Inhalt / Kritik

Flashback

„Flashback“ // Deutschland-Start: 27. August 2021 (DVD/Blu-ray)

Es ist eine schwierige Zeit im Leben von Fred (Dylan O’Brien). Während seine Ehe mit Karen (Hannah Gross) glücklich ist, belastet ihn der nahende Tod seiner Mutter schon schwer. Und auch bei der Arbeit steht er unter großem Druck, steht doch eine wichtige Präsentation an. Da begegnet er einem seltsamen Obdachlosen, welcher etwas in ihm auslöst, eine Erinnerung an vergangene Tage. Und so denkt er an sie zurück, die Leute aus seiner Jugend. An Sebastian (Emory Cohen) und Andre (Kier Gilchrist), mit denen er an der Schule die experimentelle Droge Mercury genommen hat. Und natürlich auch an Cindy (Maika Monroe), die damals mit dabei war und im Anschluss spurlos verschwunden ist …

Die plötzliche Erinnerung an früher

Die Erfahrung dürfte jeder schon einmal gemacht haben: Man ist mit einer völlig alltäglichen Tätigkeit beschäftigt, kauft vielleicht gerade ein oder läuft nur die Straße entlang, da drängt sich auf einmal ein Bild aus der Vergangenheit dazwischen. Das können Leute aus der Schulzeit sein, an die man sich erinnert, Szenen mit Familien und Freunden, die man lange vergessen hat. Flashback, so könnte man zwischendurch meinen, sei quasi der Film zu diesem Phänomen. Wenn Fred erst einmal die Initialzündung mit dem seltsamen Obdachlosen hinter sich hat, kommt es ständig zu Begegnungen mit der Vergangenheit. Manche davon sind beabsichtigt, wenn unser Protagonist sich an früher erinnern will. Andere Szenen kommen aus heiterem Himmel – und oftmals zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

Flashback ist jedoch nur bedingt eine Auseinandersetzung mit dem Thema Erinnerung und was solche vergessenen Bilder wieder hervorruft. Stattdessen handelt es sich überwiegend um einen Mystery-Thriller, der sehr betont mit einer entsprechenden Atmosphäre arbeitet. Nur dass nie ganz klar wird, was genau dieses Rätsel ist, das gelöst werden muss. Anfangs meint man noch, es drehe sich dabei vor allem um Cindy, von der niemand weiß, was mit ihr geschehen ist. Dann liegt der Fokus auf den Drogen, welche die Jugendlichen konsumiert haben und die entweder dauerhaft das Gehirn geschädigt oder Türen zu einer neuen Welt geöffnet haben. Aber vielleicht wurden ja auch die Figuren von irgendwelchen Parasiten befallen, welche ihnen eine Erfahrungswelt vorgaukeln, die es so gar nicht gibt.

Ein Ende aller Grenzen

Wem bereits die bloße Beschreibung zu wirr ist, der sollte vielleicht einen Bogen um Flashback machen. Der Beitrag der Fantasy Filmfest Nights XL 2021 ist einer dieser Filme, die das Publikum gezielt verwirren wollen, indem alles möglichst unklar gehalten wird. Tatsächlich werden die Ereignisse immer verworrener, je weiter die Geschichte voranschreitet. Wobei „voranschreiten“ in dem Fall ohnehin das falsche Wort wäre. Auch wenn immer mehr Szenen hinzukommen, bewegt sich das Geschehen eher kreisförmig fort. Immer wieder kommt es zu Wiederholungen, mit leichten Variationen, werden neue Querverbindungen eingeführt, bis die Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart aufgelöst werden. Es ist ja nicht einmal sicher, ob das Konzept der Zeit Bestand hat.

Das wird ein Publikum freuen, das Spaß am Rätseln, Spekulieren und Interpretieren hat. Anlass dazu gibt es mehr als genug. Regisseur und Drehbuchautor Christopher MacBride gibt mehrere Anhaltspunkte mit, wohin die Reise gehen könnte. Und doch ist Flashback keine reine Kopfgeburt. Zwischenzeitlich nähert sich der Film dem Horrorgenre an, wenn bizarre Gestalten auftauchen und nichts mehr Bestand hat. Später kommen außerdem stärkere Dramaelemente hinzu, wenn es auf einmal doch um die Figuren geht und nicht allein philosophische Konstrukte. Vor allem zum Ende hin, wenn der irre Trip mit einer menschlichen Komponente angereichert wird, gewinnt dieser an Emotionalität. Da darf man schon auch mal ein wenig ergriffen sei.

Hypnotisch-melancholische Sinnsuche

Das ist ansprechend von Dylan O’Brien (Love and Monsters) gespielt, der hier Schüler und regulärer Angestellter in einem verkörpert. Das ist gerade im weiteren Verlauf wichtig, wenn in schneller Schnittfolge Szenen der Vergangenheit und der Gegenwart miteinander gekreuzt werden. Etwas schade ist hingegen, dass die Figur selbst – wie eigentlich alle hier – nicht wirklich viel ausgearbeitet wurden. Bei allem Verständnis für MacBrides Festhalten am Vagen, um möglichst breite Diskussionen zuzulassen: Zumindest in der Hinsicht hätte das konkreter sein dürfen. Der Film soll eigentlich sehr tiefgründig sein, bleibt dann aber doch eher an der Oberfläche. Sehenswert ist er dennoch. Flashback bedeutet eine hypnotisch-melancholische Sinnsuche um Erinnerungen, zwischenmenschliche Bindungen und wie wir in einzelnen Momenten unseren Lebensweg bestimmen, ohne das immer zu merken.

Credits

OT: „Flashback“
Land: Kanada
Jahr: 2020
Regie: Christopher MacBride
Drehbuch: Christopher MacBride
Musik: Pilotpriest
Kamera: Brendan Steacy
Besetzung: Dylan O’Brien, Maika Monroe, Hannah Gross, Amanda Brugel, Keir Gilchrist, Emory Cohen

Bilder

Trailer

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Flashback
Ein junger Mann muss plötzlich an seine Schulzeit denken und findet sich im Anschluss immer wieder in vergangenen Szenen wieder. „Flashback“ ist einer dieser Mystery-Thriller, die sehr betont vage bleiben, um möglichst viele Interpretationen zuzulassen. Wer gerne spekuliert, hat bei dem mal hypnotischen, dann wieder unheimlichen, zum Schluss bewegenden Trip einiges zu tun. In mancher Hinsicht wäre es konkreter aber schöner gewesen.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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