist es natürlich verständlich, frühere Hits wieder aufwärmen zu wollen, vorausgesetzt es gibt tatsächlich noch ein Publikum dafür. Auf der anderen Seite ist es oft keine besonders gute Grundlage, einfach nur an die Nostalgie der Zuschauer und Zuschauerinnen appellieren zu wollen, ohne einen wirklichen Anlass etwas zu erzählen. Berlin, Berlin – Der Film ist ein Beispiel dafür, dass manche Erinnerung an vergangene Zeiten besser auch Teil dieser Vergangenheit bleiben sollte. So schön es sein mag, früher mit ihnen seine Nachmittage und Abende verbracht zu haben, es hat manchmal schon seine guten Gründe, warum das irgendwann vorbei war.

Entsprechend war es ratsam, keine besonders hohen Ansprüche an Um die 50 zu stellen. Rund 25 Jahre nach der Serie Um die 30 noch einmal die Figuren zusammenzutrommeln, war jetzt keine besonders naheliegende Idee. Umso mehr, da die Serie mit gerade einmal sieben Folgen nicht unbedingt ein Dauerbrenner war, der kommerzielle Sinn sich einem also nicht unbedingt erschließt. Ein Großteil der Leute, die sich den ZDF-Film anschauen werden, dürfte daher gar nicht wissen, dass es da überhaupt eine vorangegangene Serie gab – oder es inzwischen wieder vergessen haben. Muss aber auch nicht, da der Film anders als so manche von Nostalgie getriebene Neuauflage nicht zwangsweise darauf aufbaut, dass man das Original kennt.

Das Leben kam irgendwie anders

Klar werden einzelne Geschichten von damals fortgesetzt, etwa das Verhältnis zwischen Tina und Frank, bei denen es wider besseren Wissens gleich wieder funkt. Und natürlich zeigt es mehr Wirkung, wenn einem die Figuren und ihre Lebensversuche einem bekannt sind. Doch selbst ohne Vorkenntnisse ist Um die 50 ein Film, der Wirkung zeigt. Man muss nicht einmal in dem Alter der Protagonisten und Protagonistinnen sein, damit einem das Wiedersehen nahegeht. Begegnungen mit Freundschaften von einst, die nicht mehr das sind, was sie mal waren, dürften die meisten kennen. Ebenso dass das Leben nicht immer so verläuft, wie man es gern hätte und wie man es sich früher einmal ausgemalt hat. Die TV-Produktion erzählt dann auch davon, dass alles irgendwie anders kommen kann und man sich nicht ganz sicher ist, wie das passieren konnte. Und weshalb.

Komisch ist das Ergebnis nicht. Auch wenn Um die 50 offiziell als Komödie verkauft wird, ähnelt der Film da diversen ZDF-Kollegen wie Mutter kündigt oder Immer der Nase nach, bei denen tatsächliche Gags Mangelware sind. Wer sich von der Erwartung lösen kann, hier viel lachen zu müssen, findet aber einen durchaus netten und sympathischen Fernsehfilm, der so manch anderem überlegen ist, das sich zur besten Sendezeit auf den öffentlich-rechtlichen Anstalten so tummelt. Das liegt auch am Ensemble, welches seine Figuren annimmt, wie sie sind, mit all ihren Fehlern und Macken. Daraus lässt sich zwar nicht wirklich etwas lernen, etwas überraschend sind abschließende Kalendersprüche hier nicht vorgesehen. Andererseits hat das Leben auch nicht dauernd irgendwelche wertvollen Erkenntnisse zu bieten. Manchmal muss man sich damit begnügen, sich irgendwie durchzuschlagen, in der Hoffnung, dass es später mal besser wird. In zwanzig Jahren oder so.

Credits

OT: „Um die 50“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Ralf Huettner
Drehbuch: Ralf Huettner, Dominic Raacke
Musik: Steffen Britzke
Kamera: Armin Golisano
Besetzung: Dominic Raacke, Natalia Wörner, Susanne Schäfer, Jürgen Tarrach, Catherine Flemming, Bruno Eyron, Jule Böwe, Henny Reents

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4.3/5 - (7 votes)
Um die 50
„Um die 50“ vereint die sechs Freunde und Freundinnen von „Um die 30“ wieder und erzählt, wie es im Anschluss mit diesen weiterging. Kenntnisse der Serie sind ratsam, aber nicht zwingend nötig. Der Film funktioniert auch so als Porträt einer Clique, bei der das Leben nicht so verlief, wie sich diese das ausmalte. Das ist lebensnah und sympathisch, wenn auch nicht übermäßig unterhaltsam.
6von 10
Leserwertung: (5 Votes)
6.6

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Eine Antwort

  1. Casper Ab

    Habe „Um die 30“ gerne geschaut – damals für ZDF Verhältnisse fast schon „avantgardistisch locker“ – „Um die 50“ schleicht im Schritttempo um die Ecke und lebt von den Nostalgie-Schnipseln der Flashbacks, was die Gegenwart der Figuren und eher beliebigen Handlungsbögen leider um so blasser macht – irgendwie bleibt ein fader Nachgeschmack beim Aufgußversuch eines talentierten Ensembles und die programmatische Frage nach dem Warum – 4 von 5 Sterne – wenn das alles ist, was ist dann nix ?

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