Bislang sorgte Max Huang vor allem dafür, dass die Kämpfe anderer gut aussehen, entweder als Stuntman oder Stunt Coordinator. In der Neuauflage des Fantasy-Actionfilms Mortal Kombat (seit 13. Mai 2021 als Video on Demand) darf er demonstrieren, dass er auch selbst über eindrucksvolle Kampfähigkeiten verfügt. Wir haben uns mit dem deutschen Schauspieler darüber unterhalten, was die neue Videospieladaption von früheren Fassungen unterscheidet, welche eigenen Kampferfahrungen er mitbrachte und welche Unterschiede es beim Dreh von chinesischen und internationalen Filmen gibt.

Was hat dich daran gereizt, bei Mortal Kombat mitzumachen?

Für mich war es eine Ehre, bei dem Film dabei sein zu dürfen. Ich bin ein großer Fan des Spiels und der ganzen Welt dahinter. Ich bin aber auch Fan des Action- und Martial-Arts-Kinos. Für mich ist Mortal Kombat, so wie wir es gemacht haben, die perfekte Mischung aus einem High-Budget-Hollywood Film und Martial-Arts-Filmen, wie wir sie aus Asien kennen. Diese Kombination ist das, wofür ich Feuer und Flamme bin. Ich wollte schon immer diese Art von Filmen machen. Von daher ist das wie ein Traum, der für mich wahr geworden ist.

Kannst du uns etwas über die Figur sagen, die du in dem Film spielst?

Ich spiele den Charakter Kung Lao. Sein bester Freund ist Liu Kang, beide sind Shaolin-Mönche. Kung Lao zeichnet sich unter anderem durch seinen Hut aus, den er als Waffe einsetzen kann. In den Spielen Mortal Kombat geht es ja ziemlich heftig zu und man kann darin die Leute richtig zerteilen. Für mich hat der Hut aber auch eine schützende Funktion. Kung Lao wirkt nach außen hin sehr cool. Aber ich denke, dass er auch eine verletzliche Seite hat. Dieses Hervorschauen unter dem Hut hat für mich etwas sehr Mystisches, weil er nicht auf Anhieb alles preisgibt.

Es gab schon vorher Verfilmungen von Mortal Kombat. Die Version von 1995 genießt großen Kultstatus. Wenn du den neuen mit dem alten vergleichst, was ist anders?

Der erste Film ist mittlerweile 25 Jahre alt. Da ist seither viel passiert, gerade die technischen Mittel bei Filmen haben sich stark verbessert. Die 1995er Version ist schon Kult und wurde mit Liebe gemacht. Ich habe ihn mir kurz, bevor wir den neuen Film gedreht haben, noch einmal angeschaut als Inspiration, um in diese Welt einzutauchen. Er kann aber optisch nicht mit heutigen Filmen mithalten. Deswegen hat sich optisch viel verändert, wenn du die beiden Filme vergleichst. Die Essenz ist aber noch dieselbe, obwohl so viele Jahre dazwischen liegen. Es kommen auch viele der Charaktere von damals in unserem Film wieder vor.

Wenn du so ein großer Fan von Martial Arts bist, wie sieht das bei dir aus? Betreibst du selbst welchen?

Ja, ich habe mit elf angefangen, bin also seit inzwischen zwanzig Jahren begeisterter Kampfkünstler. Angefangen habe ich mit Kung Fu und habe da auch viele Wettkämpfe gemacht. Ich war sogar Teil des Nationalteams zeitweise. Später habe ich noch Techniken aus ganz anderen Sportarten gelernt: Turnen, Boxen, MMA, die ganze Fallschule. Bei Filmen ist es oft so, dass man aus vielen verschiedenen Stilen sich etwas zusammenwürfelt. Glücklicherweise habe ich genau diese Stile gelernt, die auch Kung Lao verwendet, ohne zu wissen, dass ich die einmal für einen Film gebrauchen könnte. Das hat natürlich sehr bei dieser Rolle geholfen.

Welche Filmerfahrungen hast du denn bisher gesammelt?

