In Embattled (seit 29. Juli 2021 als DVD und Blu-ray sowie digital erhältlich) spielt Stephen Dorff den erfolgreichen Mixed Martial Arts Kämpfer Cash Boykins, dessen Sohn aus erster Ehe in seine Fußstapfen treten möchte. Dabei ist das Verhältnis sehr schwierig: Cash hat seine Familie damals nach der Geburt des zweiten Sohns verlassen. Einen wirklichen Kontakt gab es jahrelang nicht. Wir haben uns zum Verkaufsstart mit dem Schauspieler über seine Rolle, den Reiz von MMA-Kämpfen und die Aufgabe von Eltern unterhalten.

Was hat dich an Embattled gereizt? Warum wolltest du in dem Film mitspielen?

Ich habe das Drehbuch von David Mckenna gelesen und liebte es. Er ist ein großartiger Autor, der so tolle Filme wie American History X und Blow geschrieben hat. Ich liebte diese Familiengeschichte, die vor dem Hintergrund von MMA stattfindet, einem Sport, der weltweit unglaublich populär geworden ist. Außerdem war die Figur Cash eine ziemliche Herausforderung. Ich wusste, dass ich eine völlig unsympathische Person spielen müsste, die gleichzeitig schon auch Charisma hat und ein Champion ist. Und eben diesen Zwiespalt wollte ich ausdrücken.

Warum ist MMA deiner Meinung nach inzwischen so populär? Was macht den Reiz dieses Sports aus?

Wie bei so vielem in dieser Welt ist es immer die Extremfassung von etwas, die sich durchsetzt. Boxen zum Beispiel interessiert in den USA kaum jemanden mehr. Ich könnte selbst keinen aktuellen Boxer außer Tyson Fury nennen. Und Floyd Mayweather, aber der hat sich auch schon zur Ruhe gesetzt. Bei MMA bzw. UFC hast du Boxen, gemischt mit Jiu Jitsu, Wrestling und weiteren Sportarten. Damit kannst du das Publikum heute mehr begeistern als nur mit Boxen.

Hattest du selbst Erfahrung mit dem Sport vor dem Film?

Ich habe mich im Laufe der Zeit mit einigen UFC Kämpfern getroffen und mit ihnen für Filme trainiert, zum Beispiel Felon, einen Gefängnisfilm, den ich vor einigen Jahren gedreht habe. Bei Embattled hatte ich ein tolles Team in Alabama rund um Chris Connolly, der schon viele UFC-Kämpfer trainiert hat. Unser Regisseur Nick Sarkisov hat auch einen großartigen Job gemacht, diese Art des Kämpfens einzufangen, die klaustrophobische Atmosphäre, und dabei die Geschichte innerhalb dieser Kämpfe zu erzählen. Er gibt dir wirklich das Gefühl, in diesem Käfig zu sein und die Kämpfe direkt mitzuerleben.

Du hast schon gemeint, dass Cash kein besonders sympathischer Charakter ist. Wie schwierig war es für dich, diesen zu spielen?

Ziemlich schwierig sogar. Er ist sehr aggressiv und jemand, in dessen Anwesenheit man sich nicht sonderlich wohl fühlt. Da hat es schon gedauert, bis ich meinen Zugang gefunden habe. Ihn zwei Monate lang mit mir herumschleppen, war echt heftig. Da war ich froh, als der Film endlich im Kasten war und ich wieder zurück zur Normalität konnte. (lacht)

MMA ist eine dieser Sportarten, bei denen Verletzungen nicht einfach nur eine Nebenwirkung sind. Du versuchst dort gezielt, den anderen zu verletzten. Denkst du, dass ein solcher Sport beeinflusst, wie du auch außerhalb des Rings mit anderen umgehst?

