Inhalt / Kritik

Gallipoli

„Gallipoli“ // Deutschland-Start: 5. März 1982 (Kino) // 2. Januar 2003 (DVD)

Im Jahre 1915 wächst der 18-jährige Archy Hamilton (Mark Lee) als Sohn eines Farmers im australischen Outback im Westen des Landes auf. Zusammen mit seinem Großvater trainiert er für eine Karriere als Sportler, genauer gesagt als Sprinter, wobei er schon einige Erfolge für sich verbuchen kann. Jedoch sehnt er sich auch nach einem anderen Leben als jenes seiner Eltern und will sich unbedingt der australischen Armee anschließen. Während eines Sportwettbewerbs trifft er auf Frank Dunne (Mel Gibson), einen jungen Mann, der sich bislang mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten hat und ebenfalls ein guter Läufer ist. Die beiden eigentlich gegensätzlichen Männer freunden sich schließlich an, denn da Frank kein Geld mehr hat und Archy von zu Hause endlich weggekommen ist, wollen sie nun beide zur Armee. Als dann aber Archy wegen seines Alters durchfällt, beschließen sie nach Perth zu gehen, wo die zuständigen Armeebeamten es, wie Frank sagt, nicht so genau nehmen und jeden Mann nehmen, den sie finden können.

Der Weg ist lang und beschwerlich, und voller Hindernisse, doch nach einer Weile erreichen Archy und Frank ihr Ziel: Der erfahrene Sprinter und Reiter Archy kommt zur Kavallerie und Frank zur Infanterie, wo er einige alte Freunde wiedertrifft. Nach einer Ausbildung in Ägypten kommen die Männer an die Front nach Gallipoli, wo sie als Teil der britischen Armee das Heer der Türken schwächen sollen. Das Abenteuer, was sich besonders Archy und Franks Freunde einst versprachen, wird immer mehr zu einem Albtraum, denn die Realität des Schützengrabens und des Schlachtfeldes ist eine ganz andere.

Wie ein Leopard

Bereits lange bevor der erste Entwurf zum Drehbuch geschrieben war, hatte der australische Regisseur Peter Weir beabsichtigt, einen Film über die Schlacht von Gallipoli zu drehen, welche in der Geschichte seiner Heimat eine ganz besondere Rolle einnimmt. Obwohl die australischen wie auch die neuseeländischen Soldaten für den Einsatz an der Front nicht wirklich ausgebildet waren, was zu zahlreichen Verlusten in ihren Reihen führte. Wie schon sein gefeiertes Debüt Picknick am Valentinstag zeigt Weir den Krieg als eine Grenzerfahrung, die zum einen für die Protagonisten eine signifikante Rolle spielt, doch dann auch wieder einen Verlust der Unschuld nach sich zieht.

Interessant ist dabei der erzählerische Rahmen, den Weir und Drehbuchautor David Williamson für ihre Geschichte gewählt haben. Von seinem Onkel Jack trainiert und motiviert, soll Archy sein Talent als Läufer ausbauen, sich vorstellen, er könne laufen wie „ein Leopard“ und hätte metallische Sprungfedern in den Gelenken, die ihm einerseits mehr Bodenhaftung geben, doch ihn dann auch wieder von diesem abstoßen und schneller machen. Wie später auch im Falle von Frank Dunne, gespielt von einem jungen Mel Gibson, ist das Rennen eine Art Grenzerfahrung, ein Moment, der die erhebt für einen Augenblick und der dann auch die Verbindung zwischen den beiden jungen Männern schafft.

Immer wieder stehen Grenzerfahrungen in Weirs Film im Vordergrund, ob bei der Überquerung eines langen Wüstenabschnitts oder wenn die beiden Helden einen Zug erwischen wollen. Archy und Frank stehen, wie die anderen jungen Männer in Gallipoli, für Menschen, die sich nach der Grenzenlosigkeit, der Freiheit sehnen und diese in der Armee, angelockt von der Exotik des Namens „Gallipoli“, zu finden hoffen.

Der Verlust der Unschuld

In verträumt elegischen Bildern, unterlegt von teils klassischer, teils elektronischer Musik, fängt Russell Boyd die Weiten des Outbacks ein wie auch die Schützengräben der Türkei. Nicht nur die ungebändigte Lust nach Freiheit, sondern auch die unschuldige, vielleicht etwas naive Sehnsucht nach einem Abenteuer stehen im Vordergrund, werden dann aber in den engen, lauten und dreckigen Schützengräben auf den Boden der Realität zurückgeholt. Spätestens in der zweiten Hälfte wird die Geschichte mehr und mehr zu einer Tragödie für die Figuren, auch wenn das letzte Bild eine gewisse, für Weir typische Ambivalenz aufweist.

Dieser Übergang von einer Art Coming-of-Age-Drama hin zu einem Kriegsfilm gelingt nicht zuletzt wegen der tollen Bilder und der Darsteller, wobei Lee und Gibson sehr überzeugend jene Entwicklung darstellen, an deren Ende der Abschied von einstigen Idealen stehen muss. Als Zuschauer leidet man mit diesen jungen Männern mit, glaubt an ihre Träume, ahnt aber auch schon, wie dies wohl enden wird.

Credits

OT: „Gallipoli“
Land: Australien
Jahr: 1981
Regie: Peter Weir
Drehbuch: David Williamson
Kamera: Russell Boyd
Besetzung: Mel Gibson, Mark Lee, Bill Kerr, Harold Hopkins, Charles Yunupingu, Ron Graham, Gerda Nicolson

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Golden Globes 1982 Bester ausländischer Film Nominierung

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Gallipoli
„Gallipoli“ ist ein Kriegsdrama, welches durch seine Darsteller und die tollen Bilder beeindruckt. Peter Weir erzählt von dem tragischen Verlust von Unschuld und Idealen, der sich wiederum auf das Bild einer ganzen Nation ableiten lässt, ohne dabei pathetisch zu wirken.
8von 10

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