Kings of Hollywood Comeback Trail
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Kings of Hollywood

Inhalt / Kritik

Kings of Hollywood
„Kings of Hollywood“ // Deutschland-Start: 24. Juni 2021 (Kino) // 11. November 2021 (DVD/Blu-ray)

An Leidenschaft mangelt es dem Filmproduzenten Max Barber (Robert De Niro) sicher nicht. Dafür aber an Erfolg: Wenn nicht bald irgendwo her Geld kommt, dann kann er seine lange Karriere endgültig begraben. Und sich selbst gleich mit. Schließlich hat er mit seinem letzten Werk, das er gemeinsam mit seinem Neffen Walter (Zach Braff) produziert hat, eine böse Bauchlandung hingelegt. Und das Geld hierfür stammte dummerweise von dem Mafia-Finanzier Reggie Fontaine (Morgan Freeman), der nur wenig Verständnis oder Interesse an der künstlerischen Seite des Filmgeschäfts hat. Aber wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Durch einen Zufall kommt er auf die Idee, einen Western mit dem abgehalfterten Ex-Star Duke Montana (Tommy Lee Jones) zu drehen. Denn sollte dieser während der Dreharbeiten sterben, winkt ein stolzes Sümmchen durch die Versicherung. Das sollte sich doch irgendwie einrichten lassen – und sei es durch etwas Nachhelfen …

Eine schwierige Geburt

Wenn es mal wieder länger dauert. Viele Jahre, gar Jahrzehnte wollte George Gallo (Midnight Run) schon ein Remake des Films The Comeback Trail drehen, verzweifelte aber bei der Suche nach den Rechten. Wer mit dem Titel wenig anfangen kann, muss sich deswegen nicht grämen. Sonderlich bekannt ist der Film nicht, was die besagte Suche erschwerte. Der Regisseur war aber so überzeugt von der Grundidee des Werks – zwei erfolglose Produzenten spekulieren auf den Tod ihres Hauptdarstellers, um eine Versicherung zu prellen –, dass er unentwegt daran arbeitete. Irgendwann war das Langzeitprojekt dann tatsächlich von Erfolg gekrönt. Mehr noch: Mit Robert De Niro, Tommy Lee Jones und Morgan Freeman konnte Gallo gleich drei gestandene Schauspielveteranen für seine Herzensangelegenheit gewinnen, die im Deutschen den Titel Kings of Hollywood trägt.

Dieser ist natürlich nur ironisch zu verstehen. Von Königen kann hier keine Rede sein, vielmehr wimmelt der Film nur von Leuten, die am Ende ihrer Karriere stehen oder vielleicht auch nie wirklich eine hatten. Damit könnte man meinen, Kings of Hollywood sei einer dieser Filme, bei denen Underdogs, Totgesagte oder sonstige unterschätzte Protagonisten und Protagonistinnen es allen anderen noch mal so richtig zeigen. Zum Teil stimmt das auch. Zumindest ist es mit einer gewissen Freude und Genugtuung verbunden, wie Montana, der eigentlich nur zum Sterben engagiert wurde, wieder richtig viel Lebensfreude entwickelt. Ein Mann, der eigentlich längst von der Welt abgeschrieben und vergessen war, jetzt aber zu alter Stärke zurückfindet.

Die Traumfabrik als mörderisches Pflaster

Verbunden wird dies jedoch mit einem gemeineren Humor. Anfangs bezieht sich der vor allem auf die Machenschaften in der Filmbranche, Kings of Hollywood kann da schon als Satire auf die Traumfabrik verstanden werden. Später werden hingegen Erinnerungen an Wile E. Coyote wach, der seinem Widersacher Road Runner immer wieder irgendwelche Fallen baut, die dieser aber regelmäßig ignoriert oder anderweitig entkommt. Max ist nicht weniger umtriebig bei dem Versuch, für ein vorzeitiges Ableben zu sorgen. Und ebenso wenig erfolgreich. Während bei den berühmten Cartoons das designierte Mordopfer jedoch weiß, was da versucht wird, sind beim Film alle bis auf den Produzenten ahnungslos. Auch das sorgt für Komik, wenn sich bei den Unfällen am Set die Umstehenden aus sehr konträren Gründen die Hände an den Kopf schlagen.

Wer sich angesichts dieser mörderischen Vorgänge jedoch richtig viel schwarzen Humor erhofft, der wird eher enttäuscht. Zwar startet Max immer mal wieder einen Versuch. Aber die sind vergleichsweise selten und sind auch nicht so perfide, wie das wünschenswert gewesen wäre. Und ohnehin dauert es recht lang, bis Kings of Hollywood überhaupt mal an dem Punkt ankommt, an dem es zur Sache geht. Viel Zeit geht stattdessen drauf, um das Umfeld von Max vorzustellen, die Leute, mit denen er so zu tun hat. Beispielsweise wird ewig darüber diskutiert, er könne doch das Drehbuch verkaufen, an dem er die Rechte hat, was ihm jede Menge Geld einbringen würde. Doch an diesem hält er verzweifelt fest. Max mag ein Mörder sein. Dafür aber einer mit künstlerischen Ambitionen.

Nostalgisch-amüsant, aber etwas dünn

Auch daraus hätte man etwas machen können. Gallo mag es aber offensichtlich etwas weniger bissig. Stattdessen ist auffällig, dass der Film ein nostalgisches Flair pflegt. Das liegt nicht nur an den besagten Veteranen, die hier zusammen auftreten. Die Geschichte spielt zudem in den 1970ern, was mit einer gewissen Wehmut einhergeht. Wenn hier ein Film im Film gedreht wird, der sich an klassischen Western orientiert, dann bedeutet das gleich in mehrfacher Hinsicht eine Reise zurück in vergangene, einfachere Zeiten. Wer ebenfalls eine Schwäche für Filme hat, die in Erinnerungen an ein früheres Hollywood schwelgen, der fährt mit Kings of Hollywood so schlecht nicht. Als Lebenswerk, das mehrere Jahrzehnte in Arbeit war, ist die Komödie dann aber doch etwas wenig. Schmunzeln darf man hier hin und wieder schon, richtig viel lachen dürften aber nur die wenigsten.

Credits

OT: „The Comeback Trail“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: George Gallo
Drehbuch: George Gallo, Josh Posner
Musik: Aldo Shllaku
Kamera: Lukasz Bielan
Besetzung: Robert De Niro, Tommy Lee Jones, Morgan Freeman, Zach Braff, Emile Hirsch, Eddie Griffin, Kate Katzman, Blerim Destani

Bilder

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In „Kings of Hollywood“ engagiert ein erfolgloser Filmproduzent einen betagten Schauspieler, in der Hoffnung, er würde bei den Dreharbeiten ums Leben kommen und ihm dabei viel Geld bringen. Die prominent besetzte Komödie ist ganz amüsant, wenn auch nicht so bissig, wie es sich anhört. Stattdessen gibt es eine nostalgisch gefärbte Note bei der Erinnerung an vergangene Zeiten.
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von 10