Ich bin selbst natürlich kein Kämpfer und kann das deshalb gar nicht so genau beantworten. Bei den Kämpfern, die ich kenne, ist es aber so, dass du keine Angst vor anderen haben darfst, weil du ansonsten im Ring untergehst. Dass du dir die Knochen brichst, ist bei MMA Standard. Und es kann noch deutlich Schlimmeres geschehen. Dafür musst du schon von vornherein eine bestimmte Art Mensch sein, sonst kannst du das nicht. Aber das gilt letztendlich für alles, was du tust. Auch als Polizist oder Feuerwehrmann brauchst du von vornherein bestimmte Eigenschaften. Und als Schauspieler ist es meine Arbeit aufzuzeigen, wer meine Figur ist und was ihn antreibt. Im Fall von Cash ist es klar, dass dies die Folge ist von dem, was er selbst als Kind erlebt hat und was er durchmachen musste. Das hat ihn zu dem gemacht, der er ist. Und das MMA ist eben ein Symptom davon.

Was bei Cash auffällt: Es gibt da einen riesigen Unterschied zwischen der Art und Weise, wie er seine Familie behandelt und wie er mit anderen Kämpfern umgeht. Denn er versucht schon, für die Kämpfer zu sorgen und eine Art Gewerkschaft zu gründen, damit sie finanziell abgesichert sind.

Mckenna wollte mit diesen Szenen zeigen, dass Cash nicht dumm ist. Er nutzt seinen Einfluss in den Verhandlungen um eine Gewerkschaft und droht damit, mit all den Kämpfern einfach wegzugehen. Er respektiert den Sport. Er respektiert die Kämpfer. Cash ist eben nicht nur das unsympathische Monster, sondern hat auch andere, sehr menschliche Seiten. Bei dieser Sache mit der Gewerkschaft hat er ein schon eine Art Ehrempfinden. Und auch seinem Sohn gegenüber entwickelt er irgendwann Gefühle. Auf seine Weise ist Cash schon stolz auf seinen Sohn und kann die große Karriere sehen, die dieser vor sich hat. Cash hat seine Stärken, sowohl als Geschäftsmann wie auch im Ring. Aber er ist eben ein schlechter Vater.

Wenn Cash das Bild eines schlechten Vaters verkörpert, wie sieht dann ein guter Vater aus? Was macht gute Eltern aus?

Ich selbst habe keine Kinder. In meinem Umfeld sind aber die meisten Eltern und ich bin Pate von einigen Kindern. Die Aufgabe von Eltern ist es in meinen Augen, Kinder aufzuziehen und sie zu beschützen, in diesem verrückten Universum, in dem wir alle leben. Wichtig ist auch zu erkennen, worin die Kinder gut sind und sie darin zu bestärken. Ich bin selbst in Hollywood aufgewachsen. Mein Vater war ein Songwriter und war dabei, sehr erfolgreich zu werden, weswegen ich mit Kindern von Filmstars zur Schule gegangen bin. Hollywood ist bestimmt nicht der gesündeste Ort für ein Kind. Klar, das Wetter ist schön. Aber vieles dort ist nur Fassade. Hollywood kann schon sehr trügerisch und manipulativ sein. Ich hatte das Glück, dass meine Eltern großartige Leute waren und sich wirklich um mich und meinen Bruder gekümmert haben, als wir aufgewachsen sind. Sie waren einfach da für uns. Das hat mir durch meine dunkelsten Phasen geholfen, auch als ich angefangen habe, gegen sie zu rebellieren. Ich bin nie so abgestürzt wie manche meiner Freunde, weil ich immer die Stimme meiner Mutter im Kopf hatte.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person
Stephen Dorff wurde am 29. Juli 1973 in Atlanta, Georgia in den USA geboren. In den 1980ern begann er mit der Schauspielerei. Seine erste große Rolle hatte er in dem Horrorfilm Gate – Die Unterirdischen (1987). Zu seinen bekanntesten Filmen gehört der Musikfilm Backbeat (1994) als „fünfter Beatle“ Stuart Sutcliffe, die Comic-Adaption Blade (1998) und das Drama Somewhere (2010). 2017 übernahm er in der dritten Staffel von True Detective eine der Hauptrollen.



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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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