Kritik

Waldgericht Ein Schwarzwaldkrimi

„Waldgericht – Ein Schwarzwaldkrimi“ // Deutschland-Start: 4./5. Januar 2021 (ZDF)

Der Anblick, der sich den Schaulustigen da bietet, ist ebenso bizarr wie verstörend: Ein Obstbauer wird ermordet aufgefunden, kopfüber vergraben und als Vogelscheuche zurechtgemacht. Und das ist nur der Anfang einer mysteriösen Mordreihe, welche Kommissarin Maris Bächle (Jessica Schwarz) und ihr Kollege Konrad Diener (Max von Thun) aufzuklären haben. Während die ländliche Bevölkerung über die Beteiligung von Erdgeistern spekuliert, vermutet das Duo eher irdische Kräfte und geht einer alten Geschichte rund um ein Waldgericht nach, welches im Mittelalter hier stattgefunden haben soll. Diener hat währenddessen noch ein ganz anderes Problem, ist doch sein Sohn Emil (Arved Friese) während seines Aufenthalts im Zeltlager spurlos verschwunden …

Der Wald als Ort der Angst

Im Genreumfeld ist kaum ein Setting so beliebt wie der Wald, zahllose Horror- und Thrillertitel nehmen diesen als Schauplatz, um das Publikum so richtig das Fürchten zu lehren. Aus gutem Grund: So idyllisch diese Orte sind, so unheimlich können sie auch sein. Sie sind unübersichtlich, verwinkelt, oft etwas dunkel, wenn die Sonne nicht durch die Wipfel dringt. Überall knistert und knackt es, man weiß genau, dass um einen herum irgendwelche Wesen umherstreifen, ohne dass man diese zu Gesicht bekommt. Filme wie The Blair Witch Project oder The Hole in the Ground machen den Wald zu einem inoffiziellen Hauptdarsteller, der Angst und Schrecken verbreitet, indem ausgiebig mit der Angst vor dem Unbekannten gespielt wird.

Doch warum in die Ferne schweifen, wenn das Grauen ist so nah? Das dachten sich wohl auch die Kreativköpfe hinter den Schwarzwaldkrimis. Die nehmen in ihrer Reihe das Gebirge im Südwesten Deutschlands nicht allein als Kulisse, um irgendwelche austauschbaren Kriminalfälle davor auszubreiten. Vielmehr ist der Ort und dessen Geschichte fest integriert. Das gilt bei Waldgericht, dem zweiten Teil der Reihe, sogar doppelt. Zum einen wispern die Leute vor Ort von Erdgeistern, alte Sagen und Mythen sind noch immer fest in dem Bewusstsein der Menschen verankert. Aber auch das im Titel angekündigte Gericht aus dem Mittelalter spielt bei dem Zweiteiler eine größere Rolle.

Allerdings, auch das wird früh klar, sind diese historischen Verweise letztendlich nur bedingt Teil des Falls. Der ist deutlich irdischer, als es die mythische Anmutung einen glauben lassen will. Am Ende ist Waldgericht – Ein Schwarzwaldkrimi dann doch, wie der Titel verrät, ein Krimi und kein Fantasyfilm. Dennoch ist die Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart reizvoll. Die TV-Produktion erhält dadurch ganz ordentlich Flair und hebt sich von den vielen anderen Krimis ab, welche die Kanäle der öffentlich-rechtlichen Sender beinahe täglich fluten, in der Hoffnung, das offensichtlich unverändert große Publikum zu erreichen, das daheim gern bei der Aufklärung von Morden und Verbrechen dabei ist.

