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Amussu

„Amussu“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Auch wenn wir es nur ungern wahrhaben wollen, aber Ausbeutung ist zu einer zentralen Facette unserer Welt geworden, was in der Folge einer Pandemie und eines fortschreitenden Klimawandels sehr wahrscheinlich noch zunehmen wird. Die Bilder von Sweatshops, von Firmen, die sich nicht in der Lage sehen, den Mindestlohn zu zahlen, bis hin zu den Aufnahmen von Saisonarbeitern hier in Deutschland fordern uns heraus, uns daran zu erinnern, dass die Würde eines Menschen keinesfalls nur eine hohle Phrase ist, sondern ein Grundsatz, auf sich viele Länder und Kulturen geeinigt haben. Diese Idee sollte keinesfalls der Diskussion bedürfen, aber dennoch erleben wir teilweise tagtäglich, wie diese ausgehebelt wird im Rahmen politischer oder wirtschaftlicher Interessen, worüber wir größtenteils nur schweigen, da wir gelernt haben es zu akzeptieren, zu leugnen oder einfach wegzusehen. Gerade vor dem Hintergrund einer globalisierten Welt und Wirtschaft lohnt es sich, sich dieser Widersprüche bewusst zu werden und vielleicht selbst einen Beitrag zu leisten, sodass andere Menschen in Würde leben können.

Dies mag einer der Hauptgründe gewesen sein, warum sich der marokkanische Regisseur Nadir Bouhmouch bereits im Jahre 2016 aufmachte, ein sehr ambitioniertes Projekt anzugehen, nämlich eine Dokumentation über die Bewegung „Amussu xf Ubrid n ‚96“ (Bewegung der Straße 96), wie sie Volksmund genannt wird. Die Dokumentation Amussu, welche im Rahmen des diesjährigen ALFILM in Berlin zu sehen sein wird, erzählt von den Bewohnern Imiders, eines kleinen Dorfes im Zentrum Marokkos, dessen Bewohner sich seit vielen Jahren gegen die Ausbeutung ihrer Wasserreserven wehren. Ihnen gegenüber steht die größte Silbermine Afrikas und deren Befürworter in Politik sowie Wirtschaft, und nicht zuletzt eine Staatsgewalt, die bereits viele von ihnen verhaftet hat und für einige Zeit in Gefängnis steckte wegen ihres Protestes. Bouhmouch arbeitete für den Film eng mit der Bewegung wie auch den Dorfbewohnern zusammen, welche sowohl als Co-Regisseure sowie Produzenten des Filmes genannt werden.

Das Blut unserer Erde

In einem längeren Statement zum Projekt, welches nicht nur dessen Beweggründe, sondern vor allem den Prozess der Entstehung beleuchtet, erklärt Bouhmouch, dass vielleicht eine der größten Herausforderungen das Finden einer Bildsprache war. Fast schon etwas dogmatisch betont er, wie ein Filmemacher immer auch seine Ästhetik mit in ein Projekt, egal ob eine Dokumentation oder ein Spielfilm, mitbringt, was im Falle von Amussu eben nicht funktionierte. Augenscheinlich begleitet die Kamera den Alltag der Dorfbewohner, von der Feldarbeit bis hin zu teils banalen Unterhaltungen, bis dann immer wieder die Verbundenheit dieses Lebens mit dem Protest und dem Kampf um das Wasser gezeigt wird. Die Demonstrationen wie auch die Verhaftungen haben zu einer Verhärtung geführt gegenüber den Interessen des Konzerns, dessen ausbeuterischen Absichten jedem klar sind und dessen repressive Maßnahmen einen tiefen Eindruck in jeder Familie hinterlassen haben.

Jedoch ist die Dokumentation der Protestbewegung und ihrer Verbundenheit mit dem Leben der Dorfbewohner nur eine Facette von Amussu. Die Kamera gibt den Menschen ein Gesicht, zeigt die Dynamik ihrer Freund- und Bekanntschaften, ihre Arbeit wie auch ihre tiefe Verbundenheit zur Kultur, angefangen bei der Poesie bis hin zum Kino, dessen Ausdruckskraft geschätzt wird. Das Wasser ist „das Blut unserer Erde“, wie es an einer Stele heißt, was in vielerlei Hinsicht beide Aspekte der Dokumentation verbindet, nämlich den Kampf wie auch die Kultur der Dorfbewohner.

Credits

OT: „Amussu“
Land: Marokko, Katar
Jahr: 2019
Regie: Nadir Bouhmouch
Kamera: Yassir Charak, Nadir Boumouch

Trailer

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Amussu
„Amussu“ ist eine faszinierende und mutmachende Dokumentation zu mehr Einsatz für die eigenen rechte und die seiner Mitmenschen. Die schönen Bilder wie auch ein ehrliches Interesse für das Thema wie auch die Menschen zeichnet Nadir Bouhmouchs Film aus, der auf die Wichtigkeit eines Lebens in Würde aufmerksam macht.
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