Ein Kind wie Jake A Kid Like Jake

Ein Kind wie Jake

Inhalt / Kritik

Ein Kind wie Jake
„Ein Kind wie Jake“ // Deutschland-Start: 24. Juni 2021 (DVD/Blu-ray)

Eigentlich sind Alex (Claire Danes) und Greg Wheeler (Jim Parsons) ein durch und durch glückliches Paar. Vor allem ihr aufgeweckter Sohn Jake (Leo James Davis) ist ihr ganzer Stolz. Dass der Vierjährige gern mit Puppen spielt und eine Vorliebe für Kleider hat, stört sie nicht weiter. Er ist nun einmal ein Kind. Und die probieren sich gern spielerisch mal etwas aus, gerade in diesem Alter. Dass an diesem Verhalten etwas anders sein sollte, kommt ihnen nicht in den Sinn. Umso größer ist die Überraschung, als Judith Lawson (Octavia Spencer), die Leiterin seines Kindergartens, den beiden vorschlägt, diese Tendenzen in einer Bewerbung zu erwähnen, um somit seine Chancen zu erhöhen. Umso größer auch die Irritation, da sie gar nicht wollen, dass ihr Sohn anders ist …

Das Problem mit der Andersartigkeit

Auch wenn sich in den letzten Jahren viel getan hat, was die Akzeptanz von Minderheiten angeht und sich bei vielen die Ansicht durchsetzt, dass sich jeder frei entfalten soll: Ganz so einfach ist es dann doch nicht. Zu sehr sind die Menschen noch immer von einem normativen Denken geprägt, von Erwartungen, die alle zu erfüllen haben, ohne sich immer dessen bewusst zu sein. Da braucht es nicht einmal rechte Polterer und bigotte Feuerteufel, die sich mit der Stimmung gegen Leute, die anders sind, profilieren wollen. Selbst wer offen und liberal ist, ist oft stärker in überlieferten Vorstellungen gefangen, als es einem lieb sein kann. Am Ende ist dann doch niemand völlig frei, auch wenn wir daran glauben wollen.

Das führt einem auch Ein Kind wie Jake vor Augen. Auf den ersten Blick sind Alex und Greg ein liebenswürdiges Paar, das für sein Kind alles tun würde. Sie sind auch ganz weit von dem entfernt, was man mit dem Bild von homophoben Leuten in Verbindung bringen würde. Umso erschreckender ist – für sie wie auch das Publikum –, dass die Vorstellung eines womöglich transsexuellen Sohnes sie dermaßen überfordert. Wenn Judith vor ihnen sitzt und versucht, mit ihnen über dieses Thema zu reden, die beiden aber erst einmal gar nichts verstehen, hat das fast schon komische Qualitäten. Gerade die Ungläubigkeit über das, was die jeweils andere Seite da gerade sagt, trägt zu einem gewissen Unterhaltungsfaktor bei.

Die Angst vor der Außenwelt

Nur ist Ein Kind wie Jake keine tatsächliche Komödie, sondern behandelt ein durchaus ernstes Thema. Dessen ist sich natürlich auch Regisseur Silas Howard bewusst, der als erster Transmann Regie bei der Serie Transparent führte. Er legt es auch nicht darauf an, die beiden Elternteile vorzuführen oder bloßzustellen. Denn die wollen nur das Beste für ihr Kind, selbst wenn sie erst einmal mit dem Gedanken überfordert sind. Dem liegt weniger die Ablehnung von Transsexualität als solcher zugrunde. Vielmehr gibt es den üblichen Mix aus Sorge und Selbstzweifeln. Sie wollen Jake vor der Welt da draußen beschützen. Vor den Rowdys, die es auf jemanden abgesehen haben, der ein Kleid trägt, weil man das als Junge nun einmal nicht darf.

Aber warum eigentlich? Warum müssen sich Jungs für Actionfiguren interessieren, anstatt mit Puppen zu spielen? Ganz nebenbei schneidet das Drama, welches auf dem Sundance Film Festival 2018 Premiere feierte, das Thema Geschlechterrollen an. Zumal der sanfte Jake selbst nicht so wirklich dem gängigen Männlichkeitsbild entspricht und der zuweilen deutlich aggressiver auftretenden Alex nicht viel entgegenhalten kann oder will. Wäre er männlicher, so der irgendwann auftauchende hässliche Vorwurf, gäbe es das „Problem“ mit Jake vielleicht gar nicht. Die Frage, wie stark Eltern das Kind prägen, wird dabei jedoch nicht sonderlich konsequent verfolgt. Das gilt auch für einige andere Themen. Spannend ist beispielsweise, wie die vermeintliche Andersartigkeit des Jungen bei Bewerbungen für Privatschulen genutzt werden soll, um als eine Art positive Diskriminierung die Chancen zu verbessern – Stichwort Diversität.

Viel Kopf und Text

Zeitweise ist das ein bisschen verkopft und konstruiert. Und es ist sehr dialoglastig: Da macht sich doch deutlich bemerkbar, dass Drehbuchautor Daniel Pearle sein eigenes Theaterstück adaptiert. Die meiste Zeit über sitzen die beiden in einem Zimmer und reden. Ein bisschen schade ist, wie sich der Fokus dabei nach und nach verschiebt und sich auf die Eltern verlagert. Ausgerechnet der Junge, um den es hier ja geht, kommt dabei ein wenig kurz. Dafür ist Ein Kind wie Jake gut gespielt. Danes und Parsons bringen die notwendige Wärme mit, um aus den endlosen Diskussionen einen trotz allem menschlichen Stoff zu machen, der trotz eines recht speziellen Themas Dinge anspricht, die einen sehr universellen Charakter haben.

Credits

OT: „A Kid like Jake“
Land: USA
Jahr: 2018
Regie: Silas Howard
Drehbuch: Daniel Pearle
Vorlage: Daniel Pearle
Musik: Roger Neill
Kamera: Steven Calitri
Besetzung: Claire Danes, Jim Parsons, Priyanka Chopra, Amy Landecker, Ann Dowd, Octavia Spencer, Leo James Davis

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„Ein Kind wie Jake“ erzählt von einem Paar, das eines Tages mit der Idee konfrontiert wird, dass ihr Junge vielleicht lieber ein Mädchen wäre. Der Film spricht davon ausgehend eine Reihe universeller Themen an, darunter Geschlechterrollen und wie sehr Kinder von ihren Eltern geprägt werden. Das ist recht dialoglastig und nicht immer ganz ausformuliert, aber doch gut gespielt.
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