Inhalt / Kritik

The Unholy

„The Unholy“ // Deutschland-Start: 17. Juni 2021 (Kino)

Seitdem er in Ungnade gefallen ist, muss sich der Journalist Gerry Fenn (Jeffrey Dean Morgan) mit Artikeln über unerklärliche Phänomene über Wasser halten. Ein solches ist auch, als er Alice (Cricket Brown) über den Weg läuft. Denn obwohl eigentlich taubstumm, hat er sie eindeutig reden hören. Sie selbst erklärt dieses Wunder dadurch, dass ihr die Jungfrau Maria erschienen sein soll. Und auch Alice selbst verfügt nun über die Gabe, andere Menschen zu heilen. Für Fenn ist das ein Geschenk Gottes, mit dem er seine Karriere endlich wieder in Gang bringen möchte. Das Interesse an den Wundertaten ist auch tatsächlich groß, sowohl bei der einheimischen Bevölkerung wie auch außerhalb. Doch bei seinen Recherchen stößt er auf Hinweise, dass eine ganz andere Geschichte dahinterstecken könnte …

Ein Wunder zum Abgewöhnen

Es ist natürlich ein schon ein wenig eigenartig, wenn in einer Woche gleich zwei Filme in die deutschen Kinos kommen, die sich mit angeblichen Sichtungen der Jungfrau Maria beschäftigen. Wobei die beiden Titel unterschiedlicher nicht sein könnten. Während Das Wunder von Fatima – Moment der Hoffnung basierend auf dem legendären Sonnenwunder von 1917 letztendlich nicht mehr ist als gut gemeinte Propaganda, da schlägt The Unholy in die gegenteilige Richtung aus. Denn da bringt die Erscheinung trotz anfänglicher wundersamer Heilungen den Menschen eher wenig Glück. Vielmehr sind hier das Göttliche und das Höllische schon sehr nah beieinander, wenn die vermeintliche Mutter Gottes mit einer ganz anderen Agenda angerückt ist.

Dass mit dieser etwas nicht stimmt, das darf das Publikum gleich zu Beginn erfahren. In einem Prolog verrät The Unholy schließlich, dass an jenem Ort schon einmal eine Frau in die Hölle geschickt wurde. Genauer wird sie der Hexerei beschuldigt, am Baum aufgehängt und dazu noch in Brand gesteckt – sicher ist sicher. Und ebenso sicher ist, dass ein solcher Vorgang ein Nachspiel haben wird. Die düsteren Bilder und die dazu passende Musik machen das unmissverständlich klar. Während die Figuren vor Ort also erst einmal ein wenig ahnungslos in ihr Verderben rennen, reibt man sich als Zuschauer bzw. Zuschauerin die Hände und wartet nur darauf, dass es dann mal losgeht. Das ist dann nur eine Frage des „wann“, nicht des „ob“.

Sparsamer Inhalt

Tatsächlich sollte man sich von der Adaption des 1983 veröffentlichten Romans Shrine von James Herbert nicht erwarten, dass da irgendwelche Überraschungen auftreten. Stattdessen spielt sich die gesamte Geschichte ziemlich genau so ab, wie man das erwarten konnte. Selbst die Jump Scares, welche naturgemäß darauf abzielen, das Publikum in einem vermeintlichen Moment der Ruhe zu terrorisieren, treten bei The Unholy immer dann auf, wenn man sie am meisten erwartet. Am interessantesten ist noch die Verbindung des Göttlichen und des Dämonischen. Wenn eine angebliche Heilige jeden mit dem Tod bestrafen will, der nicht an sie glaubt, dann wäre das doch mal eine reizvolle Variante des religiösen Horrors. Diese Richtung wird aber kaum erfolgt, tatsächlich provozieren wollte man hier dann wohl doch nicht.

Das ist schon recht schade, gerade auch, weil The Unholy inhaltlich ansonsten nicht wirklich etwas Interessantes zu erzählen hat. Die Figur des heruntergekommenen Journalisten ist von Jeffrey Dean Morgan (The Postcard Killings) zwar ansprechend gespielt. Spannend ist sie aber kaum. Und auch bei dem Umfeld sucht man vergeblich nach jemandem mit echtem Charakter. Die satirischen Steilvorlagen, wenn eine Wundersichtung gewinnbringend unter die Leute gebracht werden soll, werden ohnehin nicht genutzt. Die Fragen nach der Sehnsucht, weshalb so viele an Maria oder andere Erscheinungen glauben wollen, wird erst gar nicht gestellt.

Atmosphärischer Einstieg, missglücktes Ende

Immerhin: Evan Spiliotopoulos, der zuvor Drehbücher etwa zu Die Schöne und das Biest und 3 Engel für Charlie geschrieben hat und hiermit sein Regiedebüt gibt, zeigt ein Gespür dafür, wie er die Geschichte in Szene zu setzen hat. Gerade im ersten Drittel ist The Unholy schon recht atmosphärisch geworden. Doch im weiteren Verlauf sinkt die Spannungskurve kontinuierlich ab. Das Ende ist dann sogar ziemlich missglückt, wenn der eigentliche Showdown allenfalls unfreiwillig komisch ausfällt. Wer nach der langen Zwangspause unbedingt wieder einen Horrorfilm auf der großen Leinwand sehen will, der darf es hiermit versuchen. Man kann aber auch einfach noch ein bisschen warten, bis tatsächlich Sehenswertes ansteht.

Credits

OT: „The Unholy“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Evan Spiliotopoulos
Drehbuch: Evan Spiliotopoulos
Vorlage: James Herbert
Musik: Joseph Bishara
Kamera: Craig Wrobleski
Besetzung: Jeffrey Dean Morgan, Cricket Brown, Katie Aselton, William Sadler, Diogo Morgado, Cary Elwes

Bilder

Trailer

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The Unholy
In „The Unholy“ will eine junge Frau die Jungfrau Maria gesehen haben und steht plötzlich im Mittelpunkt mehrerer Wunder. Satirische oder gesellschaftskritische Möglichkeiten werden dabei nicht genutzt. Sowohl die Geschichte wie auch die Figuren geben nicht viel her. Teilweise ist das stimmungsvoll in Szene gesetzt, die Spannungskurve nimmt aber nach einem guten Einstieg merklich ab.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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