Alexander Ludwig ist ein kanadischer Schauspieler und Country-Sänger. Nach einigen Nebenrollen in Kino- und TV-Produktionen gelang Ludwig nach und nach der Aufstieg in besser bezahlte und größere Rollen. Neben Auftritten in Filmen wie Gary Ross’ Die Tribute von Panem – The Hunger Games (2012), Peter Bergs Lone Survivor (2013) oder Roland Emmerichs Midway – Für die Freiheit (2019) dürfte er den meisten vor allem wegen seiner Rolle als Bjorn Eisenseite in der Serie Vikings bekannt sein. Auch als Country-Sänger machte sich Ludwig einen Namen, beispielsweise mit der Single Let me be your Whiskey aus dem Jahre 2020.

In der Serie Heels spielt Ludwig die Rolle des Ace Spade, eines Wrestlers in der regionalen Wrestling-Liga DWL, geführt von seinem älteren Bruder Jack Spade, gespielt von Stephen Amell. Neben dem Wrestlinggeschäft und was es für eine Gemeinde bedeutet, wird auch die Dynamik der Familie beleuchtet, die seit Generationen die DWL leitet. Als junges Talent träumt Ace von einem Aufstieg in eine professionelle und finanzielle lukrativere Liga wie der WWE, doch andererseits hält ihn seine Loyalität zu seiner Familie zurück.

Anlässlich des Starts der Serie am 15. August 2021 auf dem Streamingportal Starzplay unterhalten wir uns mit dem Schauspieler über die Dreharbeiten, sein Trainingsprogramm und was ihn an der Rolle wie auch der Geschichte gereizt hat.

Was kannst du über deine Rolle in Heels sagen und was Ace Spade für ein Mensch ist?

Ace ist ein paradoxer Charakter, denn auf der einen Seite hält er sich für eine Art Rockstar und benimmt sich entsprechend, doch dann ist er manchmal wie ein kleines Kind. Er versucht das Trauma des Suizids seines Vaters zu verarbeiten und für sich selbst einen Platz in der Welt zu finden. Er ist dazu fähig von einem Moment auf den nächsten zu explodieren und richtig aggressiv zu werden. Ich mochte es sehr, einen so widersprüchlichen Charakter zu spielen.

Was wusstest du über Wrestling, bevor du die Rolle übernommen hast?

Seit ich klein bin habe ich mir immer wieder Wrestlingveranstaltungen im Fernsehen angeschaut und dabei Wrestler wie beispielsweise Adam „Edge“ Copeland angefeuert. Ich würde nicht sagen, dass ich ein großer Fan war, weil ich das Geschehen oder die Karrieren einzelner Athleten nicht genau verfolgte. Als ich dann aber für Heels zusagte, musste ich mich näher mit der Welt des professionellen Wrestling befassen und lernte schnell, dass diese wirklich sehr faszinierend und facettenreich ist.

Du hast gerade erwähnt, dass die Show sich mit einem sehr spezifischen Milieu befasst, in welchem Worte wie „face“ oder „heels“ eine ganz bestimmte Bedeutung haben. Glaubst du, man kann Heels auch folgen, wenn man diese Terminologie nicht kennt?

Das würde ich schon sagen, denn letztlich lernt man diese Begriffe kennen, während man dem Geschehen folgt. Es ist so ähnlich wie bei einer Serie wie Vikings, wo bestimmt nur wenige Zuschauer wussten, was genau ein Blutaar eigentlich ist. Natürlich gibt es diejenigen, die sich mit der Welt der Wikinger auskennen und das schon vorher wussten, aber für alle andere erschließt sich dies nach einer Weile und man erhält dennoch Zugang zu dieser faszinierenden Welt. In der Welt des Wrestlings ist es genauso.

Ich bin der festen Überzeugung, dass das Publikum nicht dumm ist und ich mag es nicht, wenn eine Serie oder ein Film seine Zuschauer für dumm hält. Jeder möchte etwas lernen und wenn man sich für die Geschichte und die Charaktere interessiert, erschließt sich vieles von alleine und man lernt noch etwas.

Showrunner Mike O’Malley hat im Interview zu Heels gesagt, dass du und Stephen Amell euch für die Serie so ins Zeug gelegt habt, dass ihr, wenn ihr wolltet, eine sehr erfolgreiche Karriere im professionellen Wrestling starten könntet. Was kannst du uns vor dem Hintergrund dieser Äußerung über deine Vorbereitung für die Rolle und das Training sagen?

