Kritik

Knight and Day

„Knight and Day“ // Deutschland-Start: 22. Juli 2010 (Kino) // 4. März 2011 (DVD/Blu-ray)

Am Flughafen stößt June Havens (Cameron Diaz) mehrfach mit Roy (Tom Cruise) zusammen. Sie sitzen sogar in dem spärlich besetzten Flieger zusammen, was June zwar verwundert, aber ihr die Chance gibt, an das Gespräch mit dem attraktiven Mann anzuknöpfen. Jedoch kommt alles anders, denn nach einem Gang auf die Toilette, eröffnet ihr Roy, er habe im Kampf nicht nur die Passagiere samt der Stewardess bewusstlos geschlagen, sondern im Eifer des Gefechts auch die Piloten, ebenfalls feindliche Agenten, erledigt. Er selbst sei ein Agent und im Moment dabei, einen geheimen Auftrag zu erledigen, welcher ihn bei seinen Vorgesetzten in Ungnade hat fallen lassen, weshalb sie ihm nun nach dem Leben trachten. Schließlich gelingt es Roy mit Mühe eine Bruchlandung mit dem Flugzeug hinzulegen, wonach er June belehrt, sie müsse auf sich aufpassen, da der Geheimdienst nun auch hinter ihr her sei. Als June am nächsten Morgen aufwacht, glaubt sie zunächst, der letzte Abend wäre nur ein Traum gewesen, doch weit gefehlt. Roys Mahnung war nicht von ungefähr, denn schon bald sind Agenten des US-Geheimdienstes, angeführt von Agent Fitzgerald (Peter Sarsgaard), ihr auf den Fersen sowie die Handlanger eines Waffenhändlers.

Der passive Passagier

Das Projekt Knight and Day befand sich schon eine ganze Weile in der Entwicklung, wobei sehr viele Autoren am Drehbuch mitschrieben, der Regisseur wechselte wie auch die Hauptdarsteller, bis dann letztlich der erfahrene James Mangold die Regie übernahm und mit Tom Cruise sowie Cameron Diaz zwei in solchen Produktionen gleichfalls routinierte Darsteller fanden. Gerade Mangold ist ein Filmemacher, dessen Karriere zwischen massenkompatiblem Blockbuster und eher eigenwilligen Projekten wie Cop Land oder dem Horrorthriller Identität changiert. Mit Knight and Day liegt ein weiterer Blockbuster vor, eine Mischung aus Actionfilm und Komödie, der zwar viele Verweise auf das Genre des Spionagethrillers aufweist, aber trotz seiner guten Darsteller leider nicht über den Durchschnitt hinauskommt.

Bereits in der Neuverfilmung von Alejandro Amenábars Virtual Nightmare – Open Your Eyes, die unter dem Titel Vanilla Sky von Cameron Crowe verfilmt wurde, standen Cruise und Diaz gemeinsam vor der Kamera. Dies mag die Chemie der beiden Darsteller erklären, die hin und wieder in Knight and Day durchscheint, sowohl bei den komischen Szenen wie auch jenen Actionelementen, wie beispielsweise der ganz imposanten Verfolgungsjagd durch Sevilla im Finale des Filmes, in der Diaz ihre Talente was gerade dieses Genre angeht, unter Beweis stellen kann. Generell sind gerade diese Momente bisweilen die stärksten in Knight and Day, ist doch ansonsten speziell Diaz’ Figur eher zum Nichtstun verdammt, wird betäubt oder unter Drogen gesetzt, nur um dann in der nächsten Stadt aufzuwachen oder in einer weiteren für ihre Figur eher extremen Situation wie dem Sprung aus einem Flugzeug über dem Meer.

Ähnlich einem betrunkenen oder betäubten Passagier auf einer Achterbahnfahrt fühlt sich wohl auch der Zuschauer über weite Strecken des Filmes. Bedenkt man die vielen Autoren, die hinter der Geschichte standen, wird hier das wahre Ausmaß des Flickenteppichs deutlich, welcher June in immer neuen Städten und Situationen zeigt, welche nur durch diesen sich wiederholenden Kniff miteinander verbunden sind. Auch wenn die beiden Figuren dies in einer Szene ironisch kommentieren, ist diese Masche auf die Dauer eintönig, nervig und berechenbar.

Der Spion und der Niemand

Zudem richtet diese wenig kaschierte erzählerisch-formale Schlampigkeit sehr viel Schaden an, was die Figuren angeht. Der eigentlich als sympathisch geltende Spion, den Cruise spielt, wird zu einer moralisch eher fragwürdigen Figur, welche sein Gegenüber notfalls durch Manipulation zur Passivität verdammt, was sich June ohne großen Protest gefallen lässt. Sie ist eben ein „Niemand“, wie sie an einer Stelle genannt wird, eine Schachfigur in einem viel größeren Spiel, als sie es je vermuten würde, also nur eine weitere Frau, die darauf wartet gerettet zu werden, auch wenn man sich am Ende zumindest die Mühe macht, diesen Eindruck ein wenig zu schmälern.

Dennoch hinterlässt dies einen schalen Beigeschmack, der einfach nicht weichen will und Knight and Day leider nicht zu dem Unterhaltungsfilm macht, der er gerne sein möchte. Wäre die Kreativität, die man ins Drehbuch gesteckt hat, etwa auf demselben Niveau gewesen wie das Talent, was sich vor der Kamera versammelt, hätte dies eine sehr viel unterhaltsamere Angelegenheit werden können.

Credits

OT: „Knight and Day“
Land: USA
Jahr: 2010
Regie: James Mangold
Drehbuch: Patrick O’Neill
Musik: John Powell
Kamera: Phedon Papamichael
Besetzung: Cameron Diaz, Tom Cruise, Peter Sarsgaard, Paul Dano, Maggie Grace, Marc Blucas, Viola Davis

Trailer

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Knight and Day
„Knight and Day“ ist eine darstellerisch solide, erzählerisch eher mittelmäßige Mischung aus Actionfilm und Komödie. James Mangold wie auch seine Schauspieler geben sich zwar große Mühe, können aber die Mängel des Drehbuchs nicht in den Griff bekommen.
5von 10

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