Ich habe eigentlich schon mit 14 angefangen beim Film zu arbeiten, erst als Praktikant, später als Stuntman und Stunt Coordinator bis hin zum Action Regisseur bei Jackie Chan, einem der größten Schauspieler in diesem Genre. Das war also alles schon sehr auf Martial Arts bezogen. Gleichzeitig habe ich versucht, mich schauspielerisch weiterzuentwickeln, und habe viele Masterclass Kurse besucht. In London habe ich dann auch mit einem Diplom an einer Schauspielschule abgeschlossen. Dabei habe ich immer versucht, beides miteinander zu verbinden, also Martial Arts und Schauspiel. Ich denke, dass viele den Schwerpunkt auf eines von beiden legen. Mein Anspruch war es immer, die beiden Sachen gleichwertig zu sehen.

Mortal Kombat Max Huang Interview

Und es werde Eis: eine von vielen Spezialfähigkeiten in „Mortal Kombat“ (© Warner Bros.)

Nun wird in Mortal Kombat nicht nur real gekämpft. Da kommen auch viele Computereffekte zum Einsatz für die Spezialfähigkeiten der Figuren. Wie war das für dich, beim Kämpfen reale Abläufe zu haben, dir gleichzeitig aber noch diese Fähigkeiten und Effekte vorstellen zu müssen?

Interessante Frage. Am Set konnte ich mir ungefähr vorstellen, wie das am Ende aussehen wird. Aber als ich dann im Kino saß und das erste Mal die komplette Fassung gesehen habe, war ich schon beeindruckt. Da haben sie sich wirklich richtig Mühe gegeben. Um noch einmal auf deine Frage vorhin zurückzukommen, die Spezialeffekte haben sich seit 1995 schon unglaublich verbessert. Das sieht Wahnsinn aus, wenn zum Beispiel Sub-Zero das Eis auf seiner Hand wachsen lässt. Man kann gar nicht mehr unterscheiden, was echt ist und was nicht. Das auch noch in Kombination mit der Musik von Benjamin Wallfisch war schon stark.

Das Eis von Sub-Zero und dein tödlicher Hut sind nur zwei der vielen Spezialfähigkeiten der Figuren in Mortal Kombat. Wenn du dir selbst eine Fähigkeit deiner Wahl aussuchen könntest, welche wäre das?

Ich würde sehr gern fliegen können. Schwerelos zu sein und mir die Welt von oben anschauen zu können, das wäre schon cool. Ich glaube alle Kinder träumen davon fliegen zu können.

Du hast vorhin schon Jackie Chan erwähnt, mit dem du zusammengearbeitet hast. Wie ist das im Vergleich, in einem chinesischen Film mitzuspielen und einem internationalen?

Es ist auf jeden Fall sehr unterschiedlich. Es gibt Vorteile und Nachteile auf beiden Seiten meiner Meinung nach. In China und Hongkong war es in meiner Erfahrung so, dass vieles spontan am Set entsteht. Das ist nicht so stark strukturiert wie in Amerika oder dem Westen generell. In Asien geht es ein bisschen lockerer zu, was Spontaneität angeht. Da wird das Drehbuch schon mal am Set umgeschrieben. Die Kampfszenen, gerade wenn man mit Jackie Chan dreht, entstehen erst am Set, weil man sich an die Location anpassen muss. Da wird eher versucht, aus der Situation das Beste zu machen. Wenn es zum Beispiel schneien würde, dann würde man in Asien versuchen, das irgendwie einzubauen. In Amerika würde man warten, bis der Schnee vorbei ist. Besonders bei Actionszenen wird unglaublich spontan gearbeitet, was wohl auch daran liegt, dass die Stunt Koordinatoren, Regisseure und Darsteller non-stop solche Filme drehen und deshalb viel Routine haben. Dadurch können sie schneller reagieren. Das fand ich bei Mortal Kombat schön, weil wir bei den Actionszenen schon viel von diesem asiatischen Arbeiten hatten. Da wurde viel vor Ort noch verändert.

Vielen Dank für das Gespräch!



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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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