Inhalt / Kritik

Immer, wenn du bei mir bist 2

„Immer, wenn du bei mir bist 2“ // Deutschland-Start: 19. März 2021 (DVD)

Ursprünglich sollte Sascha (Alexander Petrov) der nach einem Unfall im Rollstuhl sitzenden Nadja (Aglaya Tarasova) nur wieder auf die Beine helfen, im wörtlichen Sinn. Doch aus diesem Auftrag wurde bald mehr. Inzwischen sind der Eishockey-Spieler und die Eiskunstläuferin ein glückliches Paar, selbst wenn ihnen die Arbeit manchmal dazwischenfunkt. Dieses Glück soll bald noch gesteigert werden, schließlich erwarten die zwei Nachwuchs. Ganz so einfach wie erhofft wird es jedoch nicht. Als Nadja erfährt, dass sie aufgrund ihrer vorangegangenen Verletzungen ein hohes Risiko trägt, muss sie eine sehr schwierige Entscheidung treffen, die weitreichende Folgen haben wird …

Liebe geht über das Eis

2018 wurde das russische Drama Immer, wenn du bei mir bist zu einem größeren Erfolg. Das Rezept: Man nehme zwei ausgesprochen attraktive Menschen, bei denen es anfangs richtig kracht und lässt diese mit der Zeit einander annähern. Verbunden wurde das Standardprozedere von Romanzen mit einer Art Comeback-Geschichte, wenn eine Eiskunstläuferin in der Krise wieder zu sich und auf das Eis findet. Das bedeutete nicht nur einen doppelten Angriff auf die Tränendrüsen des Publikums. Es bedeutete auch schöne Bilder, wenn sich die Figuren immer mal wieder aus Eis begaben, um sich dort selbst zu finden und dabei gleich noch einen Beweis ihres Könnens abliefern durften.

Zwei Jahre später gab es dann ein Wiedersehen mit den liebgewonnenen Figuren, wenngleich nicht ganz so wie erwartet. Dass Immer, wenn du bei mir bist 2 nicht einfach die Geschichte des Vorgängers noch einmal neu erzählen konnte, war klar. Schließlich hatte Nadja ihre Verletzung überwunden, aus den Streitenden wurden Liebende geworden – beides Entwicklungen, die man nicht einfach rückgängig machen kann. An der Stelle muss man Zhora Kryzhovnikov, der beim Nachfolger Regie führte und am Drehbuch arbeitete, auch zugutehalten, dass er das eben nicht versucht. Sein Drama schließt zwar direkt an den ersten Teil an und behält einige der Merkmale bei, geht inhaltlich aber einen anderen Weg.

Familienleben mit Hindernissen

So steht bei Immer, wenn du bei mir bist 2 nicht mehr die Liebe eines Paares im Mittelpunkt, sondern die Liebe zu einem Kind. Diese ist in dem Fall, anders als beim ersten Teil, von Anfang an von Tragik begleitet. Die Beschäftigung mit der Vergangenheit ist dabei zwar in beiden Filmen ein integraler Bestandteil, sowohl auf der körperlichen wie der seelischen Ebene. Während beim ersten Film aber immer Optimismus mitschwang und die Hoffnung auf Besserung, ist die Vergangenheit beim Nachfolger zu einem Gefängnis geworden, aus dem es kein echtes Entkommen zu geben scheint. Auch weil diesmal der Wille dazu fehlt. Hier geht es eher darum, einfach nur irgendwie durch den Tag zu kommen.

Aufgelockert wird diese bedrückte Stimmung wie schon bei Immer, wenn du bei mir bist von gelegentlichen Musical-Nummern. Das sind dann zwar in der deutschen Fassung nicht unbedingt die professionellsten Darbietungen. Aber es verleiht dem Ganzen doch einen gewissen Charme, zumal die Szenen doch mit recht viel Lebendigkeit und Schwung einhergehen, ohne einen gleich wie Music komplett aus dem Geschehen zu reißen. In der Hinsicht wie ganz allgemein kann man dem Ensemble keine großen Vorwürfe machen. Die schauspielerischen Leistungen stimmen. Die Hauptlast trägt dieses Mal Alexander Petrov (Attraction), der verzweifelt um seine Tochter kämpft und es dabei mit der ganzen Welt aufnimmt – und aufnehmen muss.

Willkürlich und ohne echte Entwicklung

Gerade der letzte Punkt wird aber schnell zu einem Problem für den Film. Immer, wenn du bei mir bist 2 mangelt es über weite Strecken an Glaubwürdigkeit. Schon das anfängliche Szenario ist recht konstruiert. Im Anschluss wird es dann völlig bizarr, wenn nur noch die wenigsten Entscheidungen und Reaktionen plausibel sind. Die Geschichte wird zu einer reinen Willkür, verpasst es dabei zudem, eine wirkliche Entwicklung einzubauen. Stattdessen springt das Drama etwas unmotiviert hin und her, macht selbst aus den Nebenfiguren, die sich immer wieder anschicken, tatsächlich bedeutungsvoll zu werden, auf verblüffende Weise nichts. Wem es nur auf den rein emotionalen Faktor ankommt und drumherum nicht viel braucht, der bekommt zwar schon einiges geboten. Doch das schwache Drehbuch macht unnötig viel von dem kaputt, was den Film eigentlich auszeichnet.

Credits

OT: „Ice 2“
Land: Russland
Jahr: 2020
Regie: Zhora Kryzhovnikov
Drehbuch: Zhora Kryzhovnikov, Andrey Zolotarev
Musik: Harry Allouche
Kamera: Ivan Lebedev
Besetzung: Alexander Petrov, Vitaliya Kornienko, Mariya Aronova, Nadezhda Mikhalkova, Yuliya Khlynina

Bilder

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Immer, wenn du bei mir bist 2
„Immer, wenn du bei mir bist 2“ schließt inhaltlich direkt an den Vorgänger an, geht inhaltlich jedoch einen anderen Weg, weg von der Romanze hin zur Liebe zum eigenen Kind. Teile davon überzeugen, etwa die Darstellung, wie unsere Vergangenheit ein Gefängnis sein kann. An anderen Stellen wird es jedoch sehr willkürlich. Zudem verpasst es der Film, eine wirkliche Entwicklung aufzuzeigen.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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