Inhalt / Kritik

Lux Aeterna

„Lux Æterna“ // Deutschland-Start: 14. April 2021 (DVD/Blu-ray)

Eigentlich wollte Béatrice Dalle (Béatrice Dalle) nur einen Film über Hexenverbrennungen drehen. Doch manchmal fühlt sie sich selbst wie eine solche verfolgt. Daran hat sicher auch der Produzent seinen Anteil, schließlich lässt der die Regisseurin konstant filmen, in der Hoffnung auf etwas Belastendes, wofür sie gefeuert werden könnte. Schließlich geht der Dreh kaum voran, die Stimmung ist angespannt. Währenddessen hat Hauptdarstellerin Charlotte Gainsbourg (Charlotte Gainsbourg) ganz eigene Probleme, genauer Ärger mit der Familie, was sie zutiefst beunruhigt. Während so die Atmosphäre am Set immer schlechter wird, steht die wahre Katastrophe erst noch an …

Eine höllisch seltsame Zusammenarbeit

Ein bisschen verblüfft durfte man schon sein. Ausgerechnet Gaspar Noé arbeitet mit Yves Saint Laurent zusammen. Der argentinische Regisseur (Irreversibel), der in seinen Filmen den Horror entblößt und gezielt provoziert und das auf Luxus und den schönen Schein spezialisierte Unternehmen, wie passt das zusammen? Erstaunlich gut, wie sich herausstellt. Wer befürchtet, der Filmemacher könne in Lux Æterna auf seine Markenzeichen verzichten, um eine Art Imagefilm zu drehen, der wird schnell eines Besseren belehrt. Und eines Hässlicheren.

Im Mittelpunkt des Films stehen Gainsbourg und Dalle (Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen), die fiktionalisierte Versionen von sich selbst spielen und gemeinsam an einem Film arbeiten. Einem Film im Film also. Der naheliegende Gedanke, Noé würde sich hier dem Metafiktionalen zuwenden und das Filmgeschäft als solches thematisieren, stimmt aber nur zum Teil. Die beiden Schauspielerinnen werden vielmehr zu Beispielen einer allgemeinen Übergriffigkeit von Männern, werden bedrängt oder wie Dalle für Fehler als Sündenböcke missbraucht. Sonderlich subtil geht Noé dabei nicht vor. Er lässt lieber ziemlich explizit über das Thema diskutieren.

Inferno aus Licht und Experimenten

Doch was als realistisches Drama mit gesellschaftlichem Anspruch beginnt, eskaliert – typisch Noé – zu einem Wirbelwind aus Licht, Farben und Schatten. Ähnlich zu seinem letzten Film Climax, als eine Tanztruppe sich in Rausch und Abgrund tanzte, entzündet sich die Liebe zur Kunst und verwandelt sich in ein Inferno, das auf die Realität verweist und sich doch auch von dieser löst. Mitreißende Nummern wie beim letzten Mal gibt es hier natürlich nicht. Dafür aber jede Menge visuelle Spielereien und Experimente. So nutzen der Regisseur und sein Stammkameramann Benoît Debie die volle Weite des Bildformats, um immer wieder mit Splitscreens zu arbeiten. Die dienen dabei nicht unbedingt einer inhaltlichen Erweiterung. Zum Teil sieht man dieselben Szenen nur aus verschiedenen Blickwinkeln. Aber sie verstärken doch das Gefühl von Chaos und Gleichzeitigkeit. Davon auch, dass es kein Entkommen gibt.

Da dürfen einen schon mal leichte Schwindelanfälle plagen. Gegen Ende hin wird auch deutlich, warum Noé zu Beginn des Films über die Vorzüge epileptischer Anfälle spricht. Denn so manche vor den Bildschirmen dürften bei diesen stroboskopischen Lichtgewittern selbst kurz vor einem stehen. Lux Æterna, das auf den Filmfestspielen von Cannes 2019 außer Konkurrenz lief, will dann eben doch mehr sensorisches Ereignis sein als wirkliche Geschichte. Neue Fans wird der Regisseur mit seinem rund 50 Minuten langen Werk kaum gewinnen. Wer aber dessen vorherigen Werke mochte, der wird auch an diesem schillernden Experiment seine Freude haben, bei dem der Inhalt zugunsten leuchtend roter Irrlichter und einer geradezu religiösen Übersteigerung von Kunst auf dem Scheiterhaufen geopfert wird.

Credits

OT: „Lux Æterna“
Land: Frankreich
Jahr: 2019
Regie: Gaspar Noé
Drehbuch: Gaspar Noé
Musik: Harry Allouche
Kamera: Benoît Debie
Besetzung: Charlotte Gainsbourg, Béatrice Dalle

Bilder

Trailer

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Lux Æterna
In „Lux Æterna“ lässt Gaspar Noé seine beiden Hauptdarstellerinnen Charlotte Gainsbourg und Béatrice Dalle über Hexenverbrennungen reden, bevor der Film im Film selbst zu einem Inferno eskaliert. Richtig viel Inhalt hat der experimentelle Kurzfilm nicht, ist aber doch ein faszinierendes Seherlebnis.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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