Inhalt / Kritik

Leatherface

„Leatherface“ // Deutschland-Start: 19. Dezember 2017 (DVD/Blu-ray)

Im Jahre 1965 fängt die Krankenschwester Elizabeth White (Vanessa Grasse) in der psychiatrischen Anstalt Gorman House Reformery School an. Noch während seiner Einführung macht ihr der Leiter Doktor Lang (Chris Addamson) unmissverständlich klar, dass es sich bei den meist jugendlichen Patienten um hoffnungslose Fälle handelt. White lässt sich davon nicht beeindrucken und versucht eine eigene Beziehung zu den Patienten aufzubauen, insbesondere zu Jackson (Sam Strike) und dessen Freund Bud (Sam Coleman), die sie nicht nur vor einem besonders gewalttätigen Insassen verteidigen, sondern ihr auch von Langs drakonischen Maßnahmen wie einer schmerzhaften Elektroschocktherapie erzählen. Kurze Zeit später  beschließt Verna Sawyer (Lili Taylor), die ihren Sohn nicht sehen darf, das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen und dringt in die Anstalt ein. Zwar können die Wachen sie fassen, dafür fliehen mehrere Insassen und proben nun den Aufstand. Jackson, Bud und zwei anderen Patienten, die Elizabeth als Geisel nehmen, gelingt ebenfalls die Flucht. Dies ruft Texas Ranger Hal Hartman (Stephen Dorff) auf den Plan, der nicht nur die Jagd auf die Flüchtigen eröffnet, sondern auch noch eine sehr persönliche Rechnung mit einem von ihnen offen hat.

Der Beginn des Terrors

Nachdem ihr Film Inside (2007) gerade unter Horrorfilm-Enthusiasten und Kritikern viel Anklang gefunden hatte, galt das französische Regieduo Julien Maury und Alexandre Bustillo als eine große Hoffnung innerhalb des Genres. Zusammen mit Landsmännern wie Xavier Gens und Alexandre Aja zählten sie zu den Mitgestaltern der Welle vor allem französischer Horrorfilme, die in den 2000er Jahre mit Titeln wie High Tension oder Martyrs auf sich aufmerksam machte. So war es nur eine Frage der Zeit, bis Maury und Bustillo ihre Aufwartung in Hollywood machen sollten, doch nach einer ganzen Reihe von Projekten, die letztlich im Sande verliefen, wurden sie als Regisseure für den insgesamt achten Film der The Texas Chain Saw Massacre-Reihe verpflichtet, einem Prequel, welches die Ursprünge des unter dem Spitznamen „Leatherface“ bekannten Killers zeigen soll.

Rein optisch und von der Anlage der Figuren her, erzählt Leatherface eine Geschichte, die sich durchaus dem Original aus dem Jahre 1974 verpflichtet fühlt, auf welches an vielen Stellen angespielt wird. Auch wenn die Dreharbeiten nicht wie Tobe Hoopers Film in Texas stattfinden konnten, so betonen die kargen Landschaften wie auch die einzelnen Sets, insbesondere die psychiatrische Anstalt oder der Familiensitz der Sawyers – die Familie, aus der „Leatherface“ entstammt – die Brutalität wie auch die Hoffnungslosigkeit, welche schon die Atmosphäre des Originals ausmachte. In jedem Falle ist es eine im Vergleich zum Remake von Texas Chain Saw Massacre formal sehr viel bessere Herangehensweise, die stilistisch glaubhafter wirkt.

Jede Szene in Leatherface umgibt eine Atmosphäre der Gewalt und der Ausweglosigkeit. Von den ersten Minuten an beweisen Maury und Bustillo ihr Talent, wenn es um die Etablierung einer intensiven Stimmung geht, in der selbst die brachialen Gewaltergüsse möglich erscheinen. Auch wenn es gegen Ende hin etwas arg comichaft anmutet, bleibt kein Zweifel daran, dass jeder Keim der Hoffnung und des Positiven, wie ihn beispielsweise eine Figur wie Elizabeth symbolisiert, erstickt. Inwiefern dies allerdings zur Spannung der Handlung beiträgt, muss jeder Zuschauer selbst entscheiden, doch eigentlich Zweifel daran, dass „Leatherface“ seiner Bestimmung als Killer nicht nachgehen könnte oder es einen Ausweg für ihn gab, bleiben nicht.

Familienfehden

Auch wenn wahrscheinlich niemand das Talent Julien Maurys und Alexandre Bustillos infrage stellt, so kann wohl kaum ein Regisseur das inhärente Problem eines Projektes wie Leatherface lösen, nämlich das der Notwendigkeit. Wie schon andere Versuche, die Vorgeschichte eines durch eine Filmreihe bekannten Killers zu erzählen, wie beispielsweise Rob Zombies Neuverfilmung von Halloween, muss sich auch Leatherface den Vorwurf gefallen lassen, durch das Erzählen einer Vorgeschichte nichts wirklich Neues der Reihe wie auch zu der Figur beizutragen. Das Unerklärliche erklärlich zu machen oder gar deutliche Hinweise auf dessen Ursprung zu geben, mag für den ein oder anderen Fan sicherlich eine gute Idee sein, aber wirklich brauchen tut man es nicht.

Wie das schon erwähnte Halloween-Reboot sieht das Drehbuch von Leatherface, geschrieben von Seth M. Sherwood, den Ursprung in der Familie. In diesem Zusammenhang fällt vor allem die starke Darstellung Lili Taylors als Matriarchin auf, die ihre Familie mit einer Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche führt, sie schützt und sie auf ihre Bestimmung als Killer hin vorbereitet. Besonders im Zusammenspiel mit dem von Stephen Dorff gespielten Texas Ranger ergeben sich einige ganz interessante Szenen, in denen es um den Kampf geht zwischen Mutterinstinkt und einer Ideologie, welche alle Andersartigen am liebsten wegsperren oder gnadenlos verfolgen würde.

Credits

OT: „Leatherface“
Land: USA
Jahr: 2017
Regie: Julien Maury, Alexandre Bustillo
Drehbuch: Seth M. Sherwood
Musik: John Frizzell
Kamera: Antoine Sanier
Besetzung: Sam Strike, Vanessa Grasse, Stephen Dorff, Lili Taylor, Chris Adamson, Sam Coleman

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Leatherface
„Leatherface“ ist ein ganz unterhaltsamer, aber letztlich eigentlich unnötiger Beitrag zur „Texas Chain Saw“-Reihe. Hebt man das Mysterium um eine Figur wie Leatherface auf, raubt man der Reihe ein wesentliches Aushängeschild und da hilft es wenig, wenn sich Maury und Bustillo von der Albernheit und dem Stil vergangener Sequels und Reboots abheben.
5von 10

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