Irgendwelche Videospiele haben die meisten von uns mal gezockt. Doch wie entsteht so ein Spiel eigentlich? Und was für Leute arbeiten daran? Die Apple TV+ Serie Mythic Quest wirft einen humorvollen Blick hinter die Kulissen eines Spielestudios, das an dem gleichnamigen Online-Rollenspiel arbeiten. Ashly Burch und Imani Hakim spielen darin zwei Kolleginnen, die das Spiel testen und während ihrer gemeinsamen Arbeit Gefühle füreinander entwickeln. Wir haben in unserem Interview zur zweiten Staffel (Start: 7. Mai 2021) die beiden Schauspielerinnen über die Serie, den Reiz solcher Spiele und das Geheimnis guter Teamarbeit befragt,

Warum wolltet ihr Teil von Mythic Quest werden? Was hat euch an der Serie gereizt?

Imani: Die Serie gibt einen Einblick in eine Industrie, von der wir nur selten etwas zu sehen bekommen. Die Videospielindustrie ist gigantisch, größer als Kino und Fernsehen, und trotzdem wissen wir nicht viel über die Hintergründe. Außerdem liebe ich es, in Komödien mitzuspielen. Diese beiden Welten zusammenzubringen und darin eine Spieletesterin zu spielen, das waren so viele gute Gründe, dass für mich klar war, dass ich Teil des Projekts werden wollte.

Ashly: Ich selbst komme aus der Videospielindustrie. Deshalb war es für mich etwas wirklich Besonderes und aufregend, aber auch ein wenig surreal, Teil des Projekts zu werden. Mythic Quest lässt Leute, die bisher nicht viel darüber wussten, hinter die Kulissen schauen. Wir, die wir in diesem Bereich arbeiten, haben oft das Gefühl, die schwarzen Schafe in der Medienlandschaft zu sein. Niemand versteht uns wirklich, keiner weiß, was da vor sich geht. Ich denke, dass die Serie einen guten Eindruck vermittelt, dass die Arbeit dort letztendlich auch nicht wirklich anders ist als die Arbeit bei einem ganz normalen Bürojob.

Und wie war für dich, die Seiten zu wechseln und über die Arbeit an Videospielen zu reden, anstatt bei deren Produktionen beteiligt zu sein?

Ashly: Es war sehr aufregend. Gleichzeitig war das mit viel Druck verbunden, weil ich wollte, dass die Serie sehr authentisch wirkt und dieser Industrie gerecht wird. Außerdem habe ich zwar viele Erfahrungen als Synchronsprecherin gesammelt. Vor der Kamera habe ich bislang aber kaum gearbeitet. Insofern war das schon eine Umstellung für mich. Aber wir haben das Glück, dass das ganze Team uns sehr unterstützt, von den Autoren über die Produzenten bis zum Cast. Mythic Quest ist eine dieser Produktionen, wo du auch wirklich etwas ausprobieren kannst. Du kannst hier Fehler machen und etwas von ihnen lernen, ohne Angst zu haben, dass du deswegen irgendwie beschimpft wirst. Wir haben dort ein sehr warmherziges Umfeld, was mit ein Grund ist, dass die Arbeit an der Serie eine so tolle Erfahrung ist.

Imani, hast du denn irgendwelche Erfahrungen mit Videospielen?

Imani: Nicht im Vergleich zu denen von Ashly. Ich schätze Videospiele schon, spiele selbst aber nur gelegentlich. Vielleicht alle paar Monate oder so.

In dem Spiel Mythic Quest geht es darum, sich einen Charakter zu erschaffen und mit diesem Abenteuer zu erleben. Wenn ihr euch einen Charakter aussuchen müsstet, welcher wäre das?

Ashly: Gute Frage. Ich denke, dass ich eine Zauberin wäre. Eine Dunkelelfe mit magischen Fähigkeiten oder etwas in diese Richtung.

Imani: Ich würde wahrscheinlich auch eine Zauberin sein oder jemand, der direkt und schmutzig in den Nahkampf geht.

Was denkt ihr ganz allgemein ist der Reiz eines solchen Spiels?

Ashly: Mythic Quest ist ein MMO, kurz für Massive Multiplayer Online. Ein großer Teil des Reizes besteht darin, dass solche Spiele kooperativ sind. Wir haben beim Schreiben der Drehbücher immer wieder World of Warcraft als Referenz herangezogen. Die Leute lieben diese Art Spiele. Manche sind geradezu besessen davon und spielen viele Stunden am Stück. Das liegt zum Teil am Unterhaltungsfaktor. Diese Spiele machen Spaß und arbeiten mit interessanten Spielmechanismen. Es kann ganz schön süchtig machen, ein höheres Level zu erreichen oder eine bessere Ausrüstung zu erkämpfen. Aber ich denke, dass es letztendlich diese gemeinsame Erfahrung mit anderen Spielern ist, weshalb so viele diese Spiele lieben. Dieser Community-Aspekt, wenn du auf der ganzen Welt Leute mit ähnlichen Interessen kennenlernst. Du kannst mit ihnen Gilden gründen oder auf gemeinsame Abenteuer gehen. Auf diese Weise baust du Verbindungen zu den anderen auf. Man hört immer wieder von Leuten, die auf diese Weise ihre Partner finden. Manche halten auch virtuelle Begräbnisse oder Hochzeiten ab.