Das ist ein sehr großes Lob, aber ich würde dem nicht zustimmen. Stephen und ich haben sehr viel für die Serie trainiert, weil wir, besonders für die Wrestlingfans, die sich die Show ansehen, wollte, dass alles so authentisch wie möglich aussieht. Dennoch ist die körperliche Belastung, die sich professionelle Wrestler aussetzen für ihre Arbeit, noch auf einem ganz anderen Level, als das, was wir taten. Mir persönlich ist es ein Rätsel, wie jemand sich dieser Tortur freiwillig unterziehen würde.

Vier Monate bevor die eigentlich Dreharbeiten begannen, trainierten Stephen und ich jeden Tag mit Chavo Guerrero, einem professionellen Wrestler, der auch in der WWE lange Zeit war. Als wir dann zum Drehort in Atlanta kamen, hatten wir dort neben einem Ring ein unglaubliches Fitnessstudio. Wenn wir als nicht trainierten, waren wir im Ring, wo uns professionelle Wrestler, die auch in der Serie zu sehen sind, zur Seite standen.

Darüber hinaus habe ich natürlich selbst viel recherchiert, wobei mir die Freundschaft zu dem bereits erwähnten Adam „Edge“ Copeland, den ich von Vikings her kannte, sowie die Zusammenarbeit mit Stephen, einem großen Wrestling-Fan, immer eine große Hilfe waren, damit wir das Geschehen im Ring authentisch darstellen konnten.

Das hört sich sehr anstrengend an. Gab es beim Training Zwischenfälle oder brenzlige Momente?

Ich persönlich kam mit dem sprichwörtlichen blauen Auge davon. Bis auf ein paar Prellungen und blaue Flecken überstand ich das Training wie auch die Dreharbeiten ohne Probleme. Stephen hingegen hatte weniger Glück und zog sich eine Verletzung am Rücken zu, welche sich als Mikrofraktur herausstellte. Nach ein paar Monaten konnte er wieder in den Ring steigen, aber das hätte auch anders enden können.

In Heels ist die Beziehung zwischen den beiden Brüdern Ace und Jack im Ring eine ganz andere als im realen Leben. Wie seid ihr die Beziehung der beiden Brüder angegangen, als Darsteller und mit den Regisseuren der einzelnen Episoden?

Das Angebot für Heels erhielt ich ein Jahr nachdem die letzte Folge Vikings abgedreht worden war und mir war sofort klar, dass Ace eine tolle Rolle für mich als Schauspieler sein wird, doch für die Dynamik der Geschichte die Besetzung von Jack essenziell sein würde. Als dann klar war, dass Stephen die Rolle spielen würde und wir ein erstes Treffen hatten, war mir schnell klar, dass er die richtige Wahl war. Man muss nicht unbedingt mit seinen Schauspielerkollegen befreundet sein, um gut miteinander klarzukommen am Set, doch mit Stephen machte sowohl die Arbeit sehr viel Spaß wie auch das Zwischenmenschliche. Ich bin stolz sagen zu können, dass wir durch Heels Freunde wurden und ich hoffe sehr, dass wir noch lange miteinander arbeiten werden und diese beiden Rollen noch weiter ausarbeiten können.

Gerade so kleine Wrestling-Ligen wie die in Heels haben eine besondere Verbindung zu der Gemeinde, in der sie stattfinden. Inwiefern spiegelt sich dies in der Serie wider?

Michael Waldron, der kreative Kopf hinter Heels, wuchs in einer kleinen Gemeinde wie der in der Serie auf. Michael versteht die Musik und wie sie funktioniert. Ich selbst bin in einer Großstadt aufgewachsen und kann auf einen solchen Hintergrund nicht zurückgreifen. Dennoch fühle ich mich solchen Gemeinden, ihrem Zusammenhalt und ihren Werten, sehr verbunden, weshalb ich auch jetzt in einer solchen Stadt lebe.

In der Welt des professionellen Wrestlings muss ein Wrestler heutzutage nicht nur ein Athlet sein, sondern zugleich auch ein Manager wie auch ein sehr talentierter Darsteller, was man auch in Heels immer wieder sieht. Was würdest du sagen ist der schwierigste Aspekt des Wrestling?

Wenn du mich fragst, ihr Terminplan und der physische Aspekt ihres Berufs stellen die größten Herausforderungen dar. Man muss sich nur vorstellen, dass ein Wrestler heutzutage von Show zu Show fährt, meistens im eigenen PKW, und das meist ein ganzes Jahr lang. Er oder sie hat weder eine Krankenversicherung noch eine Gewerkschaft, die ihn oder sie unterstützt im Zweifelsfall. Sie sind ganz alleine und steigen jeden Abend in diesen Ring.