Atmosphärisch, aber etwas langatmig

Wobei Drehbuchautorin Anna Tebbe (Danowski – Blutapfel) den Zeichen der Zeit folgt und zusätzlich zu der Mörderjagd noch persönliche Geschichten drumherum erzählt, die den Zweiteiler in Richtung Drama rücken lassen. Gerade die Geschichte um Sohn Emil, der die Zielscheibe von Mobbing ist, gibt dem Krimi noch eine persönlichere Ausrichtung. Hinzu kommt die etwas kuriose Vorgeschichte von Bächle, die mit den Ereignissen verknüpft wird. Das ist dann zwar für sich genommen alles interessant und atmosphärisch. Aber auch etwas langatmig. Während viele TV-Krimis darunter leiden, unter der 90-Minuten-Marke bleiben zu müssen und deshalb nicht viel Zeit für Detailarbeit haben, ist es bei Waldgericht – Ein Schwarzwaldkrimi umgekehrt. Gleich zweimal 90 Minuten ist doch ein bisschen viel, der Inhalt rechtfertigt es nicht so recht. Die Filme ziehen sich immer mal wieder. Gleichzeitig reicht es nicht für ein größeres Gesellschaftsporträt, wie es der Dreiteiler Das Geheimnis des Totenwaldes war. Aber auch wenn am Ende doch noch etwas fehlt, die Spannung nicht mit der Stimmung mithalten kann, im Kreis der oft zu ähnlichen Geschichten dieses Genres ist diese hier einer der individuelleren und damit interessanteren.

Credits

OT: „Waldgericht – Ein Schwarzwaldkrimi“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Marcus O. Rosenmüller
Drehbuch: Anna Tebbe
Musik: Dominik Giesriegl
Kamera: Stefan Spreer
Besetzung: Jessica Schwarz, Max von Thun, Nadja Bobyleva, Rike Schmid, Jeanette Hain, Arved Friese, Bruno Eyron, Peter Prager

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Waldgericht – Ein Schwarzwaldkrimi
In „Waldgericht – Ein Schwarzwaldkrimi“ wird ein bizarrer Leichenfund zum Auftakt für eine Reihe von mysteriösen Morden, die weit zurück in die Vergangenheit führen. Der Zweiteiler gefällt durch sein Setting und die Verbindung mit historischen sowie mythologischen Elementen. Er ist aber auch etwas langatmig, verliert vor lauter Stimmung die Spannung aus den Augen.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

7 Responses

  1. Hans-Dieter Wehle

    Liebe nicht Freudenstädter, im Schwarzwald wohnen die Menschen nicht in Erdlöchern, es gibt keine seltsamen Waldmenschen. Dieser Schwarzwaldkrimi ist eine Beleidigung für mich als Freudenstädter.

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    • Schmidt

      Na sie haben Probleme, mich als Freudenstädterin hat es total berührt, Herr Rosenmüller hat es meiner Meinung nach geschafft, dass Drehbuch genial in Szene zu setzen.
      Den Bezug zu alten Mythen finde ICH toll

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  2. Regina Weber

    Netter Versuch, aber das ist mir zu platt.
    Als Zugezogen, in Baiersbronn lebend, ist es auch für mich eher enttäuschend. Hatte mehr Tiefe und weniger ständig wechselnde, eher oberflächliche Szenen erwartet. Wir wandern viel durch diese Wälder, deren mystischer Zauber viel mehr hergeben könnte.

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  3. Christian Smaluch

    Habe nur den 1.Teil zum Teil gesehen und selten so einen Unrealistischen
    Schwachsinn gesehen, Ich bin Enttäuscht das das ZDF sich zu so einem
    Blödsinn herablässt. bin von dem Sender eigentlich besseres Gewohnt.

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  4. Dieter Stotz

    Mal unabhängig vom Thema der Filmkritik: Wenn ich so lese, was hier abgelassen wird, frage ich mich, wie es um unsere Orthografie steht. Aber die Antwort steht fest: Sehr schlecht! Abgesehen davon ist alles weit entfernt von einer differenzierten Bewertung bzw. Kritik. Man sollte ja auch nicht alles veröffentlichen, wovon man denkt, es sei eine Meinung.

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  5. Andreas Pilz

    Der Film gehört zu einem selten gepflegten Genre: dem Krimi-Märchen füt Erwachsene. Atmosphärisch ansprechend, handwerklich sauber abgedreht, allerdings zu viele Wechsel meist zu kurzer Szenen, durchweg unterhaltsam gestaltet, aber als Kriminalgeschichte leider viel zu durchschaubar und in der Schlußszene (auf der Burgruine) komplett abgedreht.
    Ein großes Lob geht an den jungen Arved Friese. Toller Nachwuchsschauspieler!

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  6. Beate Netzhammer

    Guten Abend. Wenn Sie einen schwarzwaldkrimi senden wollen sollten Sie auch eine Besetzung buchen die den Dialekt kann. Für mich als Schwarzwälder kaum anzuhören. Liebe Grüße Beate

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