Mythic Quest handelt nicht nur von dem Spiel, das in dem Studio entworfen wird, sondern auch von den Menschen, die daran arbeiten, und ihren Beziehungen zueinander. Ihr beide spielt Testerinnen, die irgendwann ihre Gefühle füreinander entwickeln. Zu Beginn von der zweiten Staffel sagt die Personalchefin, dass es nicht illegal ist, sich am Arbeitsplatz in jemanden zu verlieben. Es wäre nur ziemlich dämlich. Wie seht ihr das? Stimmt ihr dem zu?

Imani: Wahrscheinlich. Grundsätzlich bin ich schon der Ansicht, dass man Beruf und Privatleben voneinander trennen sollte. Nur steckt man da nicht immer drin. Wenn eine wirkliche und authentische Verbundenheit entsteht, dann ist das auch ein Segen. Und das willst du nicht wirklich abblocken. Denn am Ende gilt: Liebe ist Liebe.

Ashly: Ich habe tatsächlich mal jemanden von der Arbeit gedatet, was absolut ein Fehler war. Aber das lag mehr an der Person, weniger an dem Umfeld. Mein Bruder hat seine Frau bei der Arbeit kennengelernt. Es kann also gut gehen. Am Ende kommt es immer auf die Verbindung an. Wenn die funktioniert, dann spielt es keine Rolle, ob es bei der Arbeit war.

In Mythic Quest wird viel über das Thema Teamwork gesprochen, auch weil die Verhältnisse unter den Figuren zum Teil recht schwierig ist. Als Schauspielerinnen wisst ihr, wie wichtig Teamwork bei der Arbeit ist. Was ist das Geheimnis eines guten Teamworks?

Imani: Meiner Meinung nach ist das Geheimnis, offen zu sein und flexibel zu sein, dabei aber auch eigene Überzeugungen zu haben und für diese einzutreten. Zuhören ist ganz wichtig.

Ashly: Dem stimme ich absolut zu. Wenn du Teil des Writer’s Room bist, musst du offen sein und bereit, Ideen zu teilen, die von anderen abgeschmettert werden. Ich kann dir gar nicht sagen, wie oft mit einer Idee oder einem Witz angekommen bin, der komplett in die Hose ging. Davon darfst du dich aber nicht entmutigen lassen. Du kannst in einer solchen Situation nicht einfach aufhören und den Rest des Tages nicht mehr arbeiten. Wenn du in diesem Bereich kreativ sein willst, muss du das Projekt über dein eigenes Ego stellen und das tun, was für das Projekt am besten ist. Ist die Idee von jemand anderem besser als meine eigene, muss ich das akzeptieren und mich selbst zurücknehmen können. Dafür brauchst du grundsätzlich den Respekt vor der Arbeit anderer und eine gewisse Demut.

Du schreibst ja auch selbst für Mythic Quest. Wie schwierig ist es für dich, für eine Serie zu schreiben, in der du selbst mitspielst?

Ashly: Ich muss gestehen: Am Anfang war das schon schwierig. Als ich angefangen habe, für die erste Staffel zu schreiben, wusste ich noch gar nicht, dass ich Rachel spielen würde. Bei der zweiten Staffel wusste ich das natürlich. Dabei habe ich den Fehler gemacht, mich zu sehr auf andere Figuren zu konzentrieren, aus Sorge, ich könnte meiner eigenen Figur zu viel Raum geben. Da spielt diese Demut mit rein, die ich eben meinte. Erst im Laufe der zweiten Staffel wurde mir bewusst, dass es mein Job ist, mich für Rachel einzusetzen, eben weil ich sie später spielen werde. Ich bin diejenige, die sie verkörpern muss. Und letztendlich ist es wichtig, dass alle Figuren zum Zug kommen, weil die Serie sehr davon lebt, dass alle Figuren ausgearbeitet sind und eine Gruppendynamik entsteht.

Eure Spezialfolge zum Thema Quarantäne endet mit dieser wundervollen Szene, bei der alle zusammen auf einzelnen Bildschirmen etwas tun, das zu einer Art Gesamtvorführung wird. Wie lange habt ihr gebraucht, bis diese Szene im Kasten war?

Ashly: Die einzelnen Szenen wurden separat gedreht und erst nachträglich zusammengefügt. Aber ich kann nicht sagen, wie lange das insgesamt gedauert hat.

Imani: Ich glaube, es war so ein Tag, vielleicht auch zwei.

Ashly: Es ging auf jeden Fall erstaunlich schnell. Die größte Herausforderung war es, die einzelnen Szenen so zu drehen, dass sie sich wirklich zusammenfügen lassen. Da war schon viel Trial und Error dabei, bis es so aussah, wie es aussehen sollte.

Imani: Wir haben dabei auch schon etwas schummeln müssen, weil das nicht immer so geklappt hat, wie andere sich das ausgemalt hatten. Allein schon unsere Wohnungen machten es nötig, dass wir drumherum immer wieder etwas anpassen mussten.

Vielen Dank für das Gespräch!



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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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