In gewisser Weise kann ich sie verstehen, denn wenn man einen Traum hat oder eine Sache besonders liebt, dann ist man bereit, durch die Hölle zu gehen. In meinen Gesprächen mit Adam Copeland hat er mir von seiner Erfahrung erzählt, wie hart es war und wie anstrengend, und ich kann es voll und ganz verstehen. Als jemand, der seit seiner Kindheit den Traum, Schauspieler und Musiker zu werden, verfolgt hat, kann ich verstehen, wie das ist, wenn man auf sich alleine gestellt ist, in eine neue Stadt kommt und erst einmal sehen muss, dass man dort klarkommt.

Doch es ist vor allem der physische Aspekt des Wrestlings, der mich ehrfürchtig werden lässt vor Leuten wie Copeland. Wenn ich daran denke, dass ich nach fünf Minuten im Ring schon nach Luft ringe, will ich gar nicht erst wissen, wie es sein muss, so etwas jeden Abend durchzumachen und welchen Preis dein Körper dafür zahlen muss.

In vielen der Filme und Serien, in denen du mitgespielt hast, musstest du dich einer  Verwandlung unterziehen, um zu einem bestimmten Charakter zu werden, teils sehr ausgefallenes Make-up oder besondere Kostüme tragen. Vor diesem Hintergrund würde ich gerne einmal wissen, was du von dem besonderen Look eines Wrestlers hältst, den du für die Rolle ja übernehmen musstest?

Ich liebe es, weil du es so weit treiben kannst, wie du willst. Sobald du einen bestimmten Look oder eine gewisse Persönlichkeit im Ring hast, hast du komplette Freiheit und als Schauspieler finde ich das super. Du hast so viel Freiraum und ich hoffe, dass, sofern wir noch mehr Staffeln von Heels drehen dürfen, wir diesbezüglich noch kreativer und verrückter werden können.

Zur Recherchezwecken habe ich mir die Serie The Dark Side of the Ring angesehene, eine Doku-Serie, die dem Zuschauer in verschiedenen Episoden die dunkle Seite des Wrestlinggeschäfts zeigt. Alleine die Kostüme von vielen der Wrestler, die man in den Episoden sieht, sind total abgefahren und für mich als Schauspieler gerade deswegen so unsagbar kreativ.

Warum glaubst du eignet sich gerade die Wrestling-Welt dazu, um ein Drama wie jenes in Heels zu erzählen?

Im Kern sollte der Zuschauer von einer Geschichte fasziniert sein, was viel mit den Charakteren zu tun hat, denn diese müssen interessant sein. Die Welt, in der diese Figuren leben und agieren, kann noch sehr viel zu ihrer Geschichte beitragen.

Ich glaube Wrestling ist in diesem Sinne etwas Besonderes, weil man nicht ein halber Fan sein kann oder es nur gelegentlich verfolgt. Bei anderen Sportarten kann ich mir hin und wieder einmal ein Spiel oder ein Match ansehen, aber brauche dafür kein Fan zu sein. Wenn man hingegen ein Wrestling-Fan ist, dann ist man das mit Herz und Seele.

Über die Serie können die Zuschauer diese neue Welt kennenlernen und ich glaube, das macht den besonderen Reiz von einer Geschichte wie Heels aus. So erging es zumindest mir, als ich die Drehbücher zum ersten Mal las. Im Zentrum stehen Charaktere, die einfach nur etwas mehr vom Leben und für ihre Familien haben wollen und das versteht jeder.

Es scheint so, als würde jeder Kampf im Wrestling und auch in der Serie selbst ein kleines Drama erzählen und einer gewissen Dramaturgie folgen. Kannst du uns was zu deiner Herangehensweise zu diesen Szenen sagen?

Was ich besonders finde an diesen Kämpfen, ist, wie sehr man seinem Gegenüber vertrauen muss. Natürlich kenne ich das auch aus meinem eigentlichen Beruf, aber im Ring ist noch einmal anders, denn ich muss darauf vertrauen, dass Stephen richtig landet oder mich richtig hinwirft, damit ich mich nicht verletze. Man stelle sich nur den Betrug vor, wenn jemand auf einmal vom Skript abweicht, jemandem den Sieg raubt oder seinen Gegner gar verletzt.

In Bezug auf die Kämpfe erzählen diese immer, wie du sagtest, eine Geschichte und man lernt immer etwas Neues über die Figuren. Für mich persönlich war der interessanteste Moment, als Ace im Ring während eines Kampfes klar wird, wer er sein muss, damit er im Ring erfolgreich ist. Diesen Moment der Klarheit zu spielen, war etwas sehr Besonderes.

Vielen Dank für das nette Gespräch.



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