Inhalt / Kritik

In deinen Armen

„In deinen Armen“ // Deutschland-Start: 22. April 2021 (DVD/Blu-ray)

Als Georgie Jutland (Kelly Macdonald) dem attraktiven Fremden Luther Fox (Garrett Hedlund) bei seinen illegalen Fischereien beobachtet, ist sie auf Anhieb fasziniert. Und so wird aus einer Zufallsbegegnung mehr, beide beginnen eine leidenschaftliche Affäre. Dabei ist diese gleich doppelt heikel. Nicht nur dass Georgie schon seit Längerem liiert ist. Es handelt sich dabei auch noch um den einflussreichen Fischer Jim Buckridge (David Wenham), in dessen Gewässern Lu unterwegs war. Die Treffen zwischen den beiden bleiben nicht lange geheim, es droht ein großer Skandal. Um diesen zu entgehen, tritt Lu die Flucht an und schlägt sich alleine durch die Gegend. Doch für Georgie ist die Geschichte damit nicht vorbei. Zu groß sind ihre Gefühle, zu groß die Sehnsucht, ihn wiedersehen zu können …

Zwischen Lob und Verriss

Hierzulande dürfte der Name Tim Winton eher wenigen Leuten etwas sagen. In seiner Heimat Australien ist der Autor jedoch durchaus bekannt, schrieb eine Reihe von Romanen, Kindergeschichten und Sachbüchern, hinzu kommen Theaterstücke und Sammlungen von Kurzgeschichten. Zweimal war er während seiner Karriere bislang für den Booker Prize nominiert, einen der prestigeträchtigsten Preise im Bereich der englischsprachigen Literatur. Das zweite Buch war Dirt Music, auf Deutsch Der singende Baum, und stammt aus dem Jahr 2001. Dieses musste sich letztendlich jedoch Yann Martels Schiffbruch mit Tiger geschlagen geben, dessen Filmadaption 2012 zu einem weltweiten Kassenerfolg und mit Preisen überschüttet wurde.

Ein ähnlicher Erfolg war In deinen Armen, die Filmadaption besagten Buches, nicht vergönnt. Kaum einer konnte sich für das Drama erwärmen, weder beim Publikum noch bei Kritiker*innen. Tatsächlich wird basierend auf der Verfilmung auch nicht klar, was genau die Jury des Booker Prizes in der Geschichte sah, um sie in die engere Wahl für den besten Roman des Jahres aufzunehmen. Das Szenario an sich um eine hübsche Frau, die in einer unglücklichen Beziehung gefangen ist und sich in den mysteriösen Rebell verliebt, kann es zumindest nicht gewesen sein. Auch das Motiv einer verbotenen Liebe ist nicht unbedingt preisverdächtig.

Der Mensch, das unbekannte Wesen

Wobei In deinen Armen noch eine Reihe weiterer Themen und Stränge einbaut. So ist Georgie weder mit Jim verheiratet, noch die Mutter seiner Kinder, selbst wenn sie sich manchmal wie diese fühlt. Zudem wird sie in dem Dorf ohnehin nicht akzeptiert, weil sie eine Fremde ist, selbst nach vielen Jahren. Weshalb sie dann überhaupt mit Jim zusammen ist, bleibt bis zum Schluss ein Rätsel. Plausibel ist es nicht. Es ist nicht einmal so, dass der Film konsequent bei der Zeichnung des Betrogenen wäre. Am Anfang wird noch impliziert, dass es sich mal wieder um einen Brutalo handelt, der andere wie Dreck behandelt – in Filmen immer wieder eine gern vorgeschobene Begründung, um Affären und ähnliches zu legitimieren. Später darf das bezweifelt werden.

Natürlich ist es nie verkehrt, wenn Figuren nicht einseitig in Gut und Böse unterteilt werden, sondern ein bisschen mehr Ambivalenz möglich ist. Das sollte jedoch nicht wie hier in Beliebigkeit enden. Anstatt einen der angesprochenen Aspekte auch mal zu vertiefen, werden lieber neue Themen aufgemacht, darunter eine tragische Vorgeschichte. So etwas kann Charakteren mehr Konturen verleihen und den Grad an Emotionalität erhöhen. Im Fall von In deinen Armen ist das aber zu kalkuliert. Wenn hier alte Traumata ausgepackt werden, dann nicht, um damit eine spannende Geschichte zu erzählen. Sie sind reiner Selbstzweck, ungelenk eingebaut, wann auch immer man es gerade brauchte.

Weder bewegend noch tiefgründig

Tatsächlich bewegend ist der Film damit nicht. Weder geht die Romanze mit dem erstrebten Kribbeln einher, noch haben die ernsteren Themen die notwendige Tiefe. Dafür gibt es reizvolle Bilder. Kameramann Sam Chiplin hat jede Menge idyllischer Aufnahmen zusammengestellt, zu Lande wie im Wasser. Und natürlich bietet ein attraktives Gespann wie Garrett Hedlund (Triple Frontier) und Kelly Macdonald (Puzzle) jede Menge fürs Auge. Aber es bleibt nicht mehr als eine schöne Fassade, hinter der kaum etwas Nennenswertes zu finden ist. Spannend ist In deinen Armen ohnehin nicht, vor allem nicht während des letzten Drittels, wenn sich die Geschichte vollends verliert und man sich irgendwann an allem satt gesehen hat.

Credits

OT: „Dirt Music“
Land: Australien, UK
Jahr: 2019
Regie: Gregor Jordan
Drehbuch: Jack Thorne
Vorlage: Tim Winton
Musik: Craig Armstrong
Kamera: Sam Chiplin
Besetzung: Garrett Hedlund, Kelly Macdonald, David Wenham

Bilder

Trailer

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

In deinen Armen
„In deinen Armen“ erzählt von einer brisanten Affäre, einer Flucht und traurigen Vorgeschichten. Das klingt nach viel. Tatsächlich bleibt die Romanadaption aber nur an der Oberfläche. Da gibt es zwar schöne Bilder und schöne Menschen, aber keinen nennenswerten oder wenigstens konsequenten Inhalt. Vor allem im letzten Drittel nimmt die Langeweile kontinuierlich zu.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Hinterlasse eine Antwort