Inhalt / Kritik

Yamato Schlacht um Japan

„Yamato – Schlacht um Japan“ // Deutschland-Start: 22. April 2021 (DVD/Blu-ray)

Im Jahr 1933 stehen in Japan die Zeichen auf Krieg. Um sich darauf vorzubereiten, beginnen die Planungen für ein gewaltiges Schlachtschiff, das alle anderen in den Schatten stellen soll. Doch nicht alle sind von dieser Idee überzeugt. Während Shigetarō Shimada (Isao Hashizume) bei einer Besprechung kräftig dafür wirbt, das Schiff zu bauen, überwiegt bei Isoroku Yamamoto (Hiroshi Tachi), Führer der 1. Trägerdivison, die Skepsis. Denn seiner Meinung nach brauche es für die Kriege der Zukunft in erster Linie Flugzeugträger. Da die Besprechung zu keinem gemeinsamen Ergebnis kommt, soll die Entscheidung vertagt werden. Yamamoto will diese Zeit nutzen, um zu beweisen, dass die angekündigten Kosten des Schiffes viel zu niedrig angesetzt sind, und sucht dafür die Unterstützung des jungen Mathematikers Tadashi Kai (Masaki Suda). Doch der Widerstand ist groß und den beiden werden entscheidende Informationen vorenthalten …

Die Vorgeschichte eines Super-Schlachtschiffes

Die Yamato war eines der Symbole schlechthin für die japanische Kriegsführung während des Zweiten Weltkriegs. Größer und schwerer bewaffnet als alle anderen Schlachtschiffe der damaligen Zeit sollte es die Überlegenheit des Kaiserreichs demonstrieren, der Stolz sein einer ganzen Nation. Es kam bekanntlich anders, im April 1945 wurde es von den USA versenkt, wenige Monate vor Kriegsende. Anders als es der Titel Yamato – Schlacht um Japan suggeriert, geht es hier jedoch nicht um den konkreten Kriegseinsatz des Schiffes. Es handelt es sich auch nicht um einen Kriegsfilm im engeren Sinne. Zwar beginnt der Film mit der letzten Schlacht, die das Ende des militärischen Wunderwerks besiegelte. Doch danach springt er viele Jahre zurück in die Vergangenheit.

Im Mittelpunkt steht dann auch nicht die Zeit zwischen 1941 und 1945, als die Yamato im Einsatz war, sondern die davor, die sich rein um die Planungen drehen. Das hört sich zunächst vielleicht nicht sonderlich spannend an. Warum sollte man Männern zuhören wollen, die zwei Stunden lang über den Bau eines Schiffes reden? Und doch hat Yamato – Schlacht um Japan mehr zu bieten, als man im Vorfeld vielleicht denken könnte. Die Adaption eines Mangas von Norifusa Mita macht aus dem Stoff, den man eigentlich in einer Kriegsgeschichte vermuten würde, eine Art Politthriller. Wenn Yamamoto und Kai die Wahrheit über die Pläne herauszufinden versuchen, dann erinnert das an die vielen Geschichten über mutige Männer und Frauen, die einer großen Verschwörung auf der Spur sind.

Unterhaltsame Geschichtsstunde ohne viel Tiefgang

Der Unterschied ist: Während solche Geschichten meistens mit einer Bedrohung für die Protagonisten und Protagonistinnen einhergehen, fehlt diese in Yamato – Schlacht um Japan völlig. Die Stimmung ist auch weniger düster, als man vielleicht meinen könnte. Tatsächlich gibt es sogar Elemente, die fast schon als komisch durchgehen würden. Da die beiden Hauptfiguren von der Gegenseite ausgebremst werden und sie keinen Zugriff auf relevante Informationen erhalten, suchen sie sich alternative Methoden. Wenn dann zum Beispiel Kai mit einem Maßband herumschleicht, dann wirkt das so kurios, dass der Weg zu einer Spionageparodie nicht mehr weit ist. Gleiches gilt, wenn die Schlachtschiff-Befürworter von den Aktionen ihrer Gegner erfahren und nicht so recht glauben wollen, was da geschieht.

Der Informationsgehalt hält sich dabei jedoch eher in Grenzen. Zwar baute Regisseur Takashi Yamazaki (Eternal Zero – Flight of No Return, Deine Geschichte in Dragon Quest) immer mal wieder weitergehende Informationen ein. Gerade zu Beginn und zum Schluss wird ein bisschen was geboten, beispielsweise in Form von Texttafeln, um damit einen Kontext zu ermöglichen. Hohe Erwartungen sollte man daran jedoch nicht haben, in die Tiefe geht das alles nicht. Im Anschluss ist man nicht wirklich viel schlauer, weder im Hinblick auf die Konstruktion noch die Kriegsgeschichte. Vielmehr steht der Unterhaltungsfaktor im Vordergrund. Der stimmt dafür: Es macht Spaß, dem Duo bei seinen Recherchen zuzusehen – bis zum überraschenden Ende. Da zudem auf den in Kriegsfilmen so oft vorzufindenden Pathos verzichtet wurde, die nationalistischen Töne sich ebenfalls in Grenzen halten, ist Yamato – Schlacht um Japan eine durchaus sehenswerte, alternative Geschichtsstunde.

Credits

OT: „Arukimedesu no taisen“
Land: Japan
Jahr: 2019
Regie: Takashi Yamazaki
Drehbuch: Takashi Yamazaki
Vorlage: Norifusa Mita
Musik: Naoki Satô
Kamera: Kôzô Shibasaki
Besetzung: Min Tanaka, Jun Kunimura, Minami Hamabe, Masaki Suda, Fumiyo Kohinata, Tasuku Emoto, Isao Hashizume, Hôshi Ishida

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Japan Academy Prize 2020 Bester Hauptdarsteller Masaki Suda Nominierung
Bester Nebendarsteller Tasuku Emoto Nominierung
Bester Schnitt Ryuji Miyajima Nominierung

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Yamato – Schlacht um Japan
Anders als der Titel suggeriert, ist „Yamato – Schlacht um Japan“ kein herkömmlicher Kriegsfilm. Stattdessen darf das Publikum bei der Manga-Adaption mehr über die Vorgeschichte des berühmten Schlachtschiffes erfahren. Der eigentliche Informationsgehalt hält sich in Grenzen, vielmehr steht hier der Unterhaltungsfaktor im Vordergrund, wenn zwei Männer auf unorthodoxe Weise die Wahrheit über das geplante Schiff herauszufinden versuchen.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Hinterlasse eine